Amüsante Dialoge, schwieriges Thema: Der neue "Tatort" aus Saarbrücken handelt von Kriegstraumata. Der Krimi ist eine Art Lehrstück - und dennoch lustig und bewegend.
Die Demoskopen in Allensbach ermittelten, dass 40 Prozent der Tatort-Seher die lang gedienten Kölner Kommissare am liebsten haben, nur sieben Prozent hingegen die beiden Jungen aus Saarbrücken.
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Die Saarbrücker Kommissare Franz Kappl (gespielt von Maximilian Brückner, rechts) und Stefan Deininger (Gregor Weber, links) haben Hendrik Milbrandt (Martin Kiefer) im Verdacht - und im Visier. (© SR/Manuela Meyer)
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Zu ihrem Glück muss die ARD Wettbewerb nicht fürchten, die Gebührenmilliarden kriegt sie sowieso, also auch dann, wenn Ballauf und Schenk noch mit 90 am Büdchen ins Kölsch husten.
Gerecht ist das nicht für die jungen Kommissare Kappl und Deininger aus Saarbrücken - die eigentlich die Rettung einer im Anachronismus feststeckenden TV-Serie sind.
Maximilian Brückner und Gregor Weber sind grandiose Schauspieler, die in dieser Folge die Ermittlungen gerne (danke) nicht kommentieren, sondern lieber staubtrockene Klopper rausnuscheln. Es bereitet große Freude, sich die anzusehen.
Dieser Tatort des Kurzfilm-Oscar-Preisträgers Jochen Freydank startet wie eine Persiflage. Die junge Künstlerin Viktoria Schneider wird bei einer Antikriegs-Performance aus 400 Metern erschossen. Nun baumelt sie als totes Engelchen in den Seilen.
Vier Soldaten - Afghanistanheimkehrer - geraten bei den Ermittlungen im irgendwie somnambulen Saarbrücken ins Visier der Ermittler. Die machen sich wegen der Langstreckenqualität des Projektils erstmal kundig.
Also fragt Deininger, der aussieht wie der Polizist von den Village People, den Beamten-Kollegen aus der Spezialwaffenabteilung: "Was würden Sie denn nehmen für den Hausgebrauch?" - "Es gibt keine Waffe für den Hausgebrauch." - "Anscheinend schon, sonst wär' die Frau Schneider ja nicht tot."
So trocken geht das hier zu bis zum wahrhaft spannenden Ende in einer ausgelassenen Kohlegrube. Auch wegen des dialogsicheren Buchs von Christiane Hütter und Christian Heider, auch wegen einer tollen Ensembleleistung ist dabei ein Kunststück gelungen: Der Film ist oft komisch, und doch bewegt er.
So ist dieser Off-Tatort über Kriegstraumata ein Lehrstück geworden: Bei einem so wichtigen Thema darf im Unterhaltungsfernsehen nicht viel erklärt, stattdessen muss mit Sorgfalt genuschelt werden.
Sonntag, ARD, 20.15 Uhr.
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(SZ vom 22.01.2011/tiq)
Die einzigen guten Tatorte speielen doch derzeit in Münster (Auch wenn ich Liefers nicht mag - aber Axel Prahl ist vielleicht der beste deutsche Schauspieler der Gegenwart mit seinem minimalen Spiel) und in Berlin, auch wenn die auch nachlassen...
Das Münchner Duo gehört dringend ausgewechselt, mit dem Kölner kann ich nix anfangen, Odenthal hat manchmal sehr sehr gute, manchmal aber auch einfach nur schlechte Folgen... Und andere hab ich bewusst noch nicht wahrgenommen...
Aber eigtl sind die Tatorte immer noch eine angenehme Abwechslung zu den ZDF-SoKos und den effekthascherischen Ami-Krimis, bei denen eigtl nur Law&Order zu ertragen ist.
den Tatort ´"Heimatfront" fand auch ich als sehr lästig. Leider kann ich keine gute Ensemble-Leistung erkennen. Die Kostüme und Requistite des Films höchst unglaubwürdig. Die aburteilende Psychologin einfach nur belustigend und nicht ernsthaft bewegend. Die Dialoge der Kommissare völlig banal und dahingehend aufklärend, dass sich wirklich keiner am Filmset mit der eigentlichen Tiefe und den Folgen eines solchen Traumas auseinandergesetzt haben. Grotesk und wirklich drei Nummer zu groß die Szene in der Kohlegrube. Wer an dieser Stelle noch nicht registriert hatte, dass der SEK Beamte extra für dumme Zuschauer keinen Helm trägt, damit ich mich an ihn erinnern kann, ist er doch derjenige, der noch nie auf einen Menschen geschossen hat, dem wurde dann aber wenigstens alles klar, als der Kopfbedeckungslose schoss und anschließend Zeit zur Reue hatte.
Bitte nie wieder so einen Tatort, bitte nie wieder Saarbrücken und bitte nie wieder solch komische Kamerafahrten.
Steffff schreibt
"Dem Thema mehr geschadet."
eindeutig. Wenn man einen Film über Auslandseinsätze der Bundeswehr machen will, soll man das tun -- die Problematik in ein Unterhaltungsformat zu (ver)packen, schadet beiden: der Unterhaltung und der Problematik
Das muss ein anderer Tatort sein, als der den ich gestern gesehen habe. Das an sich hoch brisante Thema "traumatisierte Soldaten" klischeemäßig umgesetzt, schlecht besetzt, wirklich alberne Dialoge und ein Showdown zusammenkopiert aus jedem zweiten US-Actionfilm - nur auf billig.
"Mit Sorgfalt genuschelt"??? Ui!