Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga Samstag ohne "Sportschau" möglich

Die DFL vergibt die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga neu. Das könnte dazu führen, dass die Bundesliga-"Sportschau" am Samstag durch eine Web-Sendung ersetzt wird. Fußball im Free-TV gäbe es dann erst nach 22 Uhr.

Von Christopher Keil

Es war eine komplizierte Fernsehrechtevergabe, die der Deutschen Fußball-Liga (DFL) im November 2008 am Ende 1,65 Milliarden Euro für den Zeitraum 2009 bis 2013 brachte. Ein exklusives Vermarktungsmodell mit einer Leo Kirch nahe stehenden Firma - drei Milliarden Euro für sechs Vertragsjahre - scheiterte am Veto des Bundeskartellamtes.

Der damalige Präsident der Behörde, Bernhard Heitzer, legte im Sommer vor drei Jahren fest, dass Zusammenfassungen der Spiele samstags im frei empfänglichen TV zeitnah zum Schlusspfiff gezeigt werden müssen - also vor 20 Uhr. Kirchs Leute und die DFL wollten mit einem alternativen Wettbewerbsmodell handeln: zeitnahe Highlight-Berichte im Pay TV - Free-TV-Sendungen zum Bundesligaspieltag nicht vor 22 Uhr.

Demnächst kann es genau dazu kommen. Heitzers Nachfolger Andreas Mundt lässt zu, dass die DFL mit zwei Szenarien in die anstehende Auktion für die Jahre nach 2013 gehen kann. Anfang März hatte das Bundeskartellamt Fragebögen an Vereine und Sender verschickt. Die Analyse der Antworten und eingereichten Verwertungskonzepte ergab, dass die Gruppenvermarktung der Bundesliga "freistellungsfähig" ist und wie zuvor genehmigt wird. Außerdem kann die DFL mit konkurrierenden Angebotspaketen arbeiten, sofern diese diskriminierungsfrei und transparent sind.

Ein Paket würde (wie bisher) eine Ausstrahlung im Free TV vor 20 Uhr ins Zentrum stellen, das andere eine exklusive Lösung mit einer frühen Highlight-Verwertung im Internet und auf mobilen Endgeräten (Netcast2). Das könnte dazu führen, dass die Bundesliga-Sportschau am Samstag durch eine Art Web-"Sportschau" ersetzt wird. Auf jeden Fall signalisieren die DFL-Manager den Intendanten der öffentlich-rechtlichen Sender, dass ARD und ZDF sich auch künftig finanziell verausgaben müssen, um im Geschäft mit dem Bundesligafußball zu bleiben.

Geschätzte 100 Millionen Euro zahlt das Erste gegenwärtig jährlich, um die Partien samstags wie sonntags im Programm zu haben. Das ZDF legt circa 25 Millionen dazu und präsentiert "Das Spiel der Woche"- Anpfiff 18.30 Uhr - als Erster im frei empfänglichen Fernsehen: aber erst nach 22 Uhr.

"Wir werden die Hinweise des Bundeskartellamtes umsetzen und im Sinne aller Marktteilnehmer eine transparente und diskriminierungsfreie Ausschreibung durchführen", erklärte DFL-Präsident Reinhard Rauball an diesem Montag. Dabei gehe es "keineswegs darum, bestimmte Sendungen abzuschaffen". Ziel sei es, den verschiedenen Rechte-Nachfragern "mit ihren Geschäftsmodellen und Vertriebswegen faire Chancen einzuräumen".

Nach interner DFL-Planung soll der neue TV-Rechte-Vertrag im Herbst 2012 geschlossen werden. Derzeit sind außer ARD und ZDF noch die Telekom (Internet-TV), Sky (Pay-, Web-TV) sowie Sport 1 (Zusammenfassungen) Partner der DFL. Die Manager des Profifußballs erwarten offenbar, dass es um die Web-TV-Rechte ein Wettbieten gibt, da auch Verlage wie Springer daran interessiert sein könnten.

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