"Es wird ein Hauen und Stechen geben" - In der "Frankfurter Rundschau" macht sich Untergangsstimmung breit. Seit Jahren schmilzt die Tageszeitung dahin wie keine andere in Deutschland. Nun streiken die Redakteure der "FR".
Langsam ist die alte Frau herangetrippelt an die streikenden Redakteure, seit 85 Jahren ist sie schon Frankfurterin, jetzt muss sie etwas fragen. "Ich habe gehört, dass die FR nach Berlin gehen soll?", sagt sie, "ich hab mich so erschrocken!" Sie ist an einen erfahrenen Sportredakteur geraten, kundig im Beschreiben der Frankfurter Eintracht und seit neuestem auch im Beruhigen von Lesern. "Nein", sagt er mit sanfter Stimme, "die Rundschau bleibt noch hier."
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Am Donnerstagmittag streikt fast die ganze Redaktion der Frankfurter Rundschau vor dem Verlagsgebäude. Ein Großteil der Redakteure soll entlassen werden. "Es herrscht Trauer um den Verlust des Ganzen", beschreibt ein Mitarbeiter die Stimmung. (© dapd)
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Das ist immerhin die halbe Wahrheit. Ein großer Teil der 115 Redakteure, mehr als 40, soll entlassen werden. Ein anderer Teil, gut 20, soll nach Berlin umziehen und dort die überregionalen Seiten der FR planen und redigieren. Und ja, ein Teil bleibt in Frankfurt, um über die Region zu berichten; vielleicht auch der Sport-Redakteur. Er weiß es noch nicht. Er hat nächste Woche ein Gespräch bei den Chefs. Am Donnerstagmittag steht er erstmal eine Stunde lang vor dem Verlagsgebäude und streikt, wie fast die ganze Redaktion: "Im Newsroom sitzen nur noch ein paar Chefs."
In Frankfurt waren die harten Sparpläne rasch Stadtgespräch, hängen blieb vor allem der Umzug der Mantelredaktion nach Berlin. Aus dem einst stolzen Blatt werde "ein halber Etikettenschwindel", kommentierte die benachbarte FAZ, eigentlich müsste die Zeitung bald "Berliner Rundschau" heißen. So etwas können sie jetzt gerade noch gebrauchen bei der FR. Seit einer Woche steht die Redaktion unter Schock. "Dass sie uns die ganzen Ressorts wegrasieren, kam in dieser Härte völlig überraschend", erzählt ein Redakteur.
"Die Rundschau muss in Frankfurt bleiben!", steht auf ihren Plakaten. Daneben redet Marcel Bathis, ein stämmiger Mann, der Vorsitzende des Betriebsrats. Er wirft den Gesellschaftern vor, sie würden den Haustarifvertrag "umgehen, verletzen, vergewaltigen". Darin stehe, bis Ende 2012 seien Ausgliederungen und Abspaltungen verboten. "Ich bin nur Drucker, nicht Jurist", sagt Barthis, "aber für mich ist der Geist und Inhalt klar." Er will kämpfen. Er sei schon längst abgehärtet.
Seit Jahren schmilzt die FR dahin, wie keine andere überregionale Tageszeitung in Deutschland. Viel Geld wurde zu ihrer Rettung aufgewendet und "verbrannt", wie ein Redakteur einräumt. Die Sanierung klappte nie richtig. Ihre Redakteure wurden weniger, haben auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet, manche wurden ausgelagert in eine GmbH und praktisch als Leiharbeiter an die FR zurückvermietet. Das Modell soll nun auf einige der bisherigen FR-Redakteure übertragen werden. Neue GmbHs würden entstehen, heißt es in der Redaktion, für die regionale und die digitale Berichterstattung. Wer dahin wechselt, ist kein FR-Redakteur mehr. "Die günstigsten und die billigsten werden genommen", prophezeit Barthis, "die bereit sind, 24 Stunden zu arbeiten."
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ich bin der Auffassung, die FR muss aus der Firma Dumont raus. und die SPD-Leute auch. Und dann sich 'nen neuen Investoren suchen, Und/Oder Genossenschaftsmodell auflegen. Besser unabhängig und Dauerpleite wie die taz (immer noch?) als das. Wer mal die gelegentlichen Kommentare von Dumont in seinen Hausblättern liest, sieht dass der Mann kein großes intellektuelles Kaliber hat, er ist vor allem Geschäftsmann (da ist er gut, das kann man ja anerkennen), solche belanglosen Lokalblätter à la Mitteldeutsche Volkszeitung oder Magdeburger Volksstimme, die sich inhaltlich darauf beschränken die Nachrichtenmeldungen der Agenturen abzutippen, frei von jedem investigativen Anspruch sind, Meinungsteile haben, die auch jeder Amateur schreiben könnte, und die alle Vielfalt sozial/ politisch/kulturell, die es auch lokal gibt, bewusst draußen halten (jeder Baum ist für diese Zeitungen zu schade). Es ist nur schwer vorstellbar, dass jemand wie Dumont für so eine Zeitung wie die FR (wie sie ehedem gewesen ist), wie er, Dumont, behauptet, überhaupt Verständnis haben kann. Und sollte es einen Investorenwechsel geben, dann könnte auch die Qualität wieder verbessert werden.
Vielen Dank für den Hinweis. Wir werden das umgehend korrigieren.
Beste Grüße,
Ihr Moderator
...nicht Barthis, heißt der Mann.
Einerseits hat die Rundschau in den letzten Jahren an 40.000 an Auflage verloren, andererseits hat das Internet viele Anzeigen an sich gezogen. Früher kaufte man freitags ab 12 Uhr die Rundschau, wenn man eine Wohnung oder eine Arbeit suchte. Heute wird durch verschiedene Plattforen 7 Tage 24 h die Möglichkeit geboten, diese zu suchen. Das Anzeigengeschäft hat den größten Deckungsbeitrag gebracht und damit zumindest keinen Verlust. Nachdem die Anzeigen ausblieben, das Blatt, das seit der Übernahme durch NevenDumont immer mehr auch schwarzgelbe Politik Raum eingeräumt. Die linksliberale Richtung wurde teilweise verfehlt, die Linksradikalen haben sich ihr ND bestellt, viele grüne Wähler die taz. Das sozialdemokratische Milieu, das die Rundschau früher groß abboniert hat, stirbt aus. Allein die Umstellung auf Tabloid (Tablöd) hat sehr viele Abos gekostet, aber das hat der Chefredakteur, der künftig FR und BerlinerZeitung leitet, Vorkötter, mit der Brechstange durchgesetzt, obwohl ja dieses Format eher an eine Yellowpress erinnert als an linksliberale hochangesehene Zeitung. Selbst die FAZ weint Krokodilstränen, weil die Meinungsvielfalt in Frankfurt gefährdet ist, weil diese neben der Springerpresse den Markt beherrscht und das Ying und Yang die beiden Zeitungen hochgehalten haben.