Wenn, wie eingangs erwähnt, die Gesellschaft die Wahrheitsfindung abseits der Nachrichtensimulation tatsächlich als Aufgabe für den Journalismus ansieht, ist die Verantwortung für eine funktionierende, professionelle Medienlandschaft umso größer und muss deshalb noch bedingungsloser angegangen werden. Sollte es tatsächlich Journalisten geben, die glauben, sie könnten bis zur Rente schon irgendwie ohne Internet und Social Media zurechtkommen, erfüllen sie diese Aufgabe nicht.

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Ebenso wenig wie diejenigen Medienverwalter, die Qualität herbeisparen wollen und sich auf einem sinkenden Schiff gegenseitig versichern, dass es sich immerhin noch bewege und die Kommandobrücke ja noch immer trocken sei. Der Anfang des 21. Jahrhunderts ist vermutlich der ungünstigste Zeitpunkt der Geschichte, um als unflexibler Journalist durch die Welt zu spazieren.

Zwischenfazit

Ein Fazit in der Sache "Zukunft des Journalismus" kann derzeit nur ein Zwischenfazit sein - und bei aller Sorgfalt auch eines, das zum Großteil auf Prognosen, Vermutungen, und eigenen Erfahrungswerten aufgebaut ist. Insofern beinhaltet das Fazit hier weniger konkrete Vorschläge als vielmehr eine persönliche Einschätzung, verbunden mit einer Aufforderung: Die Gesellschaft braucht professionellen Journalismus dringender als je zuvor, weil die Flut der Informationen den Bedarf an Einordnung, Sortierung und Bewertung der Fakten und ihrer Zusammenhänge exponentiell erhöht.

Soziale Medien können und müssen eine Ergänzung und Bereicherung für den Journalismus sein - aber kein Ersatz. Die Lösung kann nicht darin liegen, anderen Mitspielern des Medienmarktes möglichst große Barrieren in den Weg zu legen. Sondern nur darin, neue Gebiete des Journalismus zu erschließen und Modelle zu finden, diesen Prozess zu refinanzieren. Dass sich das leichter schreibt, als es sich umsetzen lässt, ist jedem klar. Es aber deshalb nicht zu versuchen und darauf zu hoffen, dass alles vom Werbemarkt bis zu den Zeitungsabonnements wieder so wird wie früher, wäre für den zukünftigen Journalismus gleichbedeutend mit der Schockstarre des Rehs im Scheinwerferlicht.

Sascha Lobo, Jahrgang 1975, ist Autor und Strategieberater mit den Schwerpunkten Internet und Markenkommunikation.

Im Herbst 2010 erscheint das Buch "Wozu noch Journalismus? Wie das Internet einen Beruf verändert" im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht.

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(sueddeutsche.de/berr/cat)