Saarbrücker "Tatort"-Kommissare abgesetzt Wähnt der SR sich unbeobachtet?

Nach SZ-Informationen widersetzten sie sich dem Wunsch des Saarländischen Rundfunks, die bei Trennungen gängige Floskel "in beiderseitigem Einverständnis" in die Pressemitteilung aufzunehmen. Bauers Begründung für eine Neubesetzung des Saarbrücker Tatorts können sie nicht nachvollziehen. "Gerade die Gegensätze waren es, die den Erfolg des Teams ausgemacht haben und die unserer Meinung nach noch lange nicht auserzählt sind", schreiben sie. "Wir waren gerne Tatort-Kommissare."

Schnüffler mit Charisma

mehr...

Faktisch ließe sich tatsächlich eher belegen, dass die Geschichte der beiden so ungleichen Ermittler aus Saarbrücken, anders als SR-Redakteur Bauer es andeutet, großes Interesse auch auf mehr weckte. Was im Fernsehen interessiert, wird eigentlich nicht abgeschafft. Quoten und Marktanteile, auch in den mit Gebühren ausgestatteten Rundfunkunternehmen wichtigste Qualitätskriterien, sprechen jedenfalls für die Kommissare Kappl und Deininger.

2010 und 2011 schauten konstant mehr als achteinhalb Millionen Menschen zu, mit ihren Werten liegen sie in einem aktuellen Ranking der 16 Tatort-Kommissariate auf Platz sieben. Das ist für eine klamme Anstalt wie den Saarländischen Rundfunk, die im Jahrbuch der ARD keine eigenständige Fiktion-Redaktion ausweist und sich bei der Produktion des jährlichen Tatorts von BR, SWR und NDR finanziell unterstützen lassen muss, ein Erfolg.

Was also bringt Tatort-Redakteur Bauer dazu, eine gewachsene Marke, die nicht nur im Saarland beliebt ist, einzustellen? Gregor Weber wirft Bauer vor, mit einer "schlecht formulierten und offensiv verlogenen Pressemitteilung" versucht zu haben, die Angelegenheit so aussehen zu lassen, "dass eigentlich wir gehen wollten und die Entscheidung sehr knorke finden".

Trennungen verursachen fast immer Verletzungen, und in anderen Sendern haben sich Schauspieler auch nur schwer damit abfinden können, dass sie die inzwischen populärste und bedeutendste Rolle im deutschen Fernsehen, die Rolle des Tatort-Kommissars, abgeben mussten. Im Saarland allerdings, diesem südwestlichen Winkel auch der ARD, sind sie augenscheinlich von hausgemachter Stillosigkeit umstellt. Liegt es daran, dass sich der kleine SR unbeobachtet wähnt? Oder daran, dass er über gar keine Redaktionseinheit mit ausreichend Budget und Personal verfügt, die Fernsehspiele professioneller, kompetenter organisieren könnte?

2006 ersetzte Maximilian Brückner den Kollegen Jochen Senf, der 17 Jahre lang als anarchischer Max Palu auf dem Fahrrad die Verbrecher jagte. Auch Senf bekam im Herbst 2004 einen Anruf. Ihn informierte Inge Plettenberg. Frau Dr. Plettenberg hatte für den SR bis dahin überwiegend historische, landesgeschichtliche Dokumentationen und Features fabriziert. Dann stieg sie plötzlich zur Tatort-Beauftragten des SR auf.