"Tatort" aus Kiel Ganz allein geht es auch nicht

Borowski weiß nicht, was er von Famke Oejen halten soll.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Sibel Kekili ist weg, Axel Milberg kann als Borowski das Alleinsein genießen. Aber was tut der Mann? Legt sich mit einer Fremden ins Bett.

Von Katharina Riehl

Kommissar Borowski ermittelt in diesem Tatort aus Kiel seit Längerem wieder allein - seine Partnerin Sarah Brandt hat ihn verlassen, weil Schauspielerin Sibel Kekilli genug hatte vom Sonntagabendkrimi - und Borowski-Darsteller Axel Milberg lässt im Presseheft wissen, dass er das Alleinsein genossen habe. Das freut einen natürlich sehr für Milberg, und man glaubt es ihm auch, beschert ihm sein Auftritt als einsamer Wolf doch viele schöne Szenen, in denen er mit Mantel und Schal sehr versonnen aufs Meer oder ins bedrohliche Wetter blicken kann.

Den Kommissar dekorativ in die Landschaft zu stellen, ist die durchgängigste inszenatorische Idee in dieser Episode (Buch: Peter Bender, Ben Braeunlich, Sven Bohse; Regie: Sven Bohse), deren Handlung sich auf einer fiktiven Nordseeinsel abspielt. Ein Mann wird eines Morgens von seiner Freundin tot in der Badewanne gefunden, und der Kieler Ermittler muss anreisen, weil er den Toten kennt: Oliver Teuber war in einen Korruptionsskandal verwickelt und ist vor ein paar Monaten aus der Landeshauptstadt verschwunden.

Auf der Insel: Verhärmte Frauen, verbohrte Männer

"Borowski und das Land zwischen den Meeren" soll seine Spannung nun hauptsächlich aus dem Verhältnis des Ermittlers zur Freundin des Opfers ziehen; Famke Oejen, gespielt von Christiane Paul, hatte sich ohne Wenn und Aber in den auf der Insel fremden Oliver verliebt und will nicht lockerlassen, bis Borowski den Tod des Geliebten geklärt hat. Irgendwann liegen die beiden nebeneinander im Bett, und man kann diesem Film nur folgen, wenn man auch der behaupteten Unwiderstehlichkeit beider Hauptfiguren zu folgen bereit ist.

Nebenbei ist dieser Tatort ein bisschen Milieustudie am Inselvolk, am Stammtisch sitzen die verbohrten Männer, die Frauen sind entweder bigott oder verhärmt, so oder so hassen sie allesamt die schöne Famke. Der Horizont der Menschen ist hier sehr viel enger als der tatsächliche graue über dem Meer, den die Kamera immer so hübsch einfängt. Ein Schweinebauer wird von seinen eigenen Schweinen gefressen, eine patente Inselpolizistin räumt dem Festland-Ermittler hinterher und die Lösung des Falls ist so überpsychologisiert wie die ganze Geschichte. Aber immerhin hat Axel Milberg das Alleinsein genossen.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.