Idealtypisch prallten die Gegensätze aufeinander: Machen die Bedürfnisse oder die Perspektiven den Menschen? Schafft die Lust sich eine Norm, oder sorgt erst Moral für Hingabe? Dass solche tiefreichenden Differenzen freigelegt und nicht harmonisiert wurden, gehört zum Verdienst dieser Runde. Keine Brücke führt auch von Overbecks Ablehnung der Homosexualität zu Praunheims wütendem Konter. Die "Natur des Menschen", urteilte der Bischof, sei auf das "Miteinander von Mann und Frau" angelegt, also widerspräche Homosexualität der Natur.
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Ein Lob dem Zölibat
"Völliger Quatsch, völliger Blödsinn", quittierte der Künstler das Hirtenwort. Auch Matussek mochte da nicht mitgehen. Am priesterlichen Zölibat hingegen will der Spiegel-Autor festhalten; Jesus habe Männer zu seinen Aposteln erwählt, und der Priester handle am Altar an Christi Statt. Auch als Widerstandsakt gegen den Mainstream und gegen eine Gesellschaft, "in der alles auf schnelle Bedürfnisbefriedigung angelegt ist", imponiere ihm die Ehelosigkeit.
Regisseur Praunheim hält solches Denken für Chauvinismus. Fortan duzte er "den Matthias" noch heftiger: "Also du bist wirklich so ein richtiger Machomacker."
Auf dem Betroffenheitssofa von Anne Will erklärte schließlich ein ehemaliges Mitglied der Regensburger Domspatzen, das zwischen 1968 und 1971 von einem "studentischen Helfer" regelmäßig "befummelt" worden sei, seinen Kirchenaustritt. Der Mann fühlt sich durch das Regensburger Bistum vom Opfer zum Täter gemacht, zum Nestbeschmutzer, der den Domspatzen schaden wolle.
Für Heiterkeit sorgte eines der insgesamt vier gewohnt drögen Einspielfilmchen. Ein katholisches Ehepaar, dessen Tochter jetzt zur Erstkommunion ging, sollte die Bedeutung der Feier erklären. Der Vater sagte, dass die Tochter nun die Berechtigung erhalten habe, Ministrantin zu werden. Der Kommentator sprach munter vom "ersten Abendmahl".
Man sieht: Auch bei der Vermittlung von Glaubenswissen eröffnet sich für eine "Kirche der Klarheit in pluriformer Gesellschaft" (Overbeck) ein weites Feld.
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(sueddeutsche.de/jja)
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werklich guten Journalismus"? Ich denke, nein. Daher geht meine Kritik etwas an der Dame vorbei, die das Gespräch lenkt. Gleichwohl: statt dieser teilweise etwas denkwürdigen Gestalten in der "Runde", wie wäre es gewesen Herrn Ahlers und ein, zwei der hervorragend nüchternen Mediziner der Charite einzuladen?
Das Thema Zölibat, Priesterschaft etc. sind doch völlig ausgelutscht und intellektuell ein schwarzes Loch, einzig gut dafür gesamtgesellschaftlich die blauen Äuglein zu verschliessen vor dem Umstand, dass diese Schweinereien gegen Kinder gesellschaftsübergreifend von angeblich braven Vätern, Müttern, Tanten, Verwandten und Elefanten begangen werden. Welch verelendete Diskussionskultur, die sich ihren schwebebalkenartigen Tunnelblick hält, nur um nicht zu merken. Zu reagieren. Zu handeln.
SZ ich werde mir nun doch mal die Mühe machen und zählen, wieviel der zu Tode geschundene, teilweise unter Jugendamtsaugen, vollzogene Leidensweg z.B. von Lea-Sophie, Kevin und den vielen armen anderen Kindern Ihnen berichtenswert schien.
Schwule Priester. Das wäre doch mal ein sensationeller Widerspruch. Wie war das doch gleich? Homosexualität ist pervers? Aber was ist denn schon natürlich??? Laut Freud ist jeder Mensch von Geburt an bisexuell. Aber klar, für solche Schandtaten, wie einst in Regensburg, muss die katholische Kirche sich schick was einfallen lassen. Niemand eignet sich selbstverständlich für solch eine Grundsatzdiskussion besser als Anne Will!
www.artiberlin.de
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"Die Missbrauchsfälle sind gut vorbereitet, um sie beizeiten auftischen und gegen die Kirche einsetzen zu können."
Von wem? Vom Weltjudentum? Von den Illuminaten? Den Freimaurern? Dem Bösen? Das ist ja superabsurd! Und vor allem, wie bereitet man den Missbrauchsfälle vor? Oder sind die Opfer die Schuldigen? Das diese Burschen auch immer so knappen Höschen tragen, da kann man ja garnicht anders... So vielleicht?
wie dem vonPraunheim (nur peinlich, was hatte der eigentlich in dieser Runde für eine Berechtigung?!?) eingeschenkt wurde. Ich teile zwar überhaupt nicht die Meinung des Essener Bischofs, fand es aber erfrischend, dass er sich nicht hinter einer Betroffenheitsmaske versteckte, sondern eine klare Meinung äußerte, von der er annehmen durfte, dass sie nicht dem mainstream, dafür aber der katholischen Lehrmeinung entspricht. Rhetorisch hat er sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, sondern mitgehalten; hat außerdem deutlich gemacht, dass völlig aus dem Blick geraten ist, dass 95 % aller einschlägigen Übergriffe nicht im kirchlichen Bereich, sondern zum überwiegenden Teil im familiären (!!!) Bereich stattfinden. Das macht es zwar nicht besser, aber verdeutlicht, dass eine Fokussierung auf die Kirche(n) das Bild verzerrt. (Nur damit das klar ist: Jeder Fall, egal wo, ist einer zuviel)
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