"Tatort" aus Köln "Weißt du noch, unsere erste Kippe hinter der Werkstatt?"

Ballauf und Schenk (Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt, r.) waren früher immer besonders stark, wenn sie akkurat ein Milieu durchleuchteten. So machen sie es auch in diesem "Tatort".

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Im neuen Kölner "Tatort" durchleuchten Ballauf und Schenk das Autoschrauber-Milieu. Eine sauber konstruierte Geschichte und gute Dialoge machen "Mitgehangen" zu einem starken Krimi.

Von Holger Gertz

Ballauf und Schenk waren früher immer besonders stark, wenn sie akkurat ein Milieu durchleuchteten. So machen sie es auch diesmal, ihr Interesse gehört Menschen, deren romantische Erinnerungen sich in handfeste Fragen einwickeln lassen: "Weißt du noch, unsere erste Kippe hinter der Werkstatt?" Die Leiche eines jungen Mannes liegt im Kofferraum eines versenkten Wagens. Der Mann war ein Autofreak, hatte Kontakte in die Schrauberszene und hat für den Umsatz einer Reifenhandel-Firma einiges getan. In die Familie des Reifenhändlers ist er auch auf anderen Wegen vorgedrungen, im Prinzip könnte ihn jeder gekillt haben. Mutter, Vater, Kind, klassischer Whodunit - auch das eine Kölner Spezialität.

Tatsächlich gehört "Mitgehangen" von Sebastian Ko zu den stärkeren Folgen des WDR, die Geschichte ist sauber konstruiert, alles bleibt in der Waage. Die Hektik und Getriebenheit aller Personen wird aufgefangen durch den gemächlichen neuen Assistenten Norbert Jütte (Roland Riebeling), immer eine Hand am Blutdruckmessgerät, immer schön eins nach dem anderen. Das Element Wasser, in dem das Opfer gefunden wird, ist andererseits auch Kraftquelle für Kommissar Ballauf (Klaus J. Behrendt), der das Schwimmen wieder angefangen hat. Kollege Schenk (Dietmar Bär) fragt: "Was hast du eigentlich vor? Seepferdchen nachmachen?"

Die Dialoge von Autor Johannes Rotter sind schnell und spröde, sie passen total zur Welt der Werkstätten, die hier dem Untergang geweiht ist, auch wenn alle trotzig weiter reparieren und flicken und machen. Fast dokumentarische Wucht hat das Stück, wenn eine Hausdurchsuchung nicht nur ein Krimiwort bleibt, sondern länger ausgespielt wird. Das Gewühle in allen Ritzen ist für die Bewohner so demütigend wie die Prozedur, die einer über sich ergehen lassen muss, der in den Knast kommt und komplett nackt dasteht, trotz Anstaltskleidung.

Bemerkenswert ist die Liebe zum Detail in dieser Episode. Ärgerlich ist, dass auch diese Episode nicht ohne balkendick aufgetragene Erklärungen auskommt. Der ungewohnt harte Ballauf hält am Ende einen überernsten Monolog aufs Leben der Polizisten ("Du wirst immer nur gerufen, wenn alles Scheiße ist") - und da fehlt dem Film auf einmal seine ganze schöne Lakonie.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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