Journalismus bleibt unersetzlich - gerade in Zeiten der Leserreporter. Doch im Online-Journalismus brauchen etliche Medien-Websites einen inhaltlichen Neustart.
Wozu noch Journalismus? Die Ethik der Medienmacher ist in Gefahr: Journalisten werden zu Handlangern der Politiker, bloggen im Netz und werden durch Laien ersetzt. Wie ist der Journalismus zu retten - und wieso sollten wir das überhaupt tun? In dieser Serie - herausgegeben von Stephan Weichert und Leif Kramp - setzen sich angesehene Publizisten auf sueddeutsche.de mit dieser Frage auseinander.
Journalismus bleibt unersetzlich - Hans-Ulrich Jörges. (© Foto: oh)
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"Wozu noch Journalismus?" - die Fragestellung könnte auf Resignation oder gar Kapitulation schließen lassen. Wovor eigentlich? Vor Lesern, Hörern und Zuschauern, die sich abwenden, Augen und Ohren verschließen vor traditionellen Medien und in neue fliehen? Vor jungen Leuten, die statt Blei an den Fingern lieber Ringe unter den Augen haben, vom stundenlangen Surfen auf dem digitalen Meer?
Vor der Werbewirtschaft, die Anzeigen abzieht und anders - auch anderswo - nach Aufmerksamkeit fischt? Vor Verlegern, die beim Grenzgang zwischen Modernisieren und Zerstören die Balance, Maß und Ziel verlieren? Vor Heuschrecken, die sich renditehungrig in Medien verflogen haben, dort alles kahl fressen - und dann verhungern? Vor dem Internet schließlich, das alles an Information zu bieten scheint, was der Mensch zum Denken braucht - und das kostenlos, rund um die Uhr und teils in Echtzeit, live? Ist Journalismus also ein verlorener, ein aussterbender Beruf - hoffnungslos überholt wie der Kohlenschaufler auf der Elektrolok?
Kein Anlass zur Resignation
Ja, natürlich ist unsere Gewerbe unter Druck. So stark wie noch nie zuvor. Zu Resignation oder Kapitulation aber gibt es keinen Anlass. Denn Journalismus ist und bleibt unersetzlich - auch wenn sich sein Kosmos in Organisation und Technik revolutionär verändert, auch verändern muss. Informationen zu erschließen, zu filtern, zu erklären, zu ordnen und zu interpretieren - das geht nicht ohne Redakteure, ohne Rechercheure, ohne Reporter, ohne News Anchor, ohne Kommentatoren.
Der Leserreporter im Internet mag die Lehman Brothers bei der Flucht vor der Öffentlichkeit fotografieren und ihren Opfern auf der Straße Luftblasen der Empörung entlocken - was sich in den Stunden des Zusammenbruchs in Vorstandssuiten und Ministerbüros abgespielt hat, das können nur Journalisten aufdecken und einordnen. Der Demonstrant in Teheran mag mit der Handy-Kamera jener jungen Frau zur Unsterblichkeit verhelfen, die von Milizionären des Regimes erschossen wurde - die politische Wirkung ihres Todes, das Kräftespiel in Iran und die Interessen der Mächte außerhalb aber offenbart nur der kenntnisreiche Journalist.
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H-U. Jörges gehört zweifelsfrei zu jenen Journalisten, die oft unter dem ominösen Begriff "investigative Journalisten" angepriesen werden. Und wer ständig auf die Medien, seien sie nun gedruckt oder Online-Medien, zurückgreift, um sich zu informieren, um letzt-endlich diese chaotische Welt ein klein wenig besser verstehen zu könnnen, der kennt unterdessen auch jene Journalisten, die für uns alle unverzichtbar sind. Zu ihnen gehören, um mal bei der "Süddeut-schen" zu bleiben, Namen wie Heribert Prandl oder Hans Leyen-decker - und zu diesen gehört auch Hans-Ulrich Jörges oder Otto Köhler, dessen Beiträge oft in der Jungten Welt erscheinen. Sie sind natürlich nicht die einzigsten, die lesbare Beiträge in ihren Zeitun-gen oder den Internet-Portalen schreiben. Neben diesen gibt es noch zahlreiche andere, die hier nicht alle genannt werden müssen, die aber bei genauer Betrachtung dafür sorgen, daß Zeitungen - auch Online-Zeitungen - noch immer lesbar sind und bleiben, obwohl der Anzeigenmarkt teilweise weggebrochen ist und so manches Blatt Not leidet und sich zu Entlassungen entschließt .
Aber - und darauf reflektiert Jörges in seinem schönen Beitrag eben nicht - wir sollten nicht verkennen, daß Medien im Allgemeinen, aber auch im Besonderen eine wichtige Steuerungsfunktion in der Ge-sellschaft haben: nämlich die herrschenden Machtverhältnisse kritisch zu betrachten und darüber auch durchaus zu berichten - vor allem aber haben sie die Funktion, zur Machtstabilität beizutragen. Tun sie das nicht, und sind sie vor allem nicht bereit, im Mainstream der Meinungsmacher zu schwimmen, gefährden sie ihre Existenz.
Medien werden - und das nicht nur in Deutschland, sondern überall - werden dazu mißbraucht, das Denken und Handeln der Bürger nachhaltig zu manipulieren, es auszurichten auf die von den politi-schen und wirtschaftlichen Interessen vorgebenen Denk- und Hand-lungsmuster.
Finden sich in den Redaktionsstuben mutige, auch unerschrockene Journalisten, eben jene "investigativen" Frauen und Männer an ihren Computern und Schreibgeräten, die auch mal ein öffentliches Pro-blem anpacken und es bis zu seiner Lösung knallhart verfolgen - was natürlich gründliche und meist auch kostspielige Recherche voraus-setzt, wie Jörges richtig anmerkt -, dann findet das den allgemeinen Beifall nicht nur der Betroffenen, sondern auch der großen allge-meinen Mehrheit der Bürger.
Das Problem in unserem Lande ist, daß die zentralen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen