"Tatort" mit Til Schweiger und Helene Fischer Schmerz lass nach

Kommt es zum Kreissägenmassaker? Til Schweiger (links) im Tatort "Der große Schmerz".

(Foto: NDR/Gordon Timpen)

Nick Tschiller hat so richtig zu tun: Muss Frau und Kind retten, den Erzfeind besiegen - und dann ist da noch Helene Fischer als russische Gangsterbraut mit mysteriöser Agenda.

Von Johanna Bruckner

Darum geht es:

Um die große Nick-Tschiller-Show, die natürlich auch eine Til-Schweiger-Show ist. Minute vier: die erste Schlägerei, Minute elf der erste Kuss, Minute dreizehn der erste Alleingang. Läuft bei Tschiller, ist man geneigt zu sagen. Drehbuchschreiber Christoph Darnstädt würde das vermutlich anders formulieren, schließlich hat er sich sehr viel Mühe gegeben, seinem Kommissar möglichst viel Schmerz zu bereiten. So heißt dann auch Teil eins der Hamburger Tatort-Doppelfolge: "Der große Schmerz". Tschillers Erzfeind Astan ist gar nicht begeistert, dass ihn der karrierebewusste Hamburger Innensenator nach Bayern abschieben will: Wer soll dann seinen Bruder im Knast Fuhlsbüttel beschützen, den Tschiller einst in den Rollstuhl schoss? Also ersinnt Astan oberschurkenmäßig einen Plan, um freizukommen. In dem spielt Tschiller die zentrale Rolle, und - man ahnt es - natürlich dürfen auch Tschillers Frau und Tochter nicht friedlich ihr Leben leben, sondern werden als Druckmittel gegen den Polizisten flugs gekidnappt. Gut zu tun also für den Papa.

Lesen Sie hier die Rezension von SZ-Tatort-Kritikerin Katharina Riehl:

Schweiger-"Tatort": One Man Army

Til Schweiger gibt den melancholischen Rambo, Helene Fischer eine russische Killerin. Man braucht eine gewisse Offenheit für die große Geste, um "Der große Schmerz" nicht albern zu finden. TV-Kritik von Katharina Riehl mehr ...

Bezeichnender Monolog:

Wenn Heile-Welt-Sängerin Helene Fischer in einem Krimi mitspielt, liegt nahe, welche Rolle sie spielt: natürlich eine schießwütige Gangsterbraut namens Leyla. Badass-mäßig in schwarzem Leder mit brauner Perücke. Und weil Fischer in Sibirien geboren ist, darf sie ihre wenigen deutschen Sätze mit aufgesetztem russischen Akzent sprechen. Die folgenden richtet sie an Tschillers Tochter Lenny.

Leonara, Lenny. Ich cheiße Leyla, nurrr Leyla. Schon als kleine Mädchen. Als ganz kleine Mädchen. Also große Mädchen, so alt wie du, wurde ich mit Freundin nach Deutschland gebrrracht. Nicht Internat. Zum Ficken. Freundin wurde totgefickt, aber ich nicht. Weil ich bin harrrt. Und grausam. Musst du sein für Überleben, Leonora. Merk dir.

Die besten Zuschauerkommentare:

Beste Szenen:

In einer der ersten Szenen sitzt Tschillers Kollege Yalcin Gümer (Fahri Yardim) mit der bereits erwähnten Leyla auf einer Hollywoodschaukel im Regen. Yardim weiß da noch nicht, dass Leyla in etwa so unschuldig ist wie ihre grünen Augen echt sind. Er versucht radebrechend die Kontaktaufnahme, schaut ihr tief in die gefärbten Kontaktlinsen und freut sich, als er eine Antwort auf Russich bekommt: " иди в жопу."

In einer der letzten Szenen liegt Leyla mit einem Bauchschuss auf einer Pritsche, das Blut sprudelt ihr aus dem Mund. Yardim nähert sich, die Pistole im Anschlag. "Jetzt hast du auch jemanden erschossen", stößt Leyla hervor. Und: "иди в жопу." Mittlerweile weiß Yardim, was das übersetzt heißt: "Fick dich."

Top:

Ja, auch dieser Tschiller-Tatort ist mehr Western als Krimi. Voll von Gewaltspektakeln, Kitsch und moralinsaurem Pathos ("Wenn du zur Schule weiter gehst, dann versprech' ich dir, dass ich wieder zurückkomm'.") Und würde man bei jedem schlechten Klischee einen Schnaps kippen, man wäre spätestens bei der gehörlosen Prostituierten im roten Latexfummel betrunken. Aber: Die Tschiller-Tatorte sollen so wenig ein klassischer Krimi sein wie Fast and Furious ein reiner Autofilm. Es geht um Action, und Unterhaltung. Und wenn man sich erst mal darauf eingelassen hat, dann macht es plötzlich auch Sinn, dass Tschiller mit seiner blutverschmierten Frau auf dem Arm in die Notaufnahme läuft. Oder sich in Chuck-Norris-Manier vor der Handamputation durch eine Kreissäge rettet. Oder Sätze sagt wie: "Weil er mir gehört, du hässlicher Freak!"

Flop:

Jeder Bond-Film hat ein gutes und ein böses Bond-Girl. Dieser Tatort hat Isabella Schoppenroth (wir erinnern uns: die Ex-Frau von Nick Tschiller) und Leyla. Der Plot bringt die beiden auf einem Schiff im Hamburger Hafen zusammen, dort hält Leyla Tschillers Frau und Tochter gefangen. Selten war man sich als Zuschauer seiner Sympathien so sicher: Möge das Bad Girl gewinnen! Denn das blonde Tschiller-Weib (Stefanie Stappenbeck) ist so trutschig und pseudo-tough, dass es kaum zum Anschauen ist, geschweige denn zum Zuhören. "Die wollen uns zu Opfern machen, das lassen wir nicht zu!", spricht's an einer Stelle. Und kurz darauf: "Papa holt uns hier raus!"

Bang Boom Bang

mehr...

Bester Auftritt:

Auch wenn der glasaugige Friedensrichter Idris Ervan (Murathan Muslu) in "Der große Schmerz" Konkurrenz bekommt von einem russischen Gangster mit Glasauge: Er bleibt der Babo auf dem Hamburger Kiez. Als es eng wird für den Friedensrichter, organisiert er Tschiller noch eben eine Sporttasche mit Raketenwerfer und Sprengstoff, und inszeniert dann seinen eigenen Tod. Natürlich mit ordentlich Krawumm. Anders kann es gar nicht sein - oder glaubt ernsthaft jemand, dass Tschiller alleine klarkommt?

Die Erkenntnis:

Wenn es auf das finale Duell zugeht, können die Kontrahenten keinen unnötigen Ballast gebrauchen. Also muss in "Der große Schmerz" nicht nur Tschillers Ex-Frau dran glauben, sondern auch Astans Bruder. Game on, dann in der kommenden Woche in "Fegefeuer".

Die Schlusspointe:

"Du wirst Astan nicht töten, okay?", appelliert Gümer an Tschiller. "Das geht nicht. Verdammte Scheiße, wir sind die Guten, okay?" - "Ich nich' mehr", sagt Tschiller - und platziert einen Handkantenschlag.

Wer ermittelt wo mit welchen Tricks?

Zwei Mädels in Dresden, ein Pärchen in Weimar und die Münchner seit 25 Jahren. Alles, was Sie über die "Tatort"-Kommissare wissen müssen - in unserer interaktiven Grafik. Von Carolin Gasteiger und Jessy Asmus mehr...