TV-Berichterstattung zur Fußball-WM Kuschelkurs mit Brazzo

ZDF-Fußball-Experte Hasan Salihamidzic

(Foto: dpa)

ARD und ZDF sind mit den Protagonisten dieser WM eng. Sehr eng. Mit Salihamidzic oder Elber bekommen sie jeden Promi - und dazu eine Menge gespielter Privatheit mit null Informationsgehalt.

Von Ralf Wiegand

Sogar Oliver Welke, dem Superstar dieser Fernseh-WM in Brasilien, ist das kleine, verführerische Wörtchen am Dienstag rausgerutscht: uns. Für den Sportmoderator, -präsentator - oder was auch immer Welke ist - blieb die verbale Verschmelzung mit der deutschen Mannschaft allerdings folgenlos. Echte Sport-Journalisten trifft es härter.

Gerd Gottlob, ARD, hat sein uns sogar einen hübschen Shitstorm eingebracht: Mitten im Spiel Deutschland gegen Portugal hat den wütenden Kommentator ein unsauberes Abspiel in der deutschen Elf fast schon persönlich beleidigt: "Diese Fehler dürfen wir uns nicht erlauben!" Wir! Uns! Es folgte eine hitzige Debatte, ob "wir" nur die sagen dürfen, die auf dem Platz stehen oder halt am Stammtisch sitzen - nicht aber der Mann am Mikrofon. Das Publikum vor den Fernsehern, also die Masse aller Wirs in ihren teuren DFB- und billigen Discounter-Trikots, stellt sich demonstrativ hinter Gottlob. In einer Online-Hitparade der Bild-Zeitung, dem gedruckten Wir schlechthin, ("Wir sind Papst", "Wir sind Weltmeisterin") hält sich Gottlob jedenfalls wacker als Nummer eins.

Vom Feld ans Mikro

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Darüber, wie viel "wir" wir uns erlauben dürfen, wird freilich bei jedem großen Turnier mal geredet. Die Unabhängigkeit der Sportberichterstattung kann gewiss auf allzu enge rhetorische Umarmungen gut verzichten, aber letztlich mündet die Diskussion nur immer wieder in eine dieser typisch deutschen Patriotismus-Debatten - und damit direkt ins Abseits.

Den Krieg verliert der objektive Sportjournalismus bei dieser Weltmeisterschaft gerade ganz woanders.

ARD und ZDF haben nämlich ganz gezielt und konsequent Distanz durch Nähe ersetzt und damit eine der journalistischen Grundregeln einfach aus dem Spiel genommen. Eine Art embedded journalism findet dort in Brasilien und hier in Deutschland statt, wie es ihn in dieser Unverfrorenheit noch nicht gegeben hat. Da engagiert das ZDF zum Beispiel Ex-Profi Hasan Salihamidzic, der zuletzt dem Golfer Martin Kaymer Fragen stellte, die jedem Autor einer Schülerzeitung zu doof wären ("Wer ist Dein Lieblingsspieler?", "Wer ist Dein absoluter Top-Favorit?").