"The Looming Tower" auf Amazon Wie "Homeland", nur realistischer

Der von Peter Sarsgaard gespielte Martin Schmidt (Peter Sarsgaard) ist einem echten CIA-Mann nachempfunden.

(Foto: JoJo Whilden/Hulu)

Es geht um das FBI, die CIA und die Jagd auf Osama bin Laden: "The Looming Tower" auf Amazon mutet vielversprechend an, ist dann aber doch nur eine Agentenserie mit US-patriotischem Drall.

Von Andrian Kreye

Die Miniserie The Looming Tower nimmt innerhalb von Minuten eine solche Fahrt auf, dass Serien wie Homeland oder 24 dagegen fast gemächlich wirken. Auch in diesem Thriller geht es um den Kampf gegen Terror. Das ist ein dankbares Genre, weil man die Gegner alleine durch Beleuchtung definieren kann. Terror gedeiht im Zwielicht ärmlicher Hinterzimmer und enger Straßenzüge, das systemimmanente Versagen der Beamten und Agenten vollzieht sich im kalten Neonlicht der Behörden.

Den Konflikt im Kern von The Looming Tower etabliert Peter Sarsgaard in der Rolle des CIA-Agenten Martin Schmidt mit einem herzhaften "Fuck". Der Kraftausdruck gilt seinem Gegenpart beim FBI. Und das ist die Geschichte - hätten CIA und FBI nicht so selbstherrlich um die Kompetenzen gerangelt, hätte man die Anschläge vom 11. September 2001 vielleicht verhindern können. Vielleicht. Diese Hypothese hat im wirklichen Leben zu Verschwörungstheorien und zur Schaffung des übermächtigen Heimatschutzministeriums Department of Homeland Security geführt, mit dem die Regierung unter George W. Bush den unvergleichlichen Überwachungs- und Verfolgungsapparat ihres "Krieges gegen den Terror" etablierte.

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Überhaupt hält sich die Serie weitgehend an die Wirklichkeit. Sarsgaards Schmidt ist dem echten CIA-Mann Michael Scheuer nachempfunden, der seit 1996 Jagd auf Terrorchef Osama bin Laden machte. Sein Gegenpart beim FBI, John Patrick O'Neill (Jeff Daniels), hieß wiederum wirklich so und kam beim Anschlag auf das World Trade Center beim Zusammenbruch des Nordturms ums Leben, wo seine Antiterrorismus-Einheit stationiert war. Dritte Hauptfigur ist der libanesischstämmige FBI-Agent Ali Soufan (Tahar Rahim), der auch den guten Moslem gibt, dessen Dauerverzweiflung nicht nur den tödlichen Bürokratiebremsen gilt, sondern auch den Islamisten, die seinen Glauben für ihre massenmörderischen Ziele missbrauchen.

Den guten Moslem hat die Serie bitter nötig. Denn letztlich ist The Looming Tower eben doch nur eine wirklichkeitsgetreue Variante der politisch zutiefst inkorrekten Hits Homeland und 24. Was etwas verwundert, wenn man in den Credits liest, wer hinter der Miniserie steckt.

Die Vorlage ist ein Sachbuch über den 11. September 2001

Das ist zum einen Ali Soufan selbst, dessen Memoiren "The Black Banners" Stoff für die Drehbücher lieferten. Zum anderen ist das der New Yorker-Autor Lawrence Wright, dessen Sachbuch "The Looming Tower" (auf Deutsch "Der Tod wird euch finden") zu den besten Arbeiten über den 11. September gehört. Dritter im Bunde ist Alex Gibney, der zu den politisch prägnantesten Dokumentarfilmern der Gegenwart gehört. Trotzdem wurde aus Wrights Buch nur eine geradlinige Agentenserie mit US-patriotischem Drall. Dabei war die Vorlage gerade deswegen so gut, weil es zum Großteil aus einer nüchternen Analyse der al-Qaida bestand. Das empörende Versagen der Behörden war nur einer von vielen Aspekten. Doch all das sind nur Haarspaltereien, die das Tempo der Serie (zumindest in den beiden der Presse zugänglichen Folgen) rasch überrollt. So funktioniert eben Action.

The Looming Tower, auf Amazon.

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