"Shitstorm" gegen ProSieben-Magazin Zu viele Patzer bei "Galileo"

Es geht um die größte Bulette und Fakten zur Selbstbefriedigung. Die ProSieben-Sendung "Galileo" nennt sich "Wissensmagazin", doch erntet mit dieser Selbsteinschätzung inzwischen Widerspruch. Auf der Facebookseite der Sendung holte ein Zuschauer zum Rundumschlag aus - und entfachte eine hitzige Debatte.

Von Katharina Mittelstaedt

Klänge einer Maultrommel, rhythmische Laute, Kameraschwenk über eine Großstadt. "Stellen Sie sich vor, sie sind auf einem fremden Kontinent", sagt eine dunkle Männerstimme aus dem Off - "in einem gefährlichen Land". Beim Wort gefährlich lässt sie das "r" rollen. Kurzer Schauder. Der Fernsehbeitrag entführt den Zuschauer in Kolumbiens Hauptstadt. Dass sie Bogotá heißt, wird vorerst nicht erwähnt, dafür, was einen hier erwartet: Grüne Felsblöcke, Käseschokolade, "Schnaps aus Spucke" und ein deutscher Bierbrauer, der von den Kolumbianern verehrt wird.

Die Sendung des ProSieben-Magazins "Galileo" ist ansprechend und handwerklich gut gemacht. Das Problem? Inhaltliche Fehler. Die fangen schon bei den Grundlagen an, der Geographie. Der Beitrag beginnt mit einer Straßenumfrage in Deutschland. Wo denn Kolumbien nun liege? Ratlosigkeit. Dann die Aufklärung durch eine Grafik: Das Land grenze an das karibische Meer und im Westen an den atlantischen Ozean. Tatsächlich liegt Kolumbien im Nordwesten Südamerikas und grenzt im Westen an den Pazifik. Bei der Online-Version der Sendung wurde der Patzer nachträglich ausgebessert.

Bereits in der Vergangenheit fiel "Galileo" immer wieder durch falsche Tatsachenbehauptungen auf. Im Jahr 2010 wurde im Zuge des "Grundschulwissenstest" beispielsweise erklärt, dass die Nadel eines Kompasses auf die "riesigen Eisenvorkommen" am Nordpol reagieren werde, "sofern sie magnetisch ist".

Es wurde auch schon behauptet, dass der Mond ein Planet sei, man CDs nur von innen nach außen säubern dürfte, um eine Verschiebung der Daten zu vermeiden und dass die Farbe des Hühnereis auf das Gefieder des brütenden Huhns zurückzuführen sei. Doch so peinlich diese Fehler sind, das eigentliche Problem liegt woanders. Es geht um die Frage, was Galileo eigentlich sein soll: Geht es hier um Wissen oder um als Wissen verpackten Mumpitz? Darüber wird, jetzt, fünf Monate nach der Pazifik-Atlantik-Verwechslung, auf Facebook heftig gestritten.

Auslöser des Streits war ein Hamburger Schüler, der seiner Wut über die Sendung auf der offiziellen Facebook-Fanseite von "Galileo" freien Lauf ließ und damit den Nerv der Zuschauer traf - er löste einen Shitstorm aus. In seinem rüden und im Ton inakzeptablen Rundumschlag ("man sollte euch wegen organisierter Verdummung einlochen") beklagte er sich über die schlechte Recherche und falsche Fakten. Damit stieß er bei fast 100.000 Facebook-Usern auf Zustimmung - sie alle drückten den "Gefällt mir"-Button.

"Galileo" wird seit 1998 im Vorabendprogramm von ProSieben ausgestrahlt und gilt intern offenbar als Bildungs-Flaggschiff. In einem Folder schreibt die Redaktion der mittlerweile täglich gezeigten Sendung über sich selbst: "Dank 'Galileo' gilt ProSieben als der Sender mit der größten Wissenskompetenz."