Scheitern von FTD Protest in Lachsrosa

"Das ist unangemessen und unfair": Entlassene Redakteure der Financial Times Deutschland finden das Abfindungsangebot von Gruner+Jahr viel zu niedrig. Nun klagen sie gegen die Kündigung.

Von Kristina Läsker, Hamburg

Ein paar lachsrosa Jacken gibt es also noch. Die meisten Relikte der Financial Times Deutschland hatten die Redakteure im Dezember versteigert, als klar war, dass ihre Zeitung nach zwölf Jahren für immer dichtmachen würde. Am Montag nun stehen ein paar Dutzend Journalisten vor dem Arbeitsgericht in Hamburg. Sie halten Tafeln hoch ("Ins Nichts entlassen! Mit Almosen abgespeist?") - ein paar haben sich in die alten Windjacken gequetscht. Man muss wohl ziemlich verärgert sein, wenn man morgens in dünner Jacke bei Kriechkälte vor einem Gerichtsgebäude posiert.

Später gehen einige hinein, sie wollen eine Kündigungsschutzklage gegen den Verlag Gruner+Jahr einreichen. Weil sie sich zu billig abgespeist fühlen. Im Dezember hatte die Bertelsmann-Tochter das Aus für die Wirtschaftsmedien angekündigt, zu denen auch Capital, Börse Online und Impulse gehörten. Im Januar wurde 350 Mitarbeitern gekündigt. Seither wird um die Abfindungen gerungen: G+J will pro Beschäftigungsjahr ein halbes Monatsgehalt zahlen - für maximal zwölf Jahre. Bei Verzicht auf die Kündigungsschutzklage soll ein weiteres halbes Monatsgehalt hinzukommen.

Viele halten das für viel zu niedrig: Sie sei enttäuscht, sagt Anke Schulz. "Das ist unangemessen und unfair." Die Bildredakteurin leitet den Betriebsrat der Wirtschaftsmedien. Mehr als 60 Kollegen wollten Klage einreichen, damit ihre Kündigung nicht wirksam werde, schätzt sie.

Ein Arbeitsrichter soll vermitteln

Die Gespräche zwischen Betriebsrat und Gruners Personalleiter Felix Blum über die Abfindungen waren zuletzt gescheitert. Der Verlag habe sich kaum bewegt, sagt Schulz. So lehne es G+J (operativer Gewinn 2011: 233 Millionen Euro) ab, den Gekündigten einen höheren fixen Sockelbetrag zu zahlen oder Älteren mehr Abfindung zuzugestehen. Deshalb hat der Betriebsrat vor zwei Wochen ein gesetzliches Einigungsverfahren eingeleitet, ein Arbeitsrichter soll vermitteln. Auch G+J begrüßt das: "Wir werden den Spruch der Einigungsstelle akzeptieren, wenn dieser den gesetzlichen Anforderungen genügt", sagt ein Sprecher. Er verweist darauf, dass schon mehr als 75 Angestellten "eine neue Jobperspektive" vermittelt worden sei, zudem hätten 40 Mitarbeiter das aktuelle Abfindungsangebot unterzeichnet.

Die Stimmung ist dennoch mies. Im Dezember hatten die Verlagsvorstände Julia Jäkel und Achim Twardy großzügige Lösungen versprochen. Das werde jetzt nicht eingehalten, sagt ein Redakteur. "Die Art und Weise, wie wir entsorgt werden, demotiviert das ganze Haus." Zumal G+J früher weit mehr gezahlt hat, etwa 2008. Damals lockte Ex-Chef Bernd Buchholz mit einer "Low-Performer"-Prämie von bis zu 50.000 Euro, er wollte bestimmte Redakteure loswerden. Geholfen hat ihm das kaum: Auch Buchholz musste abtreten. Seine Abfindung soll fünf Millionen Euro betragen haben.