Sexismus "Attraktive Lady"

Es sollte in dem Beitrag, der Ende Februar verbreitet wurde, darum gehen, wie sich junge Menschen für Politik interessieren. Dabei zu sehen: Nahaufnahmen von Dekolleté und Gesäß einer jungen CDU-Mitarbeiteirn. Die Aufsicht rügte jetzt SKB TV aus Brandenburg.

Von HANS HOFF

Einen großen Moment hatte SKB TV, das Stadtfernsehen Brandenburg, im Juni 2012. Da filmte SKB-Chefredakteur Gerd Glaser einen Rentner, der in der örtlichen Schlecker-Filiale alle verfügbaren Klopapier-Bestände aufkaufte. Prompt ging der als "Schlecker-Opa aus Brandenburg" apostrophierte Konsument viral. "Ganz Deutschland sprach über diesen SKB-Beitrag", rühmt sich die Lokalstation und listet auf, wo das Filmchen überall Beachtung fand: Bei RTL, Focus, Sat 1, beim RBB und bei Galileo Big Pictures. Etwa 4,5 Millionen TV-Konsumenten habe das Stück erreicht, was die Macher von SKB TV als Beleg werten, dass man auch mit kleinem Fernsehen Aufsehen erregen kann.

Viel Aufsehen hat SKB TV nun wieder erregt, allerdings nicht unbedingt im gewünschten Sinne. Anfang der Woche hat sich der Sender nämlich eine Rüge des Medienrats der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) eingefangen. Die Aufsichtsbehörde hat einen - laut SKB TV nur über Facebook - verbreiteten Beitrag über eine Mitarbeiterin im Brandenburger Landtag gerügt. "Der Beitrag enthielt eine sexualisierte Darstellung einer Landtagsmitarbeiterin insbesondere durch Kameraschwenks auf und Nahaufnahmen von Gesäß und Dekolleté der Mitarbeiterin", heißt es in der entsprechenden Mitteilung.

Hintergrund der Rüge ist ein Porträt, das Ende Februar lief und inzwischen von allen Plattformen gelöscht wurde. Es befasste sich mit einer 19-jährigen Mitarbeiterin des CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Gliese. In dem Beitrag sollte darüber berichtet werden, wie sich junge Menschen für Politik interessieren und engagieren. Die anzügliche Art, wie die junge Mitarbeiterin ins Bild gesetzt und als "diese attraktive Lady" vorgestellt wurde, erreichte über einen Bericht der Potsdamer Neuesten Nachrichten auch die mabb. Dort forderte man den Beitrag an, prüfte ihn und kritisiert nun "die weitgehend undifferenzierte Darstellung von - männlichen wie weiblichen - Geschlechterklischees und Rollenbildern, die nicht den üblichen journalistischen Standards entspreche." SKB möge zukünftig eine formal wie inhaltlich angemessene und diskriminierungsfreie Berichterstattung sicherstellen, forderte man weiter.

"Sowohl meine im Video-Beitrag porträtierte Mitarbeiterin als auch ich distanzieren uns in aller Form von dem Beitrag", teilte der Abgeordnete Gliese mit. SKB TV wollte auf Anfrage keine Stellung beziehen. Pikant ist der Fall auch, weil die mabb traditionell Stadtsender finanziell fördert. Auch SKB TV habe Zuwendungen erhalten, heißt es. Diese ergäben sich insbesondere aus einer kontinuierlichen Förderung, die Lokal-TV-Veranstaltern die Verbreitung über Satellit ermögliche. Es handele sich dabei um eine Summe im niedrigen fünfstelligen Bereich.