"Tagesschau" verändert Titelmelodie Trara über ta-ta-ta-taaa

Blockbuster-Klänge vor der "Tagesschau"? Nie mehr "Ta-ta, ta ta ta taaa"? Kurz schien es, als solle ein Hollywood-Komponist eine der letzten großen TV-Traditionen einfach ersetzen. Aber: ganz so ist es nun doch nicht.

Von Irene Helmes

Eine neue Titelmelodie für die "Tagesschau"? Nie mehr "Ta-ta, ta ta ta taaa"? Was für eine Nachricht. Mit der vielversprechenden Fanfare nach dem Gong um Punkt 20 Uhr, komponiert von Hans Carste (1909-1971), sind mittlerweile Generationen von Deutschen aufgewachsen. Drum herum wurden Abende geplant. Gespräche wurden abgebrochen, sobald die Melodie aus dem Fernseher schallte, wohl Millionen Kinder, Partner und Freunde schon mit energischem "Scht!" zur Ruhe gerufen. Gibt es jemanden, der sie nicht mitsummen könnte?

Das Studio wurde unzählige Male umgebaut, das Intro aus der Frühzeit des Fernsehens in die Gegenwart geholt. Doch die Melodie selbst blieb. Deshalb sorgt jede Nachricht, die eine Veränderung einer der letzten deutschen TV-Traditionen andeutet, natürlich für erschrecktes Aufhorchen.

"Jetzt entsorgt die ARD nach 56 Jahren die Tagesschau-Melodie! Die neuen Töne kommen aus Hollywood - von Starkomponist Hans Zimmer (54)!", so meldete am Dienstag die Bild-Zeitung.

Zimmer hat 1994 einen Oscar für die Musik zum Kinofilm "Der König der Löwen" gewonnen und wurde acht weitere Male nominiert. "Rain Man", "Thelma & Louise", "Black Hawk Down", "Pearl Harbor", "Gladiator", "Inception", und und und ... : Nun also Blockbuster-Töne für das Flaggschiff der deutschen Nachrichtensendungen? (Eine "erste Version" des neuen Sounds wurde vom Satiremagazin Titanic ins Netz gestellt)

Zitiert wurde in Bild auch ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke: "Am Ende des Jahres bekommen wir ein neues Design in allen seinen Facetten. Da gehört die gesamte Verpackung in Bild und Sound dazu".

Aber dann gleich in Hollywood-Aufmachung? Nun, ganz so dramatisch ist es nicht. Süddeutsche.de konnte am Morgen auf Nachfrage beim zuständigen NDR folgende Stellungnahme von Gniffke ergattern: "Die Sorge um das Ta-ta, ta ta ta taaa ist unbegründet: Wir 'entsorgen' die Melodie nicht, wie die Bild schreibt, sondern überarbeiten sie nur - wie zuletzt in den Jahren 2005, 1997 und 1994. Dabei bleiben natürlich die Grundelemente der 'Tagesschau'-Melodie erhalten, die sie so unverwechselbar machen."

Immerhin, ein bisschen Hollywood gibt es vielleicht doch. Denn, so Gniffkes Statement weiter, "die Überarbeitung soll der Komponist Henning Lohner übernehmen, der für die Firma Remote Control von Oscar-Preisträger Hans Zimmer tätig ist".

Auf einige Neuerungen muss sich der traditionsbewusste "Tagesschau"-Seher in jedem Fall gefasst machen. Denn zum 60. Geburtstag der Sendung entsteht auf dem Gelände des federführenden NDR in Hamburg ein neues Nachrichtenstudio. Das neue Design, "wozu dann auch die angepasste Titelmelodie gehört", solle bis zum Jahresende fertig sein, so Gniffke.

Wir sind gespannt. Aber vor allem ein bisschen erleichtert.