So blieb es den beiden Praktikern Schneider und Knobel-Ulrich vorbehalten, die Debatte zuzuspitzen. "Wir sind ein verrückter Staat, eine verrückte Gesellschaft, dass es sich bei uns eher lohnt, Hartz IV zu nehmen als zu arbeiten", entrüstetet sich die Journalistin, "Es gibt überall Leute, die es sich lauschig machen, auch ganz oben", erwiderte der Pastor.
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Rückendeckung erhielt der Protestant mit dem positiven Menschenbild zur Halbzeit der Talkrunde von der Besuchercouch - von einem, den man vielleicht gleich auf das Podium hätte bitten sollen. Es handelte sich um Christoph Lütgert, Autor des Films Die Kik-Story, der kürzlich in der ARD lief. So konnte jetzt am Sonntag Anne Will auch ein wenig Cross-Promotion betreiben.
Die Kik-Story berichtete über Lohndumping in Deutschland, Ausbeutung in Bangladesch und über, wie Lütgert es nennt, einen "entfesselten Kapitalismus". Der Film konnte erst nach langwierigen Rechtsstreitigkeiten mit dem Textil-Discounter in der vergangenen Woche ausgestrahlt werden. Die letzte große Reportage Lütgers als NDR-Chefreporter (im Mai ging er in Ruhestand) fand große Beachtung - schon im Vorfeld, aber auch nach der Ausstrahlung.
Hartz IV als Einstellungsvoraussetzung
Auch Lütgert berief sich auf Erfahrungen: "Ich weiß nicht, durch welche Republik Sie gereist sind", sagte er in Richtung Knobel-Ulrich. "Ich habe eine andere erlebt." Seine Beiträge wiederholten in weiten Teilen die Analysen des Films, schafften es aber, einen neuen Blickwinkel auf die bis dahin in gewohntem Fahrwasser dahinplätschernde Hartz-Diskussion zu eröffnen. Bei Kik, so der Journalist, herrsche ein "ganz anderer Missbrauch von Hartz IV", dort gehöre "Hartz IV zur Einstellungsvoraussetzung", sagte Lütgert. Nur mit ALG-II-Aufstockern sei das System zu erhalten.
Wer macht ein solch ausbeuterisches System möglich? Endlich einmal eine neue Frage, an der sich Wills Talkgäste abarbeiten konnten und zu der auch die Politiker wieder in das Gespräch einstiegen. Die Politik? Die Verbraucher? Oder die verschlafenen Gewerkschaften?
So oder so: Dieser Missbrauch von Sozialgesetz und Arbeitskräften sei untragbar, war sich die Runde am Ende einig.
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(sueddeutsche.de/leja)
Bundespräsident Gauck in Israel
""Laut Microzensus des Statistischen Bundesamts waren 2007 von ca. 38 Millionen Erwerbstätigen 45,5 Prozent mit einem Nettoverdienst bis 1300 Euro, 35,2 Prozent mit einem Nettoeinkommen bis 1100 Euro, 25,6 Prozent mit einem Nettoeinkommen bis 900 Euro und 18,5 Prozent mit einem Nettoeinkommen bis 700 Euro darunter. Warten wir also den Microzensus 2010 ab. "
Wahnsinn! Das sind dann ja schon 124,8 % der Beschäftigten :o)) Wenn das sooo einfach geht, lösen wir doch gleich noch das Rentenproblem... "
Was wir aus dieser Statistik erkennen können ist doch sehr erschreckend:
Ein Drittel der deutschen Erwerbstätigen verdient bis zu 1100 Euro im Monat.
Ein Viertel sogar unter 1000 Euro!
(Und diese beiden Teile sind nicht zu addieren, das Viertel ist eine Teilmenge des Drittels.)
Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen!
Und dann wird über die Hartz-IV-Schmarotzer hergezogen, die noch weniger haben?
Leute, diese Löhne sind eine Frechheit. Es gibt wohl kaum eine Arbeit, die so wenig wert ist. Hier muss endlich was geändert werden.
Jetzt einmal für recht arrogante Thatchers:
Das klingt ja für mich alles mehr nach Quantilen als nach Mengenlehre mit Prozentrechnen. Sicherlich meinen Sie, dass in den 25,1% schon die 18,5 % enthalten sind, sodass nur 6,6% mehr als 700€ verdienen? Aber 0 - 900 € ist was anderes als 701 - 900 €. Leider scheint dieser Microzensus nur für Geld zu haben zu sein, sonst könnte ich mal die Quelle ansehen...
Gruß Balldieb
Jetzt einmal für ganz schlau Balldiebe:
18,5% bis 700€ (0€-700€)
25,1% bis 900€ (0€-900€)
Schnittmenge: 0€-700€
Restmenge : 701€-900€
Frage: Wie viel Prozent haben 701€-900€ netto verdient unter allen Beschäftigten laut Microzensus 2007?
Oh mein Gott Becky! Tja blöd, wenn man in der Schule "nur" Mengenlehre hatte :o)) Beim Prozentrechnen geht es ja gerade darum, durch Normierung einer Bezugsgröße Vergleichbarkeit zu schaffen. Aber Sie vergleichen offenbar Äpfel mit Birnen. Der Link hat übrigens auch nicht funktioniert :-((
Gruß Balldieb
Oh, mein Gott Balldieb! In der Schule keine Mengenlehre gehabt? Man darf nicht einfach Prozentwerte addieren, wenn sie sich auf unterschiedliche Bezugsgrößen beziehen. Siehe dazu @schneemoser. Aber geben Sie ihre Zahlenakrobatik nicht auf. Es gibt viele, die darauf reinfallen!
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