Tesla-Chef auf Twitter Elon Musk wettert gegen "Heuchelei der großen Medien"

Elon Musk auf einer Pressekonferenz zum Start einer Rakete seines SpaceX-Weltraumprojekts.

(Foto: REUTERS)
  • Elon Musk spielt offenbar mit dem Gedanken, ein Portal zu gründen, auf dem Nutzer die Glaubwürdigkeit von Journalismus bewerten könnten.
  • Als Name brachte er auf Twitter "Pravda" ins Spiel - das russische Wort für "Wahrheit" und der Titel des einstigen sowjetischen Parteiblatts.
  • Es ist nicht das erste Mal, dass der Tech-Milliardär gegen die Medien austeilt.

Die Reaktionen kamen schnell und zogen - wenig überraschend - genauso schnell Parallelen zu Donald Trump. Andrew J. Hawkins, Redakteur des Technikportals The Verge, twitterte etwa, Elon Musk vollziehe weiter seine Transformation zu einer "media-baiting Trump figure", einen Medien-Troll vom Schlage des amtierenden US-Präsidenten.

Der Tesla-Chef hatte die "großen Medienunternehmen" zuvor kollektiv scharf angegriffen. Die Öffentlichkeit respektiere diese nicht mehr, weil sie "selbstgefällige Heuchelei" betrieben, schrieb er am Mittwoch auf Twitter. Dabei verlinkte Musk auf den Autoblog Electrek, der einen Analysten mit der Einschätzung zitierte, Teslas Aktien könnten steigen, weil die Negativität ihren Höhepunkt erreicht haben dürfte und zuletzt "zunehmend unerhebliche" Berichte die Nachrichten dominiert hätten.

Im Schlagabtausch mit Hawkins polterte Musk dann, dass niemand mehr der Presse traue. Dies sei auch der Grund, warum US-Präsident Donald Trump gewählt worden sei. "Ihr habt eure Glaubwürdigkeit schon vor langer Zeit verloren." Das Problem der Journalisten sei der laufende Druck, Klicks zu maximieren und Werbeerlöse zu verdienen, um nicht gefeuert zu werden. Das sei eine heikle Situation, da Tesla keine Werbung schalte und die Hersteller herkömmlicher Autos zu den größten Anzeigenkunden zählten.

Wenige Minuten später kündigte Musk eine Website an, auf der der Wahrheitsgehalts von Artikeln bewertet werden kann. Das Portal solle einen "Glaubwürdigkeitswert" für Journalisten und Publikationen liefern. Er erwäge, die Seite "Pravda" zu nennen, was auf russisch "Wahrheit" bedeutet und einst Titel des sowjetischen Parteiblatts war. Ein Verlautbarungsorgan für die Propaganda von Stalin und Lenin also.

Musk ließ Twitter-Nutzer abstimmen, ob er eine solche Website einrichten solle. Die Auswahloptionen: "Ja, das wäre gut" oder "Nein, Medien sind toll".

Es ist nicht das erste Mal, dass der Tech-Milliardär gegen die Medien austeilt. Zu Beginn der Woche hatte er gegen Journalisten des Non-Profit-Netzwerks Reveal gewettert, die nach Unfällen in Tesla-Fabriken die Sicherheitsstandards dort infrage gestellt hatten. Die Mitarbeiter warfen Musk in den Berichten auch vor, die Gründung von Betriebsräten zu unterbinden. Auch darauf reagierten Twitter-User mit Spott:

Tesla kämpft mit Problemen beim Anlauf der Serienfertigung seines ersten Mittelklasse-Elektroautos Model 3, dessen Produktionsziele mehrfach verfehlt und verschoben wurden. Musk hat in der Vergangenheit auch schon gegen Investoren ausgeteilt, die auf einen Kursverfall der Tesla-Aktie wetten. Nach Vorlage der jüngsten Quartalszahlen bügelte er kritische Fragen von Analysten in einer Konferenzschalte ab, weil er sie zu langweilig fand.

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