Tatort-Kolumne Besuch aus Thailand

Hat in Thailand viel gelernt: Carlo Menzinger, dargestellt vom Schauspieler Michael Fitz. 

(Foto: dpa)

Schluss mit oberflächlich, jetzt wird es existentiell. Der Münchner Tatort versucht sich an einer internen Ermittlung der Seele. Es geht um Gewalt und innere Stärke. Gelegentlich ächzt die Geschichte unter dem Anspruch. Da helfen auch die Weisheiten von Carlo Menzinger, der aus dem Fernen Osten zu Besuch kommt, nicht weiter.

Von Holger Gertz

Der Tatort-Quotenhysterie und dem Gegackere um schmerzhaft flache Folgen wie zuletzt der aus Münster begegnen die Münchner mit der Souveränität alter Meister. In dieser Episode geht es um Gewalt und Gegengewalt. Wie viele zertrümmerte Schädel muss einer gesehen haben, bis er es nicht mehr aushält? Was macht die Polizeiarbeit aus den Polizisten?

Vier Beamte jagen eine Bande, die einen Kioskbesitzer ins Koma getreten hat, der Fall beginnt mit einer Verfolgungsjagd, an deren Ende erledigte Kreaturen zurückbleiben: Täter, Jäger, Opfer. Auch die innere Stärke der Polizisten ist endlich, und der Film findet sprechende Bilder für das, was er erzählen will. Nackte, nicht komplett austrainierte Polizistenkörper unter der Gemeinschaftsdusche und später bei einer deprimierenden Vögelei in einer Hütte.

Die Witze neulich bei Boerne werden ersetzt durch suchende Blicke, die Explosionen bei Tschiller sind hier Implosionen. Der Tatort versucht sich an einer internen Ermittlung der Seele - gelegentlich ächzt er unter diesem Anspruch und unter allgemeiner Überladung. Selbstmord, Mord, Erpressung. Oberkommissar Carlo Menzinger (Michael Fitz) ist für eine Folge wieder dabei, er hatte sich vor Jahren nach Thailand verabschiedet und betrachtet jetzt alles aus größerer Flughöhe. Menzinger ist der gute Mensch aus Fernost - man könnte ihn sich, Gruß an den Himmel über Berlin, beinahe geflügelt vorstellen.

Eine Philosophie über das Verlieren und Verlorengehen. Der Tatort hat, was viele nicht haben: eine tiefere Ebene. Das ist Segen und Fluch zugleich. Es klingt ungewohnt eindimensional, wenn Menzinger sagt: "Ihr kümmert euch nur um die Täter - was ist mit den Opfern?" Es klingt andererseits verstörend realistisch, wenn Menzinger seine Freundschaft zu Batic und Leitmayr hilflos beleben will. Die kleinen, beiläufig hingesprochenen Sätze sind wie immer die griffigsten. Irgendwann sagt Carlo Menzinger, nicht nur zu den alten Ermittlerkollegen: "Das ist ein Scheißberuf."

ARD, Ostermontag, 20.15 Uhr.

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