Der Aufschrei war groß, und er wurde nicht kleiner, als Erdogan nachschob, er sei wohl missverstanden worden. Er habe es bloß satt, wenn Medienbosse sich ständig bei ihm entschuldigten, sie hätten ihre Kolumnisten nicht unter Kontrolle: "Wenn du einen Laden hast, behältst du dann das Personal, das fleißig mithilft, dass dein Laden untergeht? Nein, du feuerst ihn am nächsten Tag."

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Dass Erdogan kaum Kritik verträgt, ist nicht neu. Er hat Karikaturisten vor Gericht gezerrt, weil sie ihn als Frosch oder als Ente gezeichnet haben. Seine Regierung verfolgt die ihm meist feindlich gesinnte Dogan-Mediengruppe mit einer existenzbedrohenden Steuerstrafe. Aber diesmal hat Erdogan selbst jene gegen sich aufgebracht, die ihm angesichts der oft hetzerischen Berichterstattung seine Ausbrüche meist nachsahen.

"Eine verkrüppelte Demokratie"

Erdogans Äußerungen seien "schockierend illiberal, tragisch und besorgniserregend", schreibt etwa der eigentlich mit Erdogan sympathisierende Kolumnist Mustafa Akyol. Wenn Erdogan die Bosse aufruft, ihre Journalisten an die Leine zu legen, dann erzürnt das die Liberalen deshalb, weil es zeigt, dass Erdogan offenbar das alte Spiel weiterzuspielen gedenkt, das so viele Regierungen gespielt haben: In der Türkei halten sich seit den 1980er Jahren Industrielle Zeitungen und TV-Sender, um damit ihre Interessen zu befördern; die Regierungen wiederum halten sich die Medien gewogen, indem sie die Interessen der Bosse bedienen.

Ahmet Altan, Chefredakteur der liberalen Taraf, schrieb, er träume von einer Türkei, in der Premierminister nicht länger Kolumnisten als "Stenografen ihrer Bosse" betrachten. Und Hürriyet-Kolumnistin Ferai Tinc griff eines von Erdogans jüngsten Schlagworten auf: "Wir sind nicht dazu verdammt, auf ewig eine verkrüppelte Demokratie zu sein". Stimmt, schrieb die Kolumnistin: "Aber ohne die Einsicht, dass Pressefreiheit eine der wichtigsten Voraussetzungen für Demokratie ist, kommen wir nie so weit."

Die "Kolumnisten außer Kontrolle" findet man online auf kontrolsuzkoseyazarlari.wordpress.com. Bis Sonntagabend hatten 59 der prominentesten türkischen Journalisten den Protest unterzeichnet.

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  1. Die bösen Journalisten
  2. Sie lesen jetzt Stenographen der Bosse
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(SZ vom 08.03.2010/berr)