Leistungsbereitschaft gegen Schmarotzertum: Bei Anne Will wurde die Hartz-IV-Debatte aufgewärmt, vor allem von einer Journalistin und einem Pastor. Dann kamen die Arbeitsverhältnisse beim Textil-Discounter Kik zur Sprache.
Natürlich gebe es nicht den Typus Hartz-IV-Empfänger; natürlich sei diese Gruppe differenziert zu sehen. In ihren ritualisierten, wiederkehrenden Bekenntnissen zur nötigen Differenzierung waren sich die beiden Seiten einig: Rita Knobel-Ulrich, die TV-Journalistin, und Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und damit, so die "Bauchbinde", Nachfolger von Margot Käßmann.
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Anne Wills Gäste diskutierten darüber, wie viel vom Aufschwung wo ankommt - und warum so viele nicht davon profitieren. (© dpa)
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Die Kluft zwischen der Journalistin und dem Pastor tat sich an der Frage auf, wer nun die Mehrheit in dieser so differenzierten Gruppe der Hartz-IV-Empfänger stelle: Diejenigen, die in der sozialen Hängematte baumeln, deren Kinder hungrig zur Schule kämen und in deren Heim "Fernsehapparate wie Altäre" verehrt würden (Knobel-Ulrich)? Oder diejenigen, die um jeden Preis arbeiten wollen, nicht nur für das Geld, auch um der Arbeit selbst willen, weil sie eben "gern arbeiten" (Schneider)?
Beide argumentierten in der Talkshow Anne Will am Sonntag in der ARD aus persönlichen Erfahrungen. Die gesellschaftskritische Fernsehfrau mit dem frisch frisierten Haar im dezenten Orange und dem fliederfarbenen Blazer ebenso wie der Kirchenmann, die Brille fast unsichtbar, die Kleidung gedeckt, im Ton ruhig und bedacht. Beide wirkten glaubwürdig und empathisch.
Fast vergessene Polit-Prominenz
Weder das eine noch das andere schaffte dagegen die versammelte Polit-Prominenz. Wobei ein Blick auf Anne Wills Gästeliste deutlich macht, wie überstrapaziert und dehnbar der Begriff der Prominenz geworden ist.
Neben Miriam Gruß, der familienpolitischen Sprecherin der FDP, qua Amt in der Runde durchaus befugt, waren Andrea Ypsilanti (SPD) und Oswald Metzger (CDU) zu Gast. Die eine Landtagsabgeordnete in Wiesbaden und fast schon vergessene Fast-Ministerpräsidentin, der andere fast schon vergessener Fast-Bundestagskandidat der CDU. Metzger machte einst durch sein Engagement bei den Grünen von sich reden; heute ist er stellvertretender Landesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung Baden-Württemberg.
Die besagte Fast-Polit-Prominenz entwand sich wechselweise der konkreten Diskussion darüber, ob die Hartz-IV-Regelsätze erhöht werden sollten - sei es durch Ausflüchte (Ypsilanti: "Wir können diese Debatte nicht führen, ohne über Mindestlohn zu sprechen"), Relativierungen (Gruß: "Der Zeitpunkt ist noch nicht gekommen, um über Zahlen zu reden") oder durch Ausflüge in die lokalpolitische Provinz, wie sie Metzger vornahm.
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Frankreichs Medienwahlkampf: Reiche Industrielle bringen ihre Pressehäuser in Stellung, zum Internet-Spott über den Gegner werden muntere Partys organisiert – und die Rundfunkaufsicht zückt die Stoppuhr. Jetzt lesen ...
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Sorgerechtsverfahren in der Kritik
""Laut Microzensus des Statistischen Bundesamts waren 2007 von ca. 38 Millionen Erwerbstätigen 45,5 Prozent mit einem Nettoverdienst bis 1300 Euro, 35,2 Prozent mit einem Nettoeinkommen bis 1100 Euro, 25,6 Prozent mit einem Nettoeinkommen bis 900 Euro und 18,5 Prozent mit einem Nettoeinkommen bis 700 Euro darunter. Warten wir also den Microzensus 2010 ab. "
Wahnsinn! Das sind dann ja schon 124,8 % der Beschäftigten :o)) Wenn das sooo einfach geht, lösen wir doch gleich noch das Rentenproblem... "
Was wir aus dieser Statistik erkennen können ist doch sehr erschreckend:
Ein Drittel der deutschen Erwerbstätigen verdient bis zu 1100 Euro im Monat.
Ein Viertel sogar unter 1000 Euro!
(Und diese beiden Teile sind nicht zu addieren, das Viertel ist eine Teilmenge des Drittels.)
Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen!
Und dann wird über die Hartz-IV-Schmarotzer hergezogen, die noch weniger haben?
Leute, diese Löhne sind eine Frechheit. Es gibt wohl kaum eine Arbeit, die so wenig wert ist. Hier muss endlich was geändert werden.
Jetzt einmal für recht arrogante Thatchers:
Das klingt ja für mich alles mehr nach Quantilen als nach Mengenlehre mit Prozentrechnen. Sicherlich meinen Sie, dass in den 25,1% schon die 18,5 % enthalten sind, sodass nur 6,6% mehr als 700€ verdienen? Aber 0 - 900 € ist was anderes als 701 - 900 €. Leider scheint dieser Microzensus nur für Geld zu haben zu sein, sonst könnte ich mal die Quelle ansehen...
Gruß Balldieb
Jetzt einmal für ganz schlau Balldiebe:
18,5% bis 700€ (0€-700€)
25,1% bis 900€ (0€-900€)
Schnittmenge: 0€-700€
Restmenge : 701€-900€
Frage: Wie viel Prozent haben 701€-900€ netto verdient unter allen Beschäftigten laut Microzensus 2007?
Oh mein Gott Becky! Tja blöd, wenn man in der Schule "nur" Mengenlehre hatte :o)) Beim Prozentrechnen geht es ja gerade darum, durch Normierung einer Bezugsgröße Vergleichbarkeit zu schaffen. Aber Sie vergleichen offenbar Äpfel mit Birnen. Der Link hat übrigens auch nicht funktioniert :-((
Gruß Balldieb
Oh, mein Gott Balldieb! In der Schule keine Mengenlehre gehabt? Man darf nicht einfach Prozentwerte addieren, wenn sie sich auf unterschiedliche Bezugsgrößen beziehen. Siehe dazu @schneemoser. Aber geben Sie ihre Zahlenakrobatik nicht auf. Es gibt viele, die darauf reinfallen!
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