Telekom-Affäre: Entschädigung für Journalisten Schmerzensgeld für Spitzelopfer

Ein Jahr lang überwachte die Deutsche Telekom fünf Journalisten. Nun einigt man sich auf die Zahlung von Schmerzensgeld.

Von Hans Leyendecker

Journalisten teilen gern kräftig aus - auch wenn mancher von ihnen wehleidig ist und ein Glaskinn hat. Aber es ist schon heftig, was dem Journalisten Reinhard Kowalewsky zugestoßen ist: Späher der Deutschen Telekom drangen in sein Privatleben ein, weil sie feststellen wollten, mit welchem Aufsichtsrat der damalige Redakteur des Magazins Capital telefoniert hatte.

Der in Telekom-Angelegenheiten häufig gut informierte Journalist hatte über Jahre hinweg Mitglieder des Vorstands mit Geschichten über vertrauliche geschäftliche Vorgänge genervt. Im Zuge der Affäre hatte der Bonner Konzern in den Jahren 2005 und 2006 Tausende Telefondatensätze erhoben und auswerten lassen, um ein mögliches Leck aufzuspüren.

Die Schnüffel-Attacke, die mit der anonymen Zahl von rund sechzig Opfern verbunden ist, wird vermutlich als "Telekom-Affäre" in die Skandalchroniken eingehen, aber ohne die Geschichten des Journalisten Kowalewsky hätten vermutlich Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung des Konzerns die monströsen Überwachungsaktionen nicht inszeniert. Mit Kowalewsky, der heute für die Rheinische Post arbeitet, fing die Affäre an - und mit ihm geht sie jetzt allmählich zu Ende.

Der Konzern und der Journalist haben sich auf die Zahlung von Schmerzensgeld geeinigt. Die Summe ist nicht genau bekannt. Die Beteiligten haben Stillschweigen vereinbart. Aber aus Telekom-Kreisen sickert durch, dass der Betrag "erheblich" über 30 000 Euro liegen soll.

Schadenersatz für einen Journalisten, dem im Zusammenhang mit seiner Arbeit Unrecht widerfahren ist - das ist in Deutschland immer noch eine Rarität. In angelsächsischen Ländern gibt es solche Vorgänge weit häufiger und die ausgezahlten Summen fallen meist deutlich höher aus als im Fall Kowalewsky.

Rund ein Jahr lang waren sein Diensttelefon, sein Handy, sein Privatanschluss und - für kurze Zeit - ein weiteres seiner Telefone von Mitarbeitern der Sicherheitsabteilung des Konzerns überwacht worden. Selbst die Verbindungsdaten des Handys seiner Frau, die Lehrerin ist, waren für die Dunkelmänner von Interesse gewesen. Fünf ihrer Bekannten waren von der illegalen Aktion betroffen.

Das Who's Who der Telekom-Affäre

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