TV-Sendung in den Niederlanden Quizshow für Asylbewerber

Ihr Asylantrag wurde abgelehnt, doch für eine neue TV-Quizshow in den Niederlanden werden sie so zu Kandidaten: Asylbewerber können beim bunten Ratespiel Geld gewinnen - für einen "neuen Start in der alten Heimat". Abgefragt wird ausgerechnet Wissen über das Land, das nun doch nicht ihre neue Heimat wird.

Von Marc Felix Serrao

Die Vorschau für die neueste niederländische Quizshow kommt furchtbar fröhlich daher. Erst fliegt ein quietschbuntes Comic-Flugzeug durch die Luft, dann tritt ein blonder Strahlemann ins Bild, flankiert von zwei Stewardessen mit einem Geldkoffer. "Weg van Nederland" heiße die Sendung, erklärt er im besten Reiseanimateurs-Tonfall.

Das Konzept: Fünf Asylbewerber, deren Anträge abgelehnt wurden, haben hier noch einmal die Chance, 4000 Euro zu gewinnen - für einen "neuen Start in der alten Heimat". Gefragt sei Wissen über das Land, das nun doch nicht zur Heimat wird, etwa nach dem Königshaus, nach Kunst, Sprache, Geschichte und so weiter. Am Donnerstag ist der Sendetermin, zur Primetime um 20:25 Uhr auf dem Kanal Nederland 3. Die Kommentare von Nutzern auf der Homepage des Senders sind deutlich: "Ihr müsst ja krank sein", "Schande", "geschmacklos".

Auf genau diese Reaktionen habe ihr Sender gehofft, sagte VPRO-Sprecherin Marina Alings der Süddeutschen Zeitung am Dienstag. Die Empörung treffe ja in Wirklichkeit nicht ihre Anstalt, sondern die Art und Weise, mit der niederländische Behörden mit Asylbewerbern umgingen. Letzteres wolle der Sender mit "Weg van Nederland" zum Thema machen. Also nur eine knackige Satire? Nein, sagt Alings: "Unsere Kandidaten sind echt. Ihre Asylanträge wurden abgelehnt, sie müssen das Land verlassen."

Die Teilnehmer im Alter von 18 bis 25 Jahren leben nach Angaben des Senders alle seit ihrer Kindheit im Land. "Das sind Niederländer", erklärt die Sprecherin, "und zwar vielversprechende". Ein Kandidat habe Medizin studiert, ein anderer Luftfahrttechnik, ein dritter habe eben erst die Schule abgeschlossen - "mit sehr guten Noten".

Das Interesse an der Show hält sich der Sprecherin zufolge in den Niederlanden in Grenzen. Reaktionen aus dem politischen Betrieb habe es bislang gar keine gegeben. Ob das womöglich etwas mit dem wachsenden Einfluss von Rechtspopulisten wie Geert Wilders zu tun hat, dessen "Partei für die Freiheit" seit 2010 drittstärkste politische Kraft im Land ist? Dazu könne sie nichts sagen, antwortet die Sprecherin: "Aber das Klima bei uns ist so, wie wir es in der Sendung zeigen."