Das iPad macht Schluss mit dem pseudo-effizienten Mausklicken durch die Untermenüs unserer Personal Computer. Es ermöglicht uns wieder das explorative Wühlen in Inhalten mit unseren Händen und Fingern - so wie wir es aus den Spielzeugkisten unserer Kindheit kannten und liebten. Wie oft haben unsere Kinder verzweifelt auf Computer- und Laptopbildschirmen herumgetippt und sich gewundert, dass dort nichts passiert. Das iPad verstehen sie sofort. Alleine das verschafft diesen neuen Computern einen sicheren Platz in der Kommunikationsgeschichte.
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Die neuen Multitouch-Geräte könnten Journalismus also plötzlich - neben vielen anderen Reizen - zu einer großen Sache machen. Vielleicht zu einer größeren Sache als es der Journalismus jemals war. Wer schon einmal eine Ausgabe von Magazinen wie Time für das iPad erleben konnte, wird schlicht fasziniert sein. Zwar hat das Gerät noch ein gravierendes Problem, das man nicht ignorieren darf. Während das iPhone wie ein Stück Seife war, das einem gerne aus den Händen glitt, verschafft das iPad durch zu langes und festes Halten einen Handkrampf, der zu einer neuen Form des Tennisarms führen könnten: Der iPad-Arm wäre eine Gefahr für das Produkt.
Journalismus als einziges Differenzierungsmerkmal der Verlage
Doch inhaltlich bietet das Gerät gigantische neue Möglichkeiten für Fotografen, Graphiker, Journalisten, Werber - und am Ende auch für das Publikum. Es ist die intuitive Steuerung, mal per Fingerstreich, mal durch Tippen, mal durch Drehen, mal durch Schütteln, die eine neue Architektur des Journalismus hervorbringt. Sie macht die Inhalte auch sinnlicher, unmittelbarer. Verlage werden mit diesem Journalismus und mit vielen neuen Diensten (endlich) mehr Geld verlangen können. Und die Menschen werden bereit sein, Geld dafür zu zahlen.
Es ist leicht vorstellbar, dass Journalismus schon bald, in zehn bis fünfzehn Jahren, zum einzigen Differenzierungsmerkmal der Verlage wird. Dann geht es nicht mehr um Papier, um Druck, um Vertrieb. Dann geht es darum, wessen Inhalte am besten reflektieren und Tiefe aufweisen. Gnadenlos könnte der Wettbewerb werden zwischen jenen, die sich totgespart haben oder an der Langeweile in ihren Redaktion ersticken und denen, die einfallsreich, schnell und reichhaltig sind. Oder einfach gesagt: die uns mit ihrem Journalismus packen.
Lukas Kircher ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Medienagentur KircherBurkhardt in Berlin. Er selbst hat als Zeitungsdesigner das Erscheinungsbild der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung entwickelt. Derzeit konzentriert er sich mit seinem Team auf iPad-Entwicklungen für Verlage und Industriekonzerne. Peter Littger ist Editorial Director der Medienagentur KircherBurkhardt in Berlin. Er war zuvor Medienredakteur der Wochenzeitung Die Zeit sowie Gründungsredakteur der Magazine Cicero und Park Avenue. Im Verlag Gruner+Jahr war er auch Assistent von Vorstand und Eigentümerin Angelika Jahr. Bevor er zu KircherBurkhardt stieß, leitete er die Redaktion für Corporate Publishing bei den Gruner+Jahr Wirtschaftsmedien.
Im Herbst 2010 erscheint das Buch Wozu noch Journalismus? Wie das Internet einen Beruf verändert im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht.
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(sueddeutsche.de/berr/cat)
Brasiliens Präsidentin Roussef
leider drängt sich aber auch der Verdacht auf, dass es sich um einen weiteren Werbebrief von oder für die notleidenden Verlage handelt.
Grundsätzlich ist wohl niemand bereit für das Gesülze der Online-Radaktionen heute Geld auszugeben, es sei denn er bezeichnet sich Mäzen. Und das liegt nicht daran, dass der Leser nicht bereit wäre Geld in die Hand zu nehmen. Vielmehr wird für diese Form von PR-Arbeit, den der Leser als Journalismus vorgesetzt bekommt wohl nur ein Mäzen oder Sponsor bereit sein wird zu zahlen.
Andererseits verstehe ich jene Leser nicht, die für den reinen Informationsfluss stehen bzw. ihn einfordern. Wer dies wünscht, kann bei den Agenturen seinen Infobedarf befriedigen. Was will er dann bei den Onlineausgaben von Spiegel, SZ oder FAZ?
Derzeit sehe ich keine Alternative zum Papier aber nur deswegen weil die Onlineangebote eben ohne Tiefe bzw. ohne saubere, seriöse Recherche agieren.
Etwas weiteres teile ich ebenfalls mit den beiden Autoren, nämlich die Vorfreude auf die neuen Generationen von Tablet's wie iPod oder WePad. Android wird ebenfalls antreten, wir müssen nur etwas Geduld haben. Ich teile dies deswegen, weil ich dann auf den bisher notwendigen Home-PC verzichten kann weil mir der Tablet meine Bedürfnisse im privaten Bereich befriedigt. Im Business ist das sicher anders..
Aber für alles was sich als Journalismus bezeichnen will gilt zukünftig eines. Wer sachliche Artikel schreibt, sich seiner Funktion als dritte Kraft im Staat bewußt wird, der wird auch dafür Geld bekommen. Wenn Verlage dies wieder begreifen, dann werden sie dabei sein. Wenn nicht, dann werden es echte Journalisten zukünftig im Team alleine machen. Mir sind beide Lösungen recht und ich bin auch bereit dafür zu zahlen. Aber nicht für den Schund den ich an manchen Tagen hier zu lesen bekomme.
ja, ich will in das Horn sozialoptimistischer Medienkritiker stoßen: von dem größten Problem des Journalismus wendet man sich nämlich nach drei Absätzen ab: die qualitative Verschlechterung seid den Geldsorgen der letzten Dekade. Ob Ipad oder Papier, das ist doch egal, da geht es doch darum wie sie -berechtigterweise- zu ihrem Geld kommen. Mich stört, und da schließe ich mich mindestens einem meiner Vorredner an, dass Informationen nicht mehr qualitativ hochwertig aufbereitet und in Anlehnung an den Spiegel ->reflektiert werden<-. Ich will schnörkellose Informationen ohne gleich eine Reportage lesen zu müssen oder eingestreute Meinungsschnipsel der abendländischen Kultur. Einfach reine Information, was darüber hinaus reflektiert wird muss ebenfalls objektiv bleiben, es sei denn man nennt den Artikel auch Kommentar. Genau das fehlt und würde die Frage "Wozu Journalismus?" wesentlich besser beantworten. Der Journalismus muss gelegentlich auch sich selbst den Spiegel vorhalten.
Gott sei Dank hat die SZ noch eine Papierausgabe. Dort wird im Gegensatz zur on-line Ausgabe auch die Technik beherrscht und der größte Teil der Inhalte hat noch journalistisches Niveau - ja selbst der schwächelnde Teil "Digital" wird wieder langsam besser.
Zum Beispiel zur "Schleich"werbung? Wer war das noch, der Steve Jobs anbeten wollte?
wird untergehen.
PS: Versuchen Sie mal den Armstrong/Doping-Artikel zu kommentieren.
Paging