Regisseur Rosa von Praunheim wütete gegen die katholische Kirche - doch die fand bei Anne Will ihre tapferen Verteidiger.
Kein Tag ohne Flaschenpost aus dunkler Vergangenheit: Am reformpädagogischen Internat Birklehof soll es bis in die neunziger Jahre zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Die Odenwaldschule sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, auch nach dem Jahr 2000 seien dort Schüler erniedrigt worden. Das evangelische Martin-Luther-Haus in Nürnberg soll in den siebziger und achtziger Jahren Schauplatz sexuellen Missbrauchs gewesen sein. Und in der römisch-katholischen Kirche wurden Vorwürfe gegen Bischöfe laut: Zwei ehemalige Oberhirten aus Kanada und Norwegen stehen im Verdacht, sich an Minderjährigen vergangen zu haben.
TV-Talkkönigin Anne Will ließ über die Missbrauchskandale in der Kirche reden. Fazit: Alles eine Glaubenssache. (© Foto: dpa)
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Vor diesem traurigen Hintergrund ließ Anne Will am Sonntagabend fragen: "Sind wir noch Papst?" Zur Debatte stand somit die Qualität des Krisenmanagements von Benedikt XVI. Schnell wurde die Frage aber als unergiebig aussortiert.
Selbst die Vertreterin der papstbewegten "Generation Benedikt" wollte sich nicht als "Fan" des Pontifex outen. In der Kirche, beschied Sophia Kuby die vergebens nachbohrende ARD-Moderatorin, finde sie Christus. Der Papst persönlich habe es an Klarheit nicht mangeln lassen, sein "radikaler Wille zur Aufklärung" sei unstrittig.
Die Gegenthese formulierte der Regisseur und Homosexuellen-Aktivist Rosa von Praunheim - und seltsamerweise blieb auch er ohne Widerwort: Benedikt lasse sich anbeten, die Kirche sei eine Diktatur, der Papst müsse die Missbrauchsfälle "natürlich" vertuschen, um sich an der Macht zu halten.
40 Prozent der Priester schwul?
Daraus kann nur folgen: Es ist eine Frage der persönlichen Einstellung, es ist die Vertrauensfrage schlechthin, ob man Benedikt XVI. die Erschütterung, wie sie etwa sein Brief an die irischen Katholiken ausdrückt, abnimmt oder nicht. "Ich glaube Ihnen nicht", brach es einmal aus Praunheim hervor. Der Satz war in die Richtung seiner beiden Antipoden geschleudert, die mit ihm gemeinsam ein schrilles Dreieck bildeten. Der Journalist Matthias Matussek vom Spiegel und der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck gaben katholisch Kontra, wann immer der Regisseur und Ex-Protestant zur Anklage anhob.
Sind 40 Prozent der katholischen Priester schwul? Praunheim habe die Zahl in vertraulichen Gesprächen vernommen. "Solche Unterstellungen", fiel ihm der smarte Bischof ins Wort, wolle er hier gar nicht erst verhandeln. "Sie arbeiten die ganze Zeit mit Unterstellungen", stürzte aus Matusseks Mund fast derselbe Satz auf Praunheim hernieder. Überhaupt, so der Journalist, seien die "Karnevalsvorschläge" des Regisseurs allesamt "Balla-Balla". Es fehle nur noch die Anregung, Karl Lagerfeld möge Papst werden.
Kurz zuvor hatte Praunheim die katholischen Männer zum Massenaustritt aufgefordert. Als reine Frauenorganisation könne aus der Kirche noch etwas werden. Der Regisseur brachte das "Riesenspektrum von Bedürfnissen" in Anschlag, das der Mensch nun einmal habe und das die Kirche brutal negiere.
Die ebenso alerte Kuby hingegen schwärmte von der "riesigen Erweiterung meiner Perspektive", seit sie vor zehn Jahren zum Katholizismus übertrat. Gerade die Sexualmoral habe eine enorm befreiende Wirkung entfaltet: "Die kirchliche Sichtweise auf die Sexualität nimmt den Menschen in all seinen Dimensionen ernst." Eigene Hingabe und Respekt für den Partner verbänden sich und schüfen so erst die Grundlage für den ehrlichen Umgang mit anderen.
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werklich guten Journalismus"? Ich denke, nein. Daher geht meine Kritik etwas an der Dame vorbei, die das Gespräch lenkt. Gleichwohl: statt dieser teilweise etwas denkwürdigen Gestalten in der "Runde", wie wäre es gewesen Herrn Ahlers und ein, zwei der hervorragend nüchternen Mediziner der Charite einzuladen?
Das Thema Zölibat, Priesterschaft etc. sind doch völlig ausgelutscht und intellektuell ein schwarzes Loch, einzig gut dafür gesamtgesellschaftlich die blauen Äuglein zu verschliessen vor dem Umstand, dass diese Schweinereien gegen Kinder gesellschaftsübergreifend von angeblich braven Vätern, Müttern, Tanten, Verwandten und Elefanten begangen werden. Welch verelendete Diskussionskultur, die sich ihren schwebebalkenartigen Tunnelblick hält, nur um nicht zu merken. Zu reagieren. Zu handeln.
SZ ich werde mir nun doch mal die Mühe machen und zählen, wieviel der zu Tode geschundene, teilweise unter Jugendamtsaugen, vollzogene Leidensweg z.B. von Lea-Sophie, Kevin und den vielen armen anderen Kindern Ihnen berichtenswert schien.
Schwule Priester. Das wäre doch mal ein sensationeller Widerspruch. Wie war das doch gleich? Homosexualität ist pervers? Aber was ist denn schon natürlich??? Laut Freud ist jeder Mensch von Geburt an bisexuell. Aber klar, für solche Schandtaten, wie einst in Regensburg, muss die katholische Kirche sich schick was einfallen lassen. Niemand eignet sich selbstverständlich für solch eine Grundsatzdiskussion besser als Anne Will!
www.artiberlin.de
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"Die Missbrauchsfälle sind gut vorbereitet, um sie beizeiten auftischen und gegen die Kirche einsetzen zu können."
Von wem? Vom Weltjudentum? Von den Illuminaten? Den Freimaurern? Dem Bösen? Das ist ja superabsurd! Und vor allem, wie bereitet man den Missbrauchsfälle vor? Oder sind die Opfer die Schuldigen? Das diese Burschen auch immer so knappen Höschen tragen, da kann man ja garnicht anders... So vielleicht?
wie dem vonPraunheim (nur peinlich, was hatte der eigentlich in dieser Runde für eine Berechtigung?!?) eingeschenkt wurde. Ich teile zwar überhaupt nicht die Meinung des Essener Bischofs, fand es aber erfrischend, dass er sich nicht hinter einer Betroffenheitsmaske versteckte, sondern eine klare Meinung äußerte, von der er annehmen durfte, dass sie nicht dem mainstream, dafür aber der katholischen Lehrmeinung entspricht. Rhetorisch hat er sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, sondern mitgehalten; hat außerdem deutlich gemacht, dass völlig aus dem Blick geraten ist, dass 95 % aller einschlägigen Übergriffe nicht im kirchlichen Bereich, sondern zum überwiegenden Teil im familiären (!!!) Bereich stattfinden. Das macht es zwar nicht besser, aber verdeutlicht, dass eine Fokussierung auf die Kirche(n) das Bild verzerrt. (Nur damit das klar ist: Jeder Fall, egal wo, ist einer zuviel)
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