Transmediales Projekt Kampfpfoten

Wie funktionieren Verschwörungstheorien und wer profitiert von ihnen? Eine Doku im BR verteufelt nicht jedes Hinterfragen, sondern ruft dazu auf, erst einmal nichts zu glauben. Das Modethema "Fake News" kommt darin natürlich auch vor.

Von Andreas Neukam

Von wegen niedlich: Die gewöhnliche Hauskatze versucht nicht weniger als die Weltherrschaft an sich zu reißen und den Menschen auszurotten. Das ist eine Verschwörungstheorie, erstellt von einer Maschine im Internet. Hinter dem Projekt stecken der BR, Arte, ORF und SRF. Mithilfe des Baukastens unter dieweltherrschaft.net sind seit Juni 40 000 Videos erstellt worden, die solche Verschwörungstheorien propagieren; 400 000-mal wurden sie aufgerufen. Eine lustige Spielerei - wenn man sich der Absurdität bewusst ist.

Das Onlineprojekt wirbt für eine Fernsehdoku gleichen Titels. In Zeiten, in denen die Wahrheit einen schweren Stand hat, analysieren Experten unter anderem anhand der Terroranschläge auf das Satireheft Charlie Hebdo in Paris und das World Trade Center in New York, wie Verschwörungstheorien funktionieren und wer von ihnen profitiert. Der Film legt schmissig los, springt von Stadt zu Stadt und zieht einen so in den Bann, zumal die Ereignisse noch so präsent sind. Die Doku verteufelt nicht jedes Hinterfragen als Verschwörungstheorie, sondern ruft im Gegenteil dazu auf, erst einmal nichts zu glauben.

Ohne das Modethema und Reizwort "Fake News" kommt allerdings auch Die Weltherrschaft nicht aus. Zwischen Theorien zum angeblichen Angriff auf eine Dortmunder Kirche in der vergangenen Silvesternacht und zum Anschlag am 11. September 2001 geht es unvermittelt minutenlang um mazedonische Teenager, die mit erfundenen Nachrichten Donald Trump zum US-Wahlsieg verhalfen. Zwei oder drei Mittelsmänner, so heißt es, soll es zwischen ihnen und geheimen Auftraggebern aus den USA gegeben haben. Eine Verschwörungstheorie? Einen Beleg jedenfalls bleibt die Dokumentation schuldig.

Die Weltherrschaft, BR, 22.45 Uhr.