TV-Ereignis Olympia Schreien, zittern - Silber!
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Degenfechterin Britta Heidemann liefert einen Krimi nach dem anderen und gewinnt die erste Medaille für das deutsche Olympia-Team. Das einzig Irritierende ist das Sirenengeschrei auf der Planche. Doch wer hätte gedacht, dass ein Fecht-Tag vor dem Fernseher so schön und aufregend sein kann.
Plötzlich war Fechten die Disziplin des Tages. Deutschland hat immer noch keine Medaille, aber nun ist ja Britta Heidemann da. Sie soll nun retten, was noch zu retten ist. Immerhin hat sie vor vier Jahren in Peking schon Gold geholt.
Heidemann holt Silber im Fechten "Es ist natürlich gigantisch"
Silber im Finale - darüber zeigte sich Fechterin Britta Heidemann sichtlich erfreut. Die Goldmedaillen-Gewinnerin von Peking musste nach einem spannenden Halbfinale die Nerven bewahren. Damit holte die 29-jährige die erste deutsche Medaille bei diesen Olympischen Spielen.
(Video: SID, Foto: dpa, Foto: Getty Images)Nicht, dass ich einen besonderen Bezug zum Fechten hätte, geschweige denn jemals einen Wettkampf angeschaut habe. Nun fällt meine erste Begegnung mit dem Fechtsport ausgerechnet auf diesen Olympia-Tag. Ein Tag, an dem Britta Heidemann einen Fecht-Krimi erlebt, der leicht in einer Liga mit James Bond mithalten kann. Der Tag, an dem die Kölnerin sich nicht nur als zweitbeste Fechterin der Welt bewährt, sondern Deutschland die erste Medaille der Londoner Spiele beschert. Aber das konnte ich anfangs nicht wissen.
Eigentlich wollte ich mir nur mal Fechten schauen, bei den Olympischen Spielen ist das schließlich so: Plötzlich interessiert man sich für Randsportarten. Wie elegant, präzise und flexibel sich die Fechter bewegen, zeugt von höchster Körperbeherrschung. Das leichtfüßige Tänzeln auf der engen Planche, die stets aufrechte Haltung und die blitzschnellen Attacken mit dem feinen Degen. Fechten ist Ästhetik pur. Aber eines stört: dieses Geschrei.
Es klingt wie ein angeschossener Vogel, als die Weltranglisten-Erste Yujie Sun ihren Kopf zum Himmel hebt. Ihr Gesicht ist von der Schutzmaske verdeckt und zunächst ist nicht klar, woher das ohrenbetäubende Geräusch kommt. Die Chinesin hat Imke Duplitzer soeben aus dem Wettbewerb katapultiert - ist diese nun verletzt? Oder Sun selbst? Alles falsch. Beim Fechten schreien nicht die Attackierten. Vielmehr plärren die erfolgreichen Angreifer ihre Freude raus.
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Nun gehören Kampf- und Jubelschreie unweigerlich zu sportlichen Wettkämpfen dazu. Verschaffen sie den Athleten doch Erleichterung, geben der Freude Ausdruck und machen neuen Mut. Aber in nur wenigen Disziplinen ist das Kreischen so auffällig wie beim Fechten. Als Kind der achtziger Jahre in einer Tennis-Ära großgeworden, erinnern mich diese kurzen, hohen Sirenentöne an die Kampfschreie von Monica Seles. Dass das auch beim Fechten passiert, diesem ästhetischen Sport, voller Leichtigkeit, Eleganz und vermeintlicher Ruhe, verwundert.
Dabei lerne ich, dass das Gebrüll Tradition im Fechten hat. Ebenso wie jüngst Maria Scharapowas Laute auf dem Tennisplatz aufgeregte Diskussionen um ein Stöhn-Verbot auslösten, wurde Degenfechter Fritz Zimmermann schon in den sechziger Jahren ob seiner Schreie gerügt - und schließlich sogar von den Olympischen Spielen in Tokio ausgeschlossen. Begründung: "Hektische Schreie während des Fechtens".