Slomka vs. Gabriel Kommt mal runter

Ausgebuffte Profis unter Stress: Gabriel und Slomka

Für manche ist es der TV-Streit des Jahres. Das öffentliche Kabbeln zwischen ZDF-Frau Slomka und SPD-Mann Gabriel. Und dann mischte sich auch noch der CSU-Chef ein. Nun, man kann sich darüber aufregen. Oder es auch sein lassen.

Ein Zwischenruf von Stefan Braun, Berlin

Aber ja: Man kann sich jetzt wieder so richtig aufregen in Berlin. Man kann sich darüber aufregen, dass eine Moderatorin des ZDF den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel wieder und wieder mit ähnlichen Fragen konfrontiert hat, obwohl Gabriel ihre Fragen nach Frage zwei oder drei schon beantwortet hatte. Man kann sich gleichzeitig darüber aufregen, dass der SPD-Vorsitzende nicht ruhig und freundlich geblieben ist, sondern zu einem verbalen Raufbold mutierte.

Und man kann sich darüber aufregen, dass sich der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer anschließend via SMS beim ZDF über die Moderatorin und ihren Umgang mit dem Parteichef beschwerte. Ja, man kann sich über all das aufregen. Aber man muss nicht.

Denn das Beschriebene zeigt eigentlich nur, dass auch ausgebuffte Profis unter Stress manchmal ziemlich unperfekt sind. Und es führt dazu, dass man den drei Genannten mehr Gelassenheit und weniger Rollenreflexe wünschen würde.

Die Moderatorin Marietta Slomka hat berechtigte Fragen gestellt. Sie hat das hartnäckig getan, sie ist nicht unhöflich geworden. Und trotzdem wäre es noch viel besser gewesen, wenn sie nach der dritten, spätestens vierten Frage akzeptiert hätte, dass Gabriel da schon alles, was er sagen wollte, gesagt hat. Sie hat ihn mit der Kritik am Mitgliederentscheid konfrontiert. Er hatte darauf geantwortet. Es wäre elegant gewesen, es dabei bewenden zu lassen.

Straßenkicker mit Ellbogen

Sigmar Gabriel, dem SPD-Vorsitzenden, hätte es gut angestanden, den Raufbold, der bekanntlich in ihm steckt, einfach stecken zu lassen. Seit Wochen, ja Monaten, vielleicht gar seit Jahren ringt er darum, das Image des Hallodris und schnell schießenden Cowboys loszuwerden. Er mühte sich um mehr Seriosität und weniger Sprunghaftigkeit. Er wollte auf angenehme Weise solide erscheinen - und hat sich hinreißen lassen, doch wieder wie ein Straßenkicker die Ellbogen auszufahren.

Seinen eigenen Leuten dürfte das gefallen haben. Aber von Blödsinn und Quatsch zu reden, statt ruhig zu bleiben - das passt nur zum ehemaligen Jungpolitiker und Pop-Beauftragten, es passt nicht zu einem, der bald Vizekanzler, guter Minister, SPD-Vorsitzender und irgendwann vielleicht auch noch mal Kanzler sein möchte.

Und Horst Seehofer? Der soll und kann so viele SMS und Briefe an das ZDF schreiben, wie er möchte (der angekündigte war Sonntagnachmittag noch immer nicht eingetroffen). Aber er sollte nicht damit rechnen, dass ihm das irgendwas bringen könnte. Es klingt nach politischer Einflussnahme, was hoffentlich allein auf ihn zurückfällt. Und es klingt, das ist peinlich, nach ein bisschen Rache.

Das letzte Mal nämlich, als sich die CSU und das ZDF stritten, endete das Ganze mit dem Rücktritt des CSU-Parteisprechers. Seehofers SMS, das kann man so festhalten, ist in einer Rangfolge der hier beschriebenen Unnötigkeiten mit Sicherheit das Unnötigste gewesen.

Aus diesem Grund sollte das ZDF einfach weitermachen und allenfalls intern mal beratschlagen, wann der beste Zeitpunkt gekommen ist, um ein Streitgespräch zu beenden. Und das allein, um am Ende noch ein wenig besser zu werden. Horst Seehofer wiederum wird weiter allein das machen, was er für richtig hält. Ihn werden wohl erst die Wähler oder miserable persönliche Umfragen stoppen. Fast wäre man geneigt, ein "leider" hinzuzufügen.

Und Sigmar Gabriel? Er muss ein bisschen auf sich aufpassen. Der Konflikt wird ihm kurzfristig in der SPD viel helfen und wenig schaden. Darüber aber sollte er nicht vergessen, dass solch aggressive Auftritte sein Image bei allen Nicht-SPDlern langfristig anders prägen (können).