Hitzig, emotional und wirr: Anne Will diskutiert mit ihren Gästen über den Sinn des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan.
Eine Trauerfeier für die drei am Gründonnerstag getöteten Soldaten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Ein paar Tage später eine Zeremonie im Bundeswehrlager Masar-i-Scharif: Vier weitere getötete Soldaten werden geehrt und verabschiedet. Es sind Nachrichten wie diese, die die schwierige Situation in Afghanistan verdeutlichen und die Debatte um den Einsatz in Afghanistan emotional aufladen.
Der Sarg eines in Afghanistan gefallenen Soldaten: Deutsche Opfer laden die Debatte um den Einsatz emotional auf. (© Foto: dpa)
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"Gefallen in Afghanistan - gestorben für Deutschland?", fragt auch Moderatorin Anne Will am Sonntagabend - und entfacht unter ihren Gästen eine interessante und derart hitzige Debatte, dass bisweilen alle Geladenen gleichzeitig sprechen. Und so driftet das Gespräch immer wieder ins akustisch Unverständliche und inhaltlich Wirre ab. Es ist wohl ein Thema, das deutliche und emotionale Worte verlangt.
"Krieg ist kriegerisch, er erzeugt Tote" erklärt Roger Willemsen gleich zu Beginn der ARD-Sendung und findet die Idee, die deutsche Freiheit würde am Hindukusch verteidigt werden, "fast dadaistisch". Er stellt die These auf: Unsere Sicherheit ist von den Taliban überhaupt nie direkt gefährdet worden.
Der Autor und Publizist unterstützt seit Jahren mehrere Hilfsprojekte in dem Land - unter anderem drei Mädchenschulen und Brunnenbauvorhaben. Man verhandle dort direkt mit den Taliban und der Aufbau funktioniere auch ohne militärische Unterstützung, erklärt er.
Das bringt sofort Kerstin Müller auf den Plan, die eine derart "verharmlosende Darstellung" Willemsens nicht akzeptieren will. "Nehmen Sie das zurück!", fordert die außenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. Willemsen nimmt nichts zurück und erklärt hingegen: "Die Grünen-Politikerin Müller möchte eigentlich im Grunde genommen mittlerweile Afghanistan bombardieren."
Damit formuliert Willemsen überspitzt, was in dieser Sendung bemerkenswert ist: Die Grünen-Politikerin springt mit ihren Aussagen immer wieder FDP-Mann Dirk Niebel bei. Der Bundesentwicklungsminister selbst bringt zunächst den "Strategiewechsel der Bundesregierung" unter, fordert wieder einmal "einen militärisch abgesicherten zivilen Aufbau" und droht vor einem "Überschwappen nach Pakistan und der Option einer atomaren Bewaffnung von Islamisten" .
Ein weiterer Gast, der als betroffener Soldat kurz seine Position vertreten darf, wird später sagen: "Manchmal kommt mir die Diskussion hier vor wie politischer Wahlkampf".
Immerhin räumt der Befürworter des Afghanistan-Einsatzes an diesem Abend ein: "Man wird nicht militärisch in Afghanistan gewinnen können. Man kann aber einen Sicherheitsrahmen schaffen, der es ermöglicht, auf dem aufzubauen, was in der Vergangenheit schon Positives geleistet worden ist."
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Die Taliban als "Erfüllungsgehilfe" der "Mörder" in Berlin.
Das ist - mit Verlaub - der unglaublichste Schwachsinn, den ich hier zu diesem Thema lesen durfte.
Der Taliban ist nur der Erfüllungsgehilfe, die verantwortlichen Mörder unserer jungen Soldaten sitzen in Berlin auf der Regierungsbank.
Raus aus Afghanistan, das ist die einzige verantwortungsbewusste Alternative zu diesem Krieg, der niemals gewonnen werden kann, denn der Taliban kämpft mit Herzblut und dem ist aus Berlin nichts entgegenzusetzen.
Das unsinnige Geschwätz der verantwortlichen Politiker, dieser Kriegs-Einsatz in Afghanistan dient der Sicherheit unseres Landes, dass glaubt nur noch eine Minderheit der verblendeten Parteigenossen von CDU/FDP.
An der LINKEN geht hier kein Weg vorbei, sie fordert schon seit Jahren den sofortigen Abzug, und das ist gut so.
Nur weil wir "umgangssprachlich" Krieg in Afghanistan haben, haben wir im rechtlichen Sinne noch lange keinen Krieg. Jeder in Afghanistan Getötete ist also in Wahrheit ein im zivilen Leben von einer von außen eingedrungenen Macht Ermordeter. Vielleicht fürchtet sich Frau Merkel und Herr Guttenberg einmal vor den strafrechtlichen Folgen ihres Tuns.
Die Sendung ist sehr wichtig und sollte immer wieder gesendet werden, weil Niebel unfreiwillig und ohne es zu merken an vielen Stellen die Wahrheit sagte, dass nämlich für den Aufbau des Landes Hopfen und Malz verloren ist - "machen wir uns nichts vor"- am wichtigsten aber vielleicht, dass es nichts nützt, das so viele Leute gegen den Krieg sind, wenn sie nicht wirklich die LINKE wählen. Ich mag die Partei auch nicht, und es fällt mir sehr schwer sie zu wählen, aber da ich gegen den Krieg bin, muss ich es tun.
Zwischen 1839 und 1919 führten die Engländer dreimal Krieg in und gegen Afghanistan, letztlich ohne "Erfolg". Mindestens seit 1978 unterstützten die USA via CIA die aufständischen Mudschaheddin im Kampf gegen das sowjet-kommunistische Regime. Dies ging auch während der sowjetischen Besetzung zwischen 1979 und 1989 weiter.
Nach dem Abzug der Sowjets konnten die von den USA bestens ausgerüsteten und hoch motivierten "Gotteskrieger" ruckzuck die Macht an sich reißen, und aus den internen Auseinandersetzungen gingen letztlich die Taliban als Sieger hervor. Ein klassischer Fall ganz nach dem Motto: Wer Wind sät, wird Sturm ernten.
Der Wind bläst auch fast zehn Jahre nach dem Einmarsch internationaler Truppen im Jahre 2001 weiter und es fragt sich, wem er stärker ins Gesicht weht. Nach wie vor haben die USA und ihre Verbündeten keine klare Vorstellung davon, wie es nach dem "Waffengang" in Afghanistan weitergehen soll.
Der "zivile Aufbau" diente bisher meist nur als Deckmäntelchen für die militärische Präsenz, die in erster Linie jenem militärisch-industriellen Komplex von Nutzen ist, vor dem US-Präsident Dwight D. Eisenhower in seiner Abschiedsrede vom 17. Januar 1961 ausdrücklich warnte. Klar ist nur, dass es sehr lange dauern wird, bis dieser unsägliche Krieg vergessen sein und Afghanistan sich zu einer selbstbestimmten, international anerkannten und intern regierungsfähigen Nation entwickelt haben wird.
Für Deutschland wird es höchste Zeit, Lehren aus dieser ganzen Entwicklung zu ziehen und sich aus Militärbündnissen mit rückwärtsgewandten und oft genug größenwahnsinnigen "Verbündeten" zu lösen und international neue Wege zu suchen.
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