Journalisten arbeiten zu viel und meistens nicht gut genug. Das Internet macht alles nur noch schlimmer. Und damit steht es schlecht um deutsche Regionalzeitungen.
Wozu noch Journalismus? Die Ethik der Medienmacher ist in Gefahr: Journalisten werden zu Handlangern der Politiker, bloggen im Netz und werden durch Laien ersetzt. Wie ist der Journalismus zu retten - und wieso sollten wir das überhaupt tun? In dieser Serie - herausgegeben von Stephan Weichert und Leif Kramp - setzen sich angesehene Publizisten auf sueddeutsche.de mit dieser Frage auseinander. In dieser Folge beschreibt Harald Martenstein die Abwärtsspirale im Journalismus.
Zeitung als Plattform für unangenehme Meinungen - Harald Martenstein. (© Foto: Susanne Schleyer/oh)
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Als ich anfing, mit 19, schrieb ich für eine kleine Lokalzeitung in einer mittelgroßen Stadt. Ich war Lokalreporter und bekam 20 Pfennig pro Zeile, was auch für damalige Verhältnisse wenig war, und rockte am Tag manchmal sechs oder sieben Termine herunter. Zum Nachdenken hatte ich, ehrlich gesagt, keine Zeit. Am Monatsende hatte ich 800 oder auch mal 1200 Mark verdient.
Ich konnte es mir nicht leisten, groß zu recherchieren, ich ging zu Terminen, ließ mir von den Veranstaltern etwas erzählen und gab das dann wieder. Wichtig war eigentlich nur, dass die Namen richtig geschrieben waren und dass kein Anzeigenkunde oder gar Freund des Chefredakteurs sich beschwerte.
Ein einziger Text am Tag
Später schrieb ich für eine große Regionalzeitung. Das war schon besser. Manchmal konnte ich mir den Luxus leisten, an einem Tag nur einen einzigen Text zu schreiben. Ich durfte - manchmal - so lange an einem Artikel herumtüfteln, bis er mir gefiel.
Parallel dazu redigierte ich eine Seite, und zwar täglich. Wenn ich Urlaub machte, musste ich meine Seite vorher gut vorbereiten, damit ein Kollege aus einem anderen Ressort, der von meiner Seite nur eine schwache Ahnung hatte, halbwegs zurechtkam.
Als ich, relativ spät im Leben, für Blätter wie Geo oder die Zeit zu arbeiten begann, lernte ich eine völlig andere Art von Journalismus kennen. Geo schickte mich wochenlang auf Reisen, ich wohnte in Mittelklassehotels, nicht mehr im billigsten Haus am Platz, und wenn ich das Gefühl hatte, dass ich zwei oder drei zusätzliche Tage für meine Recherche brauchte, dann war das kein Problem.
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Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Sprache war auch nur ein Teufelskreisverstärker und mußte mehr und mehr werden.
Sie half Vernunftwesen, das evolutionäre Recht des Stärkeren zu mißbrauchen und mit Kompetenz die eigene Macht zu vergrößern und ein bißchen höher zu klettern im Machtgefüge. Sprache brauchen wir, um Intelligenz zu entwickeln und zu nutzen. Mit mehr Wissen entstanden mehr Chancen, andere zu übervorteilen. Das mußten durch Rechtfertigungen legitimiert werden. Noch mehr Kompetenz und Macht ... Und damit wuchs auch die Möglichkeit, die Gemeinschaft zu vergrößern und deren Macht zu nutzen.
Und so weiter, und so fort, bis in alle Ewigkeit? - Muß nicht sein, denn immer mehr kommen d'rauf, daß weniger mehr ist. Vielleicht findet sich ja bald ein Journalist, der die Öffentlichkeit über die Strukturen menschlich-unmenschlichen Verhaltens aufklärt, über die Mechanik von Gut und Böse, die fundamentalen Spielregeln der Welt ...?
Dann könnten wir uns auf wesentliche Informationen konzentrieren und mehr fühlen. Eigentlich kann nur so eine gerechtere Welt entstehen. Vielleicht wissen ja die Macher der Süddeutschen Zeitung inzwischen, was Gerechtigkeit bedeutet, dieses zum Organisieren friedlicher Gesellschaften so wichtige Ziel. Vielleicht gibt es sogar eine n, die der GERECHTIGKEIT praktikabel definieren kann? Meine Umfragen ergaben zwar, daß jeder was anderes darunter versteht, doch Journalisten wissen ja immer mehr, weil sie viel schreiben ...
Wozu Journalismus - heute und in diesem Land? Das fragt sich der Leser im Medienmix tatsächlich. Herr Martenstein findet keine Antwort - ich auch nicht.
Wohl aber kommt er den Ursachen der Selbstzerstörung des Journalismus nahe, auch wenn er nur an der Oberfläche kratzt.
Das Grundproblem dürfte die Einstellung sein. Dem modernen Journalisten (ja, es gibt auch Ausnahmen) geht es nicht um Information, um Aufklärung, um Fakten, um Hintergründe, es geht ihm um Macht - Meinungsbildung, Definitionsmacht, Status. Recherche wird überflüssig, wenn ich bloß Meinung als Fakten ausgeben kann - da werden Anschuldigungen erhoben, die man in 10 Sekunden widerlegen kann, da wird für das Wahre und gute gekämpft, das man vorher selbst definiert hat - der 1500 Artikel im Jahr etwa, der das "Tabu" häuslicher Gewalt brechen will, da werden als seriöse Quellen ministeriale Schriften verwendet, das wird offensichtlich fragwürdiges (wie etwa die Lohndiskriminierung) ohne jedes Nachdenken abgeschrieben, da wird Meldung und Kommentar nicht getrennt, da blöken Radiomoderatorinnen ihren Sexismus fröhlich in die Welt usw.
Das zeigt sich ja mittlerweile auch im Bedeutungswandel: Sinn ergibt sich nicht mehr (aus dem Zusammenhand der Fakten nämlich) - sondern Sinn wird mittlerweile gemacht - durch das Dauergefasel des Journalisten nämlich. Und wehe dem, der es wagt, dies zu kritisieren - wer Meinung macht, macht auch Vorurteile.
Ja, Journalismus - wozu? Zur Selbstdarstellung der Journalisten? Zur Verbreitung politischer Korrektheit? Zum Abwürgen jeder Kritik. Zum freudig belanglosen Geplänkel mit den Politprofis. Um sich an der eigenen Macht zu berauschen? Ich weiß es nicht - und der Artikel konnte es auch nicht beantworten.
Es gibt Ausnahmen - erfreulicherweise - aber diese werden von den Kollegen misstrauisch beäugt, gar als Gefahr gesehen. Die Gefahr allerdings ist die Wurschtigkeit des Journalismus selbst.
Denn es liegt nahe: wozu Pressefreiheit, wenn alle Medien sich selbst gleichschalten? Und so wird, wenn der Journalismus nicht wieder zu seinen alten Werten zurückfindet, diie Pressefreiheit vermissen, wenn sie denn abgeschafft würde. Und dann ist die Freiheit auch ein Opfer des journalistischen Narzissmus geworden.
Es ist mehr als verwunderlich,
dass jetzt auch schon Journalisten anfangen zu jammern.
Dazu gibt es überhaupt keinen Grund.
Themen + Gründe zum Schreiben gibt es genügend.
Wenn man sich natürlich nur der Schlagzeilen bedient, welche in aller Kürze + Schnelle abgefasst werden können, braucht man sich über nicht professionelle Schreiber nicht zu wundern und zu beklagen.
Wurden schon einmal die Begriffe "Kinderklaubehörde" oder "Inobhutnahme" durch Jugendämter durchleuchtet?
Ist bekannt, dass im Jahre 2008 lt. Statistischem Bundesamt 32.253 Kinder/Jugendliche in Obhut genommen wurden?
Von 1995 - 2008 waren es schlappe 400.678 Kinder.
Wurde schon einmal zur Kenntnis genommen, dass der EGMR von 1960-2008 insgesamt 35 Länder wegen Menschenrechtsverletzungen 979 mal verurteilt hat?
Die Pool-Position hat Österreich mit insgesamt 206 Verurteilungen, dicht gefolgt von Deutschland mit 164 Verurteilungen.
Diese beiden ehemaligen Verbündeten haben somit einen Gesamtanteil von sage + schreibe 37,79%.
Diese Zahlen wären doch mal Grund genug aufgegriffen zu werden.
Können Sie sich vorstellen, wieviel unsägliches Leid zehntausende Kinder/Eltern darunter leiden müssen???
Durch die Willkür von deutschen Ämtern werden nicht nur Kinder, sondern auch deren Eltern für immer traumatisiert, auch kriminalisiert.
Ein Hoch auf unsere deutsche Rechtsprechung.
Falls Sie weiteres Info-Material benötigen sollten, dürfen Sie sich vertrauensvoll an
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