Sendeschluss Mit Andy wäre das nicht passiert

Jung und hübsch, Stadl geschlossen: Moderatoren Jordi (l.) und Mazza.

(Foto: Bodo Schackow/dpa)

Die "Stadlshow" wird eingestellt. Eine Begründung wird nicht geliefert - aber die kann man ahnen.

Von Katharina Riehl

Es hat nur ein paar Minuten gedauert an diesem Dienstag, bis die Deutung der Geschichte bei Twitter vollzogen war. Um 11.03 Uhr teilten der Bayerische Rundfunk, der ORF und das Schweizer Fernsehen in einer gemeinsamen Erklärung mit, eine Fernseh-Ära zu beenden. Der Musikantenstadl, vor einiger Zeit auf den schwer jugendlichen Namen Stadlshow umgetauft, wird eingestellt. Nur an Silvester wollen die Sender weiter gemeinsam "Publikumslieblinge und Stars der Branche" präsentieren. Eine Begründung gab es nicht, nur von "eingehender Analyse" war in der knappen Mitteilung die Rede. Im Internet aber war sofort klar: Mit Andy Borg wäre das alles nicht passiert. Und ganz falsch ist diese Deutung vermutlich nicht.

Für die Fans war es schon im vorigen September vorbei - und so war dann auch die Quote

Knapp ein Jahr ist es nun her, dass die drei für den schunkelnden Fernsehklassiker verantwortlichen Sender eine Runderneuerung des Musikantenstadl erdachten: neuer Name, andere Musik - und vor allem: neue Moderatoren. Die Quoten des Stadl waren gesunken, vielen öffentlich-rechtlichen Unterhaltsformaten geht das so, gerade bei volkstümlicher Musik und Schlager fehlt oft der Zuschauernachwuchs; außer natürlich, Helene Fischer ist im Bild. Der Zuschauerschnitt des Stadl lag ihm Jahr 2015 (vor der Umbenennung) nur noch bei 4,1 Millionen Zuschauern, vor zehn Jahren waren es noch 5,5 Millionen, 1995 mal mehr als sieben Millionen.

Die Sender machten Alexander Mazza und Francine Jordi zu den Gesichtern der neuen Stadlshow: Auf Borg (für den der Ausdruck Schlagerfuzzi vermutlich keine Beleidigung ist) folgten ein sehr professioneller Moderator für Diverses und eine Schweizer Sängerin. Zwei freundliche, gut aussehende Menschen ohne erkennbares Profil. Unterhaltung, glatt gebürstet.

Selbstverständlich konnte man den Musikantenstadl immer sehr schrecklich finden, aber man musste auch anerkennen: Die Show hatte viele leidenschaftliche Fans. Wenn man so will, haben diese Fans ihre Sendung nicht erst an diesem Dienstag verloren, sondern schon, als das Fernsehen ihren Andy Borg rauswarf. Und sie haben das übel genommen: Gerade mal 2,48 Millionen Menschen wollten die erste neue Stadlshow im September noch sehen, 2,82 Millionen die Silvesterausgabe.

Mit dem Aus des Musikantenstadl geht ein Stück deutsche Fernsehgeschichte zu Ende, und das nicht nur, weil die Sendung 1981 das erste Mal gezeigt wurde: Wieder einmal wird eine große Samstagabendshow eingestellt; und wieder einmal zeigt sich die Hilflosigkeit, mit der die öffentlich-rechtlichen Sender versuchen, ihre Unterhaltungsmarken zu renovieren. Erst im Dezember 2014 hat das ZDF seinen Showklassiker Wetten, dass . . .? vom Bildschirm genommen. Auch Wetten, dass . . .? sollte mit Markus Lanz und schrecklich albernen Spielen irgendwie moderner werden und wurde vor allem: völlig bedeutungslos.

Das Ende der Stadlshow war eines mit Ansage, schon im September hatte BR-Unterhaltungschefin Annette Siebenbürger lediglich eine Bestandsgarantie für 2015 aussprechen wollen. Beim BR heißt es nun, die Zuschauer hätten das veränderte Format nicht ausreichend akzeptiert. Es sei aber eine "Fehlinterpretation, dass wir in erster Linie ein jüngeres Publikum ansprechen wollten." Ziel der Neuerung sei gewesen "das bisherige Publikum zu begeistern und neue Zuschauergruppen ansprechen zu können". Das sei "leider nicht ausreichend gelungen". Eine neue Showreihe des Genres vom BR fürs Erste sei nicht geplant.