Tagesspiegel "Dicknasen"

Texte von Freien soll es nur noch mit Genehmigung der Chefredaktion geben: Der Redaktionssitz des Tagesspiegel am Askanischen Platz in Berlin.

(Foto: Peter Kuley/CC BY-SA 3.0)

Der Berliner "Tagesspiegel" spart auf Kosten der freien Mitarbeiter. Bis Jahresende dürfen sie nur noch mit Sondergenehmigung beauftragt werden. Der Betriebsrat kritisiert den Sparkurs.

Von David Denk

Wie jede Zeitung wird auch der Tagesspiegel nicht nur von Redakteuren vollgeschrieben, sondern auch von Praktikanten und freien Mitarbeitern, die eine strukturelle wie inhaltliche Vielfalt gewährleisten. Diesen Posten spart sich das Berliner Blatt nun vorerst: Bis Jahresende dürfen Nicht-Festangestellte laut Hamburger Abendblatt nur mit Sondergenehmigung der dreiköpfigen Chefredaktion beauftragt werden. Auch Dienstreisen seien gestrichen.

Konkret äußern möchte sich der Tagesspiegel zu dem Zeitungsbericht lieber nicht. Auf Fragen der SZ reagiert man mit einem übersichtlichen Statement, das Kürzungen "bei den Ausgaben für freie Mitarbeiter" bestätigt. Außerdem kündigt der Tagesspiegel "eine Reihe neuer Projekte in Wachstumsfeldern" an, namentlich "Politik, Digitalisierung und alles rund um die Hauptstadt". Demnächst starte ein neues Digital-Produkt sowie neue Seiten im Blatt. "Dafür schichtet er Ressourcen um."

Für Betriebsratschef Alfons Frese ist unstrittig, dass der Verlag wegen eines offenbar massiv eingebrochenen Anzeigengeschäfts sparen muss, einen "kleinen sechsstelligen Betrag" (Frese) allein in der Redaktion. Dieses "Rasenmäher-Prinzip" sei jedoch "Wahnsinn", da es den Anspruch des Blattes gefährde: "So werden wir vom Leit- zum Leichtmedium."

Frese sieht ein "Sparpotenzial bei den Dicknasen" und hätte sich neben moderateren Kostensenkungen von den Redakteuren auf freiwilliger Basis " einen Monat unbezahlten Urlaub" zugunsten der Freien gewünscht. Der Sparkurs treffe die Falschen.

Frese rechnet damit, "dass im neuen Jahr alles wieder in geordneteren Bahnen verläuft". Er führt die Sparvorgabe nicht zuletzt auf "Herbstpanik" zurück, "um das Jahresergebnis 2015 halbwegs zu retten". Die Massivität sei allerdings neu, "und das Signal ist verheerend."