Von Antje Hildebrandt

Informant gesucht: Wer hat die Alkoholfahrt von Margot Käßmann an die Öffentlichkeit gebracht? Nun sind bei der Staatsanwaltschaft Anzeigen eingegangen.

Die Berichte der Springer-Zeitung Bild über die Alkoholfahrt der ehemaligen EKD-Vorsitzenden Margot Käßmann haben womöglich ein juristisches Nachspiel. Bei der Staatsanwaltschaft Hannover sind vier Strafanzeigen wegen Geheimnisverrats eingegangen. Gerichtet sind sie gegen unbekannt.

Margot Käßmann, Foto: dpa

Bild-Story mit Promillewerten der Blutprobe der ehemaligen EKD-Vorsitzenden Margot Käßmann: Woher stammen die Informationen? (© Foto: dpa)

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Adressaten sind aber zumindest in einem Fall die Hannoveraner Polizei und Bild: Ein Hannoveraner Anwalt wirft den Polizeibeamten vor, sie hätten dem Blatt vertrauliche Informationen über den Vorfall gesteckt - angeblich gegen Geld. Damit hätten sie sich einer Verletzung des Dienstgeheimnisses, beziehungsweise der Beihilfe dazu schuldig gemacht.

Bild hatte im Februar die Berichterstattung über Käßmanns Fehltritt losgetreten. Drei Tage nach dem Vorfall titelte die Zeitung: "Polizei stoppte Bischöfin, als sie bei Rot über die Ampel fuhr"; auch den Atem-Alkoholwert von 1,3 Promille teilte die Zeitung mit. Bild berichtete dabei sachlich.

"Ein Jammer", sagt Rechtsanwalt Godehard Schreiber, 73, von dem die Anzeigen gegen Bild und Polizei stammen.

Er kenne Käßmann nicht persönlich. Als Verfassungsrechtler gehe es ihm um "die Rechte eines Beschuldigten während eines laufenden Strafverfahrens". Die seien verletzt worden; auch dadurch, dass die Staatsanwaltschaft nach der ersten Bild-Story den Wert der Blutprobe, 1,54 Promille, an die Medien gegeben hatte.

Gelassenheit bei Springer

Der Polizeipräsident von Hannover wollte sich nicht äußern, räumt aber ein, dass es viele E-Mails erboster Bürger gegeben habe.

Ein Sprecher des Niedersächsischen Innenministeriums teilte mit, Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sei schon einen Tag nach dem Vorfall vom Polizeipräsidenten informiert worden. Die Daten seien aber, wie üblich, anonymisiert gespeichert worden. Es sei nicht auszuschließen, dass Bild den Tipp von Passanten bekommen haben, die Zeugen wurden, wie die Polizei Käßmann in ihrem Wagen stoppte.

Was auf die Anzeigen folgt, ist offen. Um dem Vorwurf vorzubeugen, es mangele ihr an Objektivität, hat die Staatsanwaltschaft Hannover den Fall an die Staatsanwaltschaft Lüneburg abgegeben. Dort prüft man noch, ob die Anhaltspunkte für Ermittlungen ausreichen.

Im Springer-Verlag sieht man das Ganze gelassen. "Nach unserem Wissen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen unbekannt und nicht gegen Bild", sagt Sprecher Tobias Fröhlich. Sollte sich das ändern, würde die Zeitung ihre Informanten "selbstverständlich schützen".

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(SZ vom 12.03.2010/berr)