Sexismus-Debatte WDR stellt Mitarbeiter frei

Welche neuen Beschuldigungen werden erhoben und auf welche Zeit gehen sie zurück? Dazu wollte sich der WDR am Sonntag nicht äußern.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Bereits Anfang 2017 gab es eine WDR-interne Untersuchung gegen einen TV-Korrespondenten wegen Belästigungsvorwürfen.
  • Diese blieb damals weitgehend folgenlos.
  • Jetzt wurde der Mann nach neuen Vorwürfen freigestellt.
Von Ulrike Schuster und Claudia Tieschky

Der WDR hat einen TV-Korrespondenten nach neuen Belästigungsvorwürfen freigestellt. Eine Sendersprecherin bestätigte am Sonntag einen entsprechenden Bericht der Bild am Sonntag. Details zu dem Fall wollte sie nicht nennen. Nach SZ-Informationen handelt es sich bei dem freigestellten Mitarbeiter um denselben Journalisten, der bereits Anfang 2017 im Mittelpunkt einer WDR-internen Untersuchung wegen Vorwürfen sexueller Belästigung stand; darüber hatten in der vergangenen Woche der Stern und das Recherchezentrum Correctiv berichtet.

Die Untersuchung, in die damals unter anderem die WDR-Chefredakteurin Fernsehen, Sonia Mikich, eingeschaltet war, blieb für den Mann, dessen Namen der WDR bislang nicht nennt, weitgehend folgenlos. Er erhielt einen Eintrag in die Personalakte, aber keine Abmahnung. Welche neuen Beschuldigungen nun erhoben werden, auf welche Zeit sie zurückgehen und ob der TV-Mann die Vorwürfe zurückweist oder nicht, dazu wollte sich der WDR am Sonntag ebenfalls nicht äußern.

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Mikich hatte das bisherige Vorgehen gegen Kritik verteidigt; enttäuscht über den Ausgang der internen Untersuchung äußerte sich die frühere Praktikantin, die den Fall von 2012 fünf Jahre später an die WDR-Chefredakteurin herantrug. Der Korrespondent soll sie damals während einer Dienstreise ins Hotelzimmer eingeladen und ihr zum Champagner einen Pornofilm gezeigt haben. Dem Bericht zufolge habe er einer anderen Kollegin per Mail sexuelle Avancen gemacht. Möglicherweise reicht derartiges Verhalten aber auch noch weiter zurück: Bereits 1991 hatte die Bild am Sonntag berichtet, dass der Mann während einer Dienstreise nach Ostdeutschland eine junge Kollegin gedrängt haben, in seinem Zimmer zu übernachten. Angeblich - so seine Begründung damals - sei kein weiteres Zimmer im Hotel frei gewesen. Außerdem müsse der Sender sparen.

Der WDR äußerte sich dazu bislang nur allgemein: In den vergangenen zehn Jahren seien sieben Fälle sexueller Belästigung aktenkundig geworden. Sie seien "konsequent arbeitsrechtlich verfolgt - mit dem Maximum an rechtlichen und disziplinarischen Möglichkeiten". So sieht es auch die Chefredakteurin im Fall des betreffenden Korrespondenten. "Das war nicht nur eine Aktennotiz. Das Verhalten des betreffenden Kollegen hatte Konsequenzen und hat nach wie vor welche", sagte Mikich vergangene Woche bei Spiegel Online. Sie habe ihre Erkenntnisse 2017 dem internen Interventionsausschuss übergeben; dass die Personalratsvorsitzende aus diesem Ausschuss nun wegen mangelnder Handlungsspielräume zurückgetreten ist, nannte Mikich "traurig". Das wichtige Team werde dadurch womöglich "gerade jetzt" geschwächt. Der Ausschuss dürfte den Fall dieses Korrespondenten nun jedenfalls neu aufrollen.

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