"Sommerhaus der Stars" "Wir sind im Psychohaus" - "Ich kotz gleich"

Erniedrigende Challenges gilt es auch für die Stars aus dem Sommerhaus zu bewältigen.

(Foto: RTL)

Wahnsinn, Missgunst und Sex: Mit dem "Sommerhaus der Stars" und "Promi Big Brother" verhandelt das Fernsehen die großen Themen der Menschheit wie auf der Theaterbühne - nur trashig und ohne Blut.

Von Hans Hoff

Reist man derzeit durch die Lande der Kultur, stößt man vielfach auf Festspiele, bei denen auf der Bühne die großen Themen der Menschheit verhandelt werden. Wahnsinn, Neid, Missgunst, grundlos überbordende Egos und die Unterstellung mangelnder sexueller Leistungskraft des Feindes gehören dort zum Repertoire. Das schaut man gerne an und freut sich hernach über das ganze Theater.

Nun finden diese Festspiele eher selten ihren Weg ins Fernsehen, weshalb der Zuschauer zu Hause aber keineswegs auf die Verhandlung der entscheidenden Themen verzichten muss. Schließlich haben die großen privaten Sender die Marktlücke erkannt und bieten all das - natürlich nicht so fein ziseliert.

Die ganz großen Themen werden behandelt: Wer hat mehr Sex als die anderen?

"Wir sind im Psychohaus. Kann das sein?" Das fragt jemand im Sommerhaus der Stars, das RTL gerade immer mittwochs zur Aufführung bringt und dabei natürlich mit branchenüblicher Flunkerei agiert. Sommer stimmt, Haus stimmt, aber Stars sind sie alle nicht, die da in einer portugiesischen Ferienvilla kaserniert wurden und nun vor allgegenwärtigen Kameras ihre vom Sender befeuerten Konflikte austragen müssen.

Verboten guter Auftritt

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"Erzieh du deinen Mund!" Auch das ist so ein Spruch aus dem Sommerhaus. Er ordnet sich ein hinter "Ich kotz gleich". Das muss sein, denn natürlich sollen in diesem wahlweise als trashige Familienaufstellung oder als Intrigantenstadl konzipierten Showformat die ganz großen Themen verhandelt werden, also: Wer hat mehr Sex als die anderen, und wessen Lunte ist so kurz, dass sie den Träger ratzfatz zur Explosion bringt.

Man kann das sehr schön demonstrieren an einem muskulösen Mann namens Aurelio, der gerne von sich in der dritten Person ("der Mann Aurelio") spricht. Der ist eine beeindruckende Erscheinung - groß, imposant und natürlich reichlich tätowiert. Er schwitzt nicht, nein, er transpiriert in jeder Sekunde Stärke. Doch dieser Baum von einem Kerl mutiert in der Show in Windeseile zum wimmernden Würmchen, als er mitbekommt, dass sich seine Freundin auf der Terrasse mit einem anderen Insassen unterhalten hat und dabei, völlig unverfänglich übrigens, das Wörtchen Sex gefallen ist. Da rastet der Mann Aurelio komplett aus, starrt in die Gegend, als wolle er mit seinem Blick Kolibris töten. Ein Kindchen gefangen im Körper eines Riesen. Selten noch hat man die Dekonstruktion eines überkommenen Männerbildes genussvoller betrachten können als bei dieser Show.