"Tatort" aus Münster Die Pinguine sind wirklich süß

Schon süß. Also der Pinguin. Axel Prahl als Kommissar Thiel mit Sandy.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Ansonsten gibt es leider kaum einen Grund, den neuen "Tatort" aus Münster anzusehen. Außer den üblichen Kalauern.

Von Carolin Gasteiger

Die Erkenntnis:

Pinguine können einen Tatort ziemlich bereichern. Im Münsteraner Fall "Schlangengrube" sind sie sogar die Einzigen, die den Fall sehenswert machen. An Krimihandlung hat dieser Tatort nämlich so wenig zu bieten, dass er eher als Spezialausgabe der ARD-Tierserie Nashorn, Zebra und Co. durchgeht. Aber die Pinguine sind wirklich süß.

Darum geht es:

Patrizia Merkens, Staatsanwältin Wilhelmine Klemms ungeliebte Nachbarin, wird tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Sie litt an Lungenkrebs, aber die Krankheit ist nicht die Todesursache. Auf dem Bauch der Toten sind dubiose Einstichstellen. Ihre Ermittlungen führen Kommissar Thiel und Professor Boerne bald in den Münsteraner Tierpark, dessen Mäzenin die Tote war. Allerdings zeigen sich weder Tierpflegerin noch behandelnder Tierarzt oder Zoodirektor besonders betroffen von Merkens' Tod. Um diese Handlung herum ist - typisch für Münster - jede Menge Klamauk gestrickt. Staatsanwältin Klemm gerät unter Verdacht, Thiel schmuggelt sich als Tierpfleger in den Zoo. Und Boerne versucht sich vergeblich als Fernsehkoch.

Alle Lieblinge sind da

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Bezeichender Dialog:

Zwischen Insider-Klamauk und Tierdoku wabern auch die Dialoge hin und her. Mit einem Gespräch erinnern die Macher an eine wahre Begebenheit. Vor acht Jahren verliebte sich Pinguindame Sandy im Münsteraner Zoo tatsächlich in ihren Pfleger. In "Schlangengrube" findet Sandy, die sich selbst spielt, Gefallen an Kommissar Thiel. Tierpflegerin Henny Neubert freut das.

Thiel: Na, wer kommt denn da? Ja, komm mal her.

Neubert: Das war ja klar, dass Sandy auf dich abfahren wird, hast auch was Pinguinhaftes.

Thiel: Na danke, höre ich öfter.

Neubert: Hast eben Ähnlichkeiten mit dem Pfleger, der sie von Hand aufgezogen hat. Aber du weißt, dass du jetzt ein Problem hast - Pinguine sind extrem monogam.

Thiel: Ach Sandy, ich fürchte, da bin ich nicht die richtige Wahl. Meine Ehe ist nämlich leider sehr schnell in die Brüche gegangen.

Neubert: Hast du gehört, Sandy? Dann wirf dich nicht so schamlos an den ran. Ist ja unerhört.

Top:

"Schlangengrube" wirkt weit weniger klamaukig als viele andere Münsteraner Tatorte. Was daran liegt, dass die Tiere irgendwann einfach alles vergessen lassen. Wen interessiert noch das Motiv, wenn der als Tierpfleger getarnte Thiel Pinguine spazierenführt? Oder wenn bei der obligatorischen Verfolgungsjagd nicht ein flüchtiger Verdächtiger ausbüchst, sondern ein Pinguin? Fazit: Je mehr Pinguin, desto weniger alberne Dialoge.

Flop:

Allerdings erinnert der Tatort damit eher an eine Tierdoku als einen Fernsehkrimi. Von Spannung ist in "Schlangengrube" jedenfalls keine Spur. Überhaupt gewinnt man den Eindruck, der Mord passiert anfangs lediglich, um anschließend ausreichend Insiderwitze zu bedienen: Boerne darf sein neu gewonnenes kulinarisches Interesse in abgehobenem Vokabular kundtun, Thiel will mit seinem Kiffer-Vater eine Radtour unternehmen - natürlich nach Holland. Und Staatsanwältin Klemm, zwischenzeitlich selbst unter Verdacht, hat Angst vor Staatsanwältin Ungewitter (!). Tessa Mittelstaedt, die diese spielt, soll mit lächerlich toupierter Frisur offenbar Klemms jüngeres Alter Ego geben. Münsteraner Fans dürfte das alles amüsieren. Aber insgesamt wirkt der Fall doch ziemlich uninspiriert.

Die Pointe:

Hinter den aus dem Zoo verschwundenen Tieren steckt der von Boerne so angehimmelte Gourmet-Guru Richard Stockmann, der sich heimlich gern mal Robbe und Pinguin-Ragout genehmigt. Und der damit natürlich auch Boernes TV-Traum platzen lässt. Aber damit war eh zu rechnen.