"Tatort" mit Falke und Grosz Jeder blickt hier zurück, aber jeder ein bisschen anders

Kommissar Falke entdeckt eine leblose junge Frau - aber die Handlung ist in "Alles was Sie sagen" nebensächlich.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Die Kommissare Falke und Grosz kümmern sich um einen Fall organisierter Kriminalität. Aber worum es geht, ist in "Alles was Sie sagen" nicht wichtig. Viel bedeutender ist, wie es erzählt wird.

Von Katharina Riehl

Der NDR-Bundespolizist Thorsten Falke hat seit 2016 eine neue Partnerin, die vorherige mochte nicht mehr. Franziska Weisz spielt nun Julia Grosz, und in ihrem vierten gemeinsamen Fall wird die Beziehung der beiden erstmals so richtig gründlich vermessen.

Es beginnt mit einem Routineeinsatz, die Identität eines jungen Mannes aus dem Libanon soll überprüft werden, weil er in seiner Heimat Mitglied einer Terrormiliz gewesen sein soll. Der Mann kann bei dem Einsatz flüchten, er taucht unter, ein paar Tage später wird bei einem Einsatz in dem Fall eine Zeugin getötet. Angeblich durch einen Schuss aus Falkes Waffe, weshalb gegen das Polizistenduo intern ermittelt wird.

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Die Geschichte wird von hier an aus dem Verhörraum und in Rückblenden erzählt. Der Fall an sich ist nicht furchtbar spannend, es geht mal wieder um organisierte Kriminalität, Drogen und die Frage, unter welchen Umständen Flüchtlinge in diesem Land um ihren Aufenthaltsstatus kämpfen. Spannend ist diesmal aber tatsächlich die Art, wie diese Geschichte erzählt wird. Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz werden nach dem Tod der jungen Frau getrennt voneinander befragt, von einem Ermittler der Polizei Lüneburg, in dessen Zuständigkeitsbereich die Ermittlungen stattgefunden hatten. Jeder der beiden blickt zurück, jeder ein bisschen anders, und der Versuch, den Zuschauer mit einer breiten Auswahl an unterschiedlichen Wahrheiten zu verwirren, geht auf.

"Alles was Sie sagen" heißt die Episode (Buch: Jan Martin Scharf und Arne Nolting; Regie: Özgür Yildirim), die zu den besseren mit dem Bundespolizisten Falke gehört, weil sie zwar mit einem erzählerischen Trick arbeitet, aber ohne erzählerischen Firlefanz auskommt. Und weil sie sich am Ende, wenn man an vielen Sonntagen schon der nahenden Auflösung entgegendämmert, noch einmal in eine wirklich ungeahnte Richtung wendet.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.