Tatort-Kolumne "Ziehst jetzt echt zsamm mit der?"

Leitmayr fürchtet, seinen Freund Batic an dessen Flamme zu verlieren.

(Foto: Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden)

Die Münchner Kommissare verheddern sich im Beziehungsgeäst - und formulieren ziemlich platt, wenn es um die Liebe geht.

TV-Kritik von Holger Gertz

Folge 17/2017, Kommissare: Batic/Leitmayr

Ivo, mein Ivo

Wären die Münchner "Tatort"-Kommissare verheiratet, würde in diesem Fall ihre Ehe zerbrechen. Vor allem Leitmayr stellt sich die Vertrauensfrage. Kolumne von Carolin Gasteiger mehr ...

Im vergangenen Fall von Batic und Leitmayr wäre fast deren Gesundheit und sogar die Freundschaft ruiniert worden. Nur drei Wochen später ist alles verheilt, programmplanerisch sind sie bei der ARD also mal wieder besonders sensibel am Start. Kommissar Batic hat sich verliebt, sein eben noch ramponierter Körper ist zu allem bereit. Ein Comeback, wie es zuletzt Lazarus hingelegt hat.

"Die Liebe, ein seltsames Spiel" heißt die Geschichte von Regisseur Rainer Kaufmann und Autorin Katrin Bühlig, der Leitgedanke steht also im Titel. Der Womanizer Thomas Jacobi (Martin Feifel) pflegt fünf Beziehungen nebeneinander, das sind sehr viele Schatzis, und einige von ihnen sterben. Wo so viele Liebende unterwegs sind, sind auch viele Enttäuschte und Rasende: Der Whodunit ist anspruchsvoll genug, weil man sich im Geäst der Beziehungen leicht verheddert. Die Ermittler haben viel zu tun, gönnen sich aber gelegentlich einen selbstironischen Kommentar. Sagt Leitmayr zum Assistenten Hammermann: "Tja Kalli, was fragt der Fernsehkommissar jetzt?"

Allerdings beherrscht das Thema Liebe nicht nur den Fall, sondern auch alles Denken der Kommissare. Thementag Liebe im Tatort. Gab es öfter, vor ein paar Jahren in der Färberböck-Folge "Am Ende des Flurs" zum Beispiel, wo der Gigolo vom unvergleichlichen Franz Xaver Kroetz gespielt wurde, der den interessierten Grauköpfen erklärte, worauf es bei Fesselspielen ankommt: "Bonditsch, Herr Batic, is a Kunst." Diesmal umkreisen allerdings alle ständig und emsig das Oberthema; das ist furchtbar anstrengend. Batic hat selbst eine Affäre mit einer verheirateten Frau. Leitmayr, der treue Moralist, fürchtet, den Freund an die Flamme zu verlieren: "Ziehst jetzt echt zsamm mit der?" Dem jungen Kalli zupft ein Mädchen an den Klamotten rum.

Das Stück hat starke Dialoge, aber wenn es um die Liebe geht, formuliert man ausgesprochen platt: "Das Ganze mit der Liebe, wird das schwieriger im Alter?", fragt Kalli. Und Batic: "Normalerweise gibt's für jeden von uns da draußen jemanden, aber irgendwie klappt's nicht immer mit der Verteilung." Den Herren - und nicht nur diesen - sei hier Wittgenstein empfohlen: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen." Aber ist natürlich schwer, im Fernsehen.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.