In der Talkshow Maybrit Illner benutzt Henryk M. Broder im Zusammenhang mit dem verstorbenen polnischen Präsidenten Kaczynski das Wort "Witzfigur" - will es aber nicht so gemeint haben.
Henryk M. Broder gehört zu der Fraktion der besonders scharfzüngigen Debattenteilnehmer. Wenn sich der 63-Jährige Autor äußert, dann stets zugespitzt, provokant und pointiert - und weil die Macher von Fernseh-Talkshows zugespitzte, provokante und pointierte Meinungen mögen, hat ihm diese Haltung in den diversen TV-Runden eine nahezu Gysi'sche Anwesenheitsquote beschert.
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Henryk M. Broder, immer streitlustig, immer provokativ. (© Foto: dpa)
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So saß er am Donnerstagabend auch in der Maybrit-Illner-Sendung "Kruzitürken! Sind wir offen für muslimische Minister?" und schwang sich mangels ernsthafter Konkurrenz zum zentralen Mann der Sendung auf. Und doch blieb von Broders Auftritt am Ende nicht seine Meinung zu Muslimen, Christen und exkommunizierten Juden haften, sondern eine ziemlich verfehlte Einlassung über einen jüngst verstorbenen Politiker. Nach 58 Minuten und 21 Sekunden setzte Broder zu dem Satz an: "Stellen Sie sich vor, der polnische Staatspräsident, der ja ohnehin eine Witzfigur ist ..." (Hier geht's zur kompletten Sendung.)
Ein gehöriger Fauxpas. Vor drei Wochen ist der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Kaczynski war aus verschiedenen Gründen ein umstrittener Politiker, die taz überschrieb einen Artikel über ihn mal mit der Formulierung "Polens neue Kartoffel" - aber einen jüngst verstorbenen, auch einen umstrittenen Politiker als Witzfigur zu bezeichnen, verstößt gegen alle Regeln der Political Correctness.
Ein solcher Verstoß an sich wäre bei Broder noch nichts Besonderes. Nach Meinung vieler anderer Debattenteilnehmer schießt er mit seinen provokanten Einlassungen des Öfteren übers Ziel hinaus. Doch die Formulierung aus der Maybritt-Illner-Sendung scheint ihm etwas unangenehm zu sein.
Auf Nachfrage von sueddeutsche.de bestätigte der im polnischen Kattowitz geborene Broder, dass er auch tatsächlich Kaczynski und nicht etwa den seit dessen Tod kommissarisch amtierenden Bronislaw Komorowski gemeint habe. Allerdings wehrte er sich gegen die Formulierung, er habe Kaczynski als Witzfigur bezeichnet. Er habe, auch angesichts solcher Formulierung wie in der taz-Überschrift, sagen wollen, "der polnische Staatspräsident, der ja bei uns ohnehin eine Witzfigur ist" beziehungsweise "der polnische Staatspräsident, der ja bei uns als Witzfigur behandelt wurde". Er selbst habe Kaczynski nicht als Witzfigur, sondern als ausgesprochen sympathisch empfunden.
In der Sendung selbst gingen weder die Moderatorin Maybrit Illner noch die anderen Gäste auf Broders Bemerkung ein. "Diese Aussage war ein typischer Broder, ich hätte das so nicht gesagt", sagte der Redaktionsleiter der Sendung, Wolfgang Klein, zu sueddeutsche.de. "Ich hätte es für falsch gehalten, wenn Maybrit darauf eingegangen wäre, dadurch wird es ja nicht besser. Außerdem war auch keine Zeit mehr und waren Polen und Kaczynski gar nicht das Thema der Sendung."
(sueddeutsche.de/bgr/cmat)
Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
Also, der Titel der taz-Kollumne*) hieß:
"Polens neue Kartoffel". Neue Kartoffel deshalb, weil im taz-Wahrheits-Jargon die 'polnische Kartoffel' - die alte nämlich - bis dato der Papst Johannes-Paul II. war.
*) www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/06/26/a0248
Zitat:
"...aber einen jüngst verstorbenen, auch einen umstrittenen Politiker als Witzfigur zu bezeichnen, verstößt gegen alle Regeln der Political Correctness."
Na und? Wozu gibt es die "Political Correctness" überhaupt? Diese dient doch nur dem Zweck, unliebsame Meinungen und Wahrheiten zu unterdrücken.
Und schon deshalb, aber nicht nur deshalb, ist Broders Kommentar vollkommen in Ordnung gewesen.
@Heinrich Koch
Kaczynski wurde nicht wegen seines übersteigerten Nationalismus "polnische Kartoffel" genannt sondern schlicht wegen seines Aussehens;-)
eins steht schon mal fest:
der Broder ist genau so umstritten wie die ...-Figur,
...und beide sicher nicht zu unrecht;-)
Nur weil dieser Herr Kaczynski eines - man sagt, nicht ohne eigene Weisung an den Piloten - früheren als vorgesehenen Ablebens erlag soll über ihn nichts negatives gesagt werden dürfen? Wo Broder recht hat, hat er recht. Im Gegenteil, mit Witzfigur hat er sogar noch eine moderate Bezeichnung gefunden. Diese Herren Kaczynski sind ein unsegliches Duo in der europäischen politischen Landschaft gewesen und in einem Teil u.U. wieder, wenn er zum Nachfolger seines Bruders gewählt werden sollte.
Vor lauter falscher Pietät sollte man nicht zum Schleimer degenerieren.
Paging