Telenovela "Pablo Escobar, Patron des Bösen" Richtig guter Stoff

Pablo Escobar hat Kolumbien in den Abgrund gebombt und die USA mit Kokain überzogen. Heute staunt ganz Lateinamerika über eine Telenovela, die die Geschichte des Drogenbarons erzählt.

Von Peter Burghardt, Buenos Aires

Der Alltag im Leben des berühmtesten Drogenbarons aller Zeiten ist nichts für schwache Gemüter. Luxus und Terror, stets vereint. Pablo Escobar hält da zum Beispiel Hof auf seiner Ranch El Nápoles in Kolumbien, zwischen Auftragskillern und Nilpferden.

Über dem Eingangstor thront das Kleinflugzeug, das seine erste von Tausenden Ladungen Kokain in die USA befördert hatte. Am blauen Pool mit bunten Getränken empfängt der Hausherr eine junge Dame, die er versehentlich geschwängert hat. Seine Mama schimpft, Kinder habe man nur mit der Ehefrau, Kumpane besorgen die Abtreibung im Pferdestall. Nebenan wird ein Verräter gefoltert. Ansonsten hortet Escobars Medellín-Kartell Dollarbündel und ermordet seine Feinde.

Morden, Liebe, Kabale und Politik

So ähnlich ist es wohl gewesen, und so geht es zu in Kapitel 21 der Fernsehserie Pablo Escobar, Patron des Bösen. Alles in allem hat die Reihe des kolumbianischen Senders Caracol TV 113 Folgen, mit Morden, Liebe, Kabale, Politik. Am Ende stirbt der Pate in diesem Doku-Drama fast genauso kläglich wie in der Wirklichkeit, am 2. Dezember 1993 lag er mit Kugeln im Leib auf einem Dach von Medellín. Wie eine erlegte Beute, mit Rauschebart und Wohlstandsbauch. Davor allerdings liegen in diesem Fall 6780 Fernsehminuten, die seine 44 Jahre lange Odyssee und den Horror der kolumbianischen Nation in eine Telenovela verwandeln.

Auf den Ziegeln seines letzten Verstecks endeten damals zwar Leben und Verbrecherkarriere des schnauzbärtigen Pulverkönigs, aber seine Branche und sein Mythos sind fideler denn je.

Die Namen der Kartelle

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Geschrieben und gedreht wird immer mehr über den Multimilliardär und Massenmörder, der seine Heimat in Schach hielt und Schnupfnasen von New York bis San Francisco versorgte. 20 Jahre nach seinem Tod ist der schaurige Escobar Abendprogramm in Wohnzimmern.

Die Parabel des Pablo

Zum Gassenfeger wurde seine Geschichte unter dem spanischen Titel Pablo Escobar, el patrón del mal 2012 zunächst in Kolumbien. Der populäre Privatsender Caracol hatte das Werk drei Jahre lang produziert, mit 1300 Schauspielern an 500 Schauplätzen. Als Vorlage diente die Biographie "Die Parabel des Pablo", verfasst von dem Journalisten Alonso Salazar, vormaliger Bürgermeister von Medellín. Die Hauptrolle spielt der Kolumbianer Andrés Parra, er schien in Escobars massigen Körper und seine zerrissene Seele hineinzuwachsen. Bei der Premiere lag die kolumbianische Einschaltquote bei 80 Prozent.

In den folgenden Wochen blieb das Publikum so treu, dass das Opus bis zuletzt wiederholt wurde. Inzwischen ist der epische Escobar ein Exportschlager.