Keine hintergründigen Informationen vor dem regionalen Urnengang: Italiens Staatsfernsehen zwingt vier Talkshows zu pausieren - die Rai ist blamiert, die Moderatoren sind wütend.
Entmündigte Zuschauer, wütende TV-Moderatoren und Kommissar Rex oder 101 Dalmatiner statt politischer Hintergrundsendungen - das bietet das italienische Staatsfernsehen Rai in diesen Tagen dem Publikum. Einen Monat lang dürfen Italiens bekannteste Talkshows mit politischen Inhalten nicht auf Sendung gehen.
Proteste gegen das Staatsfernsehen. (© Foto: AFP)
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Das hat der Verwaltungsrat der Rai verfügt und damit wahre Proteststürme im eigenen Hause und bei Journalistenverbänden ausgelöst. Anlass dieser Absetzungen - gegen das Votum des Rai-Präsidenten Paolo Garimberti - sind die Wahlen in 13 der 20 Regionen Italiens am 28. und 29. März. Sie entsprechen Landtagswahlen.
Der Verwaltungsrat begründete seine Entscheidung mit den Vorgaben der Parlamentarischen Überwachungs-kommission für die Rai.
Sie verlangen, dass vor Wahlen in den Programmen keine Partei bevorzugt werden darf, "par condicio" heißt das Fairnessgebot. Noch nie ist das Gesetz jedoch so umgesetzt worden wie jetzt.
Selbst bestraft
Die Mehrheit im Rai-Verwaltungsrat, dessen Besetzung die politischen Mehrheitsverhältnisse spiegelt, fürchtete, die Sendungen könnten eventuell Inhalte haben, die nach den Regeln von par condicio angreifbar wären. In einem solchen Fall hätte der Rai eine Geldstrafe gedroht. Es sieht aber nun so aus, als habe die Rai sich vorsorglich selbst bestraft, und zwar viel schwerer als mit Bußgeld.
Die Zwangspause gilt für die Sendungen Ballarò, (Rai3), L'Anno Zero (Rai2), Porta a Porta (Rai1) und L'ultima Parola (Rai2). Es sind Qualitätsformate mit festen Sendeplätzen, hohen Quoten und respektierten Journalisten als Moderatoren. Alle haben als Schwerpunkte Politik, Wirtschaft und gesellschaftspolitische Themen, alle liefern Hintergrundinformationen zu aktuellen Vorgängen. Dazu gehören Studiogäste - Fachleute, aber vor allem Politiker. Nicht selten enden die Folgen mit nicht mehr verständlichen Wortgefechten, weil die Gäste lautstark streiten.
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