Stefan Raab im Interview "Ich kann zurücktreten, aber dann kommt das Militär"

Stefan Raab - seine Karriere in Bildern

Raab krempelte die deutsche TV-Landschaft komplett um: Er schlug sich mit einer Frau, rodelte in einem Wok Berge hinunter und interviewte die Bundeskanzlerin. mehr... Bilder

Stefan Raab gibt nur selten Interviews. Mit uns sprach er 2011 über Kritik an seiner Person, Ruhm, Verträge - und über Feigheit.

Interview: Hans Hoff

Stefan Raab ist medienscheu. Klingt paradox, ist aber so: Sein Privatleben ist für die Öffentlichkeit tabu, nur selten gibt er Interviews. Unser Autor Hans Hoff hat Stefan Raab im Februar 2011 getroffen - kurz vor dem Eurovision Song Contest in Düsseldorf, bei dem Lena Meyer-Landrut am Ende den zehnten Platz belegte. Das Interview zeigt, wie der einstige Fernseh-Innovator tickt - und gibt Hinweise auf seine mögliche Rücktrittsmotivation.

Mittags in Köln-Mülheim. In den leeren Gängen zwischen den Brainpool-Studios wummert ein Bass. Im Bandkeller probt gerade Lena für das Finale von Unser Song für Deutschland an diesem Freitag. Zwei Etagen über ihr sitzt Stefan Raab in seinem Büro. Er lächelt, macht einen aufgeräumten Eindruck, der noch nicht ahnen lässt, dass er nach der siebten Frage seine Stimme auf die Phonstärke einer Uli-Hoeneß-Wutrede anheben und eine knappe Stunde nicht mehr senken wird. Da hatte sich offenbar etwas aufgestaut.

Was sind Ihre persönlichen Highlights von Stefan Raab?

Stefan Raab will künftig nicht mehr vor der Kamera stehen. Ende 2015 soll Schluss sein, verkündet der Entertainer. Wenn Sie an seine insgesamt 22 Jahre bei Viva und Pro Sieben denken, über welche Sendungen, Lieder oder Aktionen können Sie auch heute noch lachen? Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

SZ: Wann, Herr Raab, treten Sie endlich zurück?

Stefan Raab: Wie kommen Sie auf so 'ne Frage?

SZ: Man hört allerorten, Sie seien am Ende.

Raab: Ich kann gerne zurücktreten, aber dann kommt das Militär.

SZ: Das ist doch schon da, Ihr System wird doch nur noch von den Pro-Sieben- und ARD-Schutztruppen am Leben gehalten.

Stefan Raab beendet seine Fernsehkarriere

Nach 16 Jahren TV-Total will Stefan Raab nicht mehr vor der Kamera stehen. Ende 2015 soll Schluss sein, verkündet der Entertainer. mehr ...

Raab: Wer sagt das?

SZ: So klingt das Echo aus dem Medienwald.

Raab: Ist das Ihre persönliche Meinung?

SZ: Das spielt keine Rolle.

Raab: Doch, das spielt eine Rolle. Da sehen Sie, wie groß der Unterschied zwischen der veröffentlichten und der öffentlichen Meinung ist. Ich habe das natürlich wahrgenommen, und ehrlich gesagt wundert es mich, dass der Intellekt mancher Journalisten keine andere Deutung zulässt. Was ist denn passiert?

SZ: Die Show, Unser Song für Deutschland, war langweilig, und die Zuschauerzahlen sind bei der zweiten Ausgabe abgesackt - von 2,56 auf 1,82 Millionen.

Raab: Seit wann interessieren Sie sich denn für die Quoten?

SZ: Wir interessieren uns bei einem Ereignis wie dem Eurovision Song Contest (ESC), der angeblich zwölf Millionen Euro kosten soll und sich an ein Massenpublikum richtet, auch für die Quoten.

Was vom Raab übrig blieb

Das läuft noch? Wirklich? So sehr Stefan Raab ansonsten vor Ideen strotzt: "TV Total" hat sich in 14 Jahren kaum weiterentwickelt. Wie das aussieht und warum es trotzdem noch funktioniert. Eine TV-Wochenkritik. Von Matthias Kohlmaier mehr ...

Raab: Erst mal zum Thema Muba-Raab: Diktatur trifft eher auf die Jahre vor Lena zu. Ich bin doch von der ARD gebeten worden, Ödland aufzuarbeiten. Nach 2004 gab es nur die Auswahl zwischen drei Künstlern. Sie hatten also die Wahl zwischen Pest und Cholera. In dem Jahr vor Lena hatten Sie nicht mal diese Wahl. Da wurde diktatorisch bestimmt: Alex swings, Oscar sings und Dita tanzt. Da haben Sie die Pest, die Cholera und die Syphilis frei Haus bekommen. Dann sind wir hingegangen und haben in dieses System eine Neo-Demokratie eingeführt. Wir haben nicht nur über den Künstler abstimmen lassen, sondern auch über den Song. Das System, was wir jetzt hier betreiben, ist nur die logische Konsequenz. Da müssen Sie sich nur Ihre eigenen Artikel vom vergangenen Jahr durchlesen. Da stand, dass das todlangweilig ist, dass sich das kein Mensch angucken kann. Andere haben geschrieben, dass wir besser als Platz fünf sowieso nicht abschneiden werden. Aber am Schluss wollten alle mit aufs Foto, inklusive der Journalisten.

SZ: Herr Raab ...

Raab: Ich bin noch nicht fertig. Ich habe mit Lena schon Wochen vor dem Sieg zusammengesessen und darüber gesprochen, was sie tut, wenn sie gewinnt. Lena hat dann die Entscheidung getroffen, etwas zu tun, womit keiner rechnet, weil alle nur danach streben, einmal Erfolg zu haben und den Erfolg zu konservieren. Ich habe zu Lena gesagt: Wenn das nicht der Höhepunkt deiner Karriere gewesen sein soll, dann müssen wir noch mal antreten und entweder den eigenen Erfolg durch eine haushohe Niederlage pulverisieren oder wir gewinnen noch mal und pulverisieren den ersten Erfolg durch den zweiten. Ich verstehe Leute nicht, die sagen: Man solle aufhören, wenn es am schönsten ist. Man mache sich den eigenen Ruhm kaputt. Was ist das denn für ein Schwachsinn? Das zeigt aber, worauf die aus sind: auf Ruhm. Ruhm bringt aber im Leben nichts. Ruhm ist so kurzatmig, dass auf der Aftershowparty des Deutschen Fernsehpreises die Hälfte der Leute nicht mehr weiß, wer einen Preis bekommen hat.