"Kochen war in den letzten Jahren ein großer Programmtrend", erklärt sie. "Demzufolge gab es seit 2006/2007 einen wahren Boom an Kochsendungen" - dumm nur, dass viele Klassiker wie die Shows von Mälzer, Lafer, Lichter und Co. Zuschauer verlieren und uninspirierte Neustarts wie Das Fast-Food-Duell (Kabel eins) oder Die Küchenschlacht im ZDF nicht wirklich angenommen werden.

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"Der Overkill ist erreicht", bestätigt auch Jörg Menkhoff, der als Unit Director bei der Agenturgruppe Aegis Media das Fernsehgeschäft im Auge hat. "Den Kochshows geht es nicht anders als den Talk- und Gerichtsshows", klagt er. "Irgendwann ist es nun einmal genug - und dann bleiben nur die Originale übrig."

Bei vielen Nachahmer-Formaten vor allem auf kleineren Privatsendern senkt er immer häufiger den Daumen. "Was bringt mir Frank Rosin, was Christian Rach nicht schon gezeigt hatte?", schimpft er über die mittelprächtig gelaufene Kabel-eins-Dokusoap Rosins Restaurant, die sich eng an den RTL-Klassiker Rach - der Restauranttester angelehnt hatte. Doch selbst die angestammten Platzhirsche - darunter der Vox-Dauerbrenner Das perfekte Dinner, geraten immer öfter unter Druck.

"Eine gewisse Abnutzung nach mehr als 1000 Sendungen", so Menkhoff, "ist völlig normal. Wie in Hochzeiten vor zwei bis drei Jahren das 2,5fache des Senderschnitts kann eine Sendung auf Dauer nicht halten." Für die RTL-Kochprofis musste nach einer Neubesetzung erst ein erfolgversprechender Sendeplatz gesucht werden. Seit die Sendung am Dienstag angesetzt ist, läuft es für den Sender wieder einigermaßen rund.

Die Probleme der Kochsendungen, darüber sind sich TV-Experten und das übersättigte Fernsehvolk offenbar einig, sind hausgemacht. "Die Sendungen sind austauschbar geworden", kritisiert Andreas Müller von der Frankfurter Agentur Optimedia. Die klassischen Tugenden der Sendungen, die Lust zum Mitkochen erwecken sollten, werden in der Flut der lieblosen Plagiate vernachlässigt. "Das Kochen rückt mehr und mehr in den Hintergrund", sagt Müller. "Der praktische Nutzen für erfolgreiches Kochen wird nicht mehr gezeigt. Showelemente oder voyeuristische Themen werden zur Quotenabsicherung eingesetzt." Und selbst dieses Kalkül geht häufig nicht auf.

Versalzene Quotenbilanzen

"Die Fernsehzuschauer haben nicht die Lust am Kochen verloren", bilanziert Wolfgang Schuldlos, Geschäftsführer der Münchner Mediaagentur Zenithmedia, nüchtern. "Das Fernsehen selbst hat den Zuschauern die Lust verdorben, eine Vielzahl von gleichartigen Formaten zu verfolgen." Ähnlich wie auf immer gleiche Quizformate reagierten die Fans zunehmen genervt auf gar nicht neue Koch-Ideen. "Im Bereich des Wettbewerbkochens und des Showkochens finden wir einen hohen Zuwachs von Kochformaten, der sich beim Zuschauer wie übermäßiges Essen auswirkt: mit Magenschmerzen und Völlegefühl", schimpft Schuldlos.

Doch von versalzenen Quotenbilanzen lassen sich viele Programmplaner offenbar nicht beeindrucken. Für den Einsatz im Sommer sucht Sat 1 per öffentlicher Ausschreibung Kandidaten für das neue Wett-Schnippeln Deutschlands Meisterkoch. Dabei sollen Nachwuchstalente von einer dreiköpfigen gestrengen Jury bewertet werden. Das erinnert an DSDS oder Das Supertalent. "Sie sollten den Biss haben", heißt es im Casting-Aufruf vollmundig, "zu den Maîtres de Cuisine gehören zu wollen." Wer könnte da zögern?

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  1. Wo man hinzappt, steht ein Herd
  2. Sie lesen jetzt "Der Overkill ist erreicht"
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