"Spiegel"-Personalien Dicke Luft

Nikolaus Blome, Ex-Vize-Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, soll angeblich schon ab Mitte Oktober das "Spiegel"-Hauptstadtbüro leiten. Konstantin von Hammerstein, der jetzige Büroleiter, wehrt sich am Freitag vor Gericht gegen eine vorzeitige Ablösung.

Von Johannes Boie und Claudia Fromme

Im Saal 216 des Arbeitsgerichts Berlin wurde schon einiges verhandelt. Es ging dort um sittenwidrige Wucherlöhne in Bibliotheken, geschasste Hausverwalter illustrer Kiezanwälte, und immer wieder finden sich auch Journalisten auf der Klägerseite.

An diesem Freitag geht es um 11.15 Uhr um einen speziellen Fall. Unter dem Aktenzeichen 6 Ga 14003/13 tritt dort Konstantin von Hammerstein gegen den Spiegel-Verlag an, wie das Gericht bestätigt. Der derzeitige Leiter des Hauptstadtbüros des Spiegel geht darin gegen seine vorzeitige Abberufung vor. Sein Nachfolger Nikolaus Blome soll dem Vernehmen nach statt am 1. Dezember bereits Mitte Oktober starten.

Es ist nun nicht ungewöhnlich, dass neue Führungskräfte ihre Posten früher beziehen als angekündigt, die Umstände in diesem Fall sind es gleichwohl schon.

Eigentlich wollte Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner den ehemaligen Bild-Mann Blome am Mittwoch vorstellen. Angekündigt war ein Ortstermin in der Berliner RV, wie die Redaktionsvertretungen beim Spiegel heißen. "Liebe Berliner Kolleginnen und Kollegen, Herr Büchner lädt Sie für morgen Mittwoch, den 25.9. um 11:00 h in den Konferenzraum der RV ein, um den zukünftigen Leiter des Hauptstadtbüros Nikolaus Blome vorzustellen", so stand es in der Mail, die Büchners Assistentin aus Hamburg an die Berliner Kollegen schickte. Doch einen Tag später, um 9.05 Uhr, schickte eine andere Assistentin die Absage: "Liebe Berliner Kolleginnen und Kollegen, aus terminlichen Gründen müssen wir die heutige Konferenz mit Herrn Büchner und Herrn Blome um 11:00 h im Konferenzraum der RV absagen."

Die Kolleginnen und Kollegen in Berlin wunderten sich. Was könnte wichtiger sein, als die Vorstellung des neuen Chefs?

Keinen Grund für neuen Termin

Hinter der plötzlichen Absage verbirgt sich eine einstweilige Verfügung. Die wurde von Konstantin von Hammerstein im Eilverfahren vor dem Berliner Arbeitsgericht erwirkt, und besagt sinngemäß, dass Chefredakteur Büchner nicht, wie es für Mittwoch geplant war, verkünden dürfe, Hammerstein werde vor dem 1. Dezember abgelöst. Grundlage ist eine Pressemitteilung des Spiegel zur Personalie Blome vom 21. August, in welcher der 1. Dezember als dessen Starttermin bekannt gegeben wird.

An diesem Freitag will Hammerstein nun vor Gericht erreichen, dass er sein Eckbüro mit Blick auf das Brandenburger Tor nicht vorzeitig räumen muss. Dabei, so hört man in Berlin, gehe es vor allem darum, dass Hammerstein, der seit 1998 beim Spiegel arbeitet, bislang zwar von seiner früheren Abberufung weiß, aber nicht, wie es danach weitergehen soll. Dass er nun als Autor beim Spiegel wirken soll, hatte der Verlag bekannt gegeben, mehr weiß Hammerstein selbst angeblich nicht.

Blome jedenfalls hat seinen letzten Tag bei Bild schon gefeiert, dort war er Stellvertreter des Chefredakteurs und Leiter des Hauptstadtbüros. Beim Spiegel, heißt es in Berlin, ist klar, dass Blome gerne früher anfangen würde. Wohl auch, um die teilweise Feindseligkeit, die ihm als Bild-Mann vor allem in der Hamburger Redaktion entgegenschlägt, abwehren zu können.

Die Vorgänge in Berlin möchte Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner nicht kommentieren. "Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu möglichen Auseinandersetzungen im eigenen Haus", sagte er am Donnerstag. Was den Starttermin des neuen Leiters des Hauptstadtbüros angehe, sei man "in guten und konstruktiven Gesprächen" mit Nikolaus Blome. Dass dieser angeblich am 15. Oktober seine Aufgabe beim Spiegel übernimmt, bestätigte Büchner nicht: "Wir haben einen Termin mitgeteilt, und es gibt keinen Grund, einen neuen zu nennen."