Streit um Film-Synchronisation Ein Mann kämpft für seine Stimme

Wie viel Marcus Off steckt in Jack Sparrow? Die deutsche Stimme des Piratenkapitäns aus "Fluch der Karibik" führt einen Musterprozess gegen die Filmbranche. Er will mehr Geld - und beweisen, dass er der von Johnny Depp gespielten Figur seinen eigenen Stempel aufgedrückt hat.

Von Simon Feldmer

Irgendwie geht es schon bei der Berufsbezeichnung los. Wählt man nun das Wort Synchronsprecher? Oder sollte man doch lieber korrekterweise Synchronschauspieler schreiben, in einem Text, der von zwei Parteien handelt, die sich über den Wert der Synchronisation eines großen Kinoerfolgs streiten?

Während die eine Seite lieber bei der Bezeichnung Sprecher bleibt, wohl, weil da viel Nüchternes und wenig Kreatives mitschwingt, zieht die andere Synchronschauspieler vor. Klingt nach mehr, nach eigener schöpferischer Leistung, nach künstlerischer Interpretation einer Vorlage - aber auch nach dem Anspruch auf eine bessere Entlohnung.

Genau darum dreht sich der Streit, den Marcus Off, 53, seit 2008 mit der deutschen Niederlassung des Hollywood-Studios Disney führt. Marcus Off ist Synchronschauspieler, war in vielen hundert Filmen und Serien auch die deutsche Stimme von Ralph Fiennes, Sean Penn und Michael Sheen. Er sagt: "Synchronisieren ist nun einmal schauspielen, auch wenn man bloß die Stimme hört."

In den ersten drei Teilen des Blockbusters Fluch der Karibik übernahm er den Part von Johnny Depp, der es als Piratenkapitän Jack Sparrow zu weltweiter Bekanntheit und zu Fanforen im Internet gebracht hat. 19,5 Millionen Menschen hörten in deutschen Kinos, wie Marcus Off das angetrunkene Sparrow-Nuscheln Depps interpretierte. Selbst in Disney-Maßstäben war das ein großer Erfolg.

Von den eingespielten Millionen wollte Off dann jedoch etwas mehr als die 9306,14 Euro Honorar plus 8650 Euro für die Synchronisation von DVD-Bonusmaterial und TV-Spots abhaben, die eigentlich vertraglich festgelegt waren. Das ist eine Entlohnung, die bereits deutlich über der gängigen Gage im Synchrongewerbe lag.

Disney hatte für Offs Nachforderung in Höhe von 180.000 Euro wenig Verständnis. Und schon wurde Fluch der Karibik 4 - Fremde Gezeiten ohne Off am Mikrophon synchronisiert, was dann wiederum zu Petitionen und Fanprotesten im Internet führte. Statt im Aufnahmestudio treffen sich die Parteien bald vor dem Bundesgerichtshof (BGH). Off ist jedenfalls fest entschlossen, seine Klage in die höchste Instanz zu tragen. Und das, obwohl er Ende Juni vor dem Kammergericht Berlin verloren hat und die kompletten Gerichtskosten der ersten beiden Instanzen tragen musste.

Jippie-jaja, Schweinebacke!

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