Satire über Guttenberg Kragen hoch und durch

In Berlin entsteht ein Film über Franz Ferdinand zu Donnersberg, einen jungen Adelsmann, der in der Politik sein Glück versucht, bei seiner Doktorarbeit aber schwer schummelt. Der Fall Guttenberg bietet hier viel Stoff für eine Satire - im Gegensatz zu Bettina Wulff, über die Produzent Nico Hofmann lieber ein Doku-Drama drehen will.

Ein Besuch am Set. Von Katharina Riehl

Je höher einer aufgestiegen ist, desto mehr sehnt sich das Publikum danach, ihm anschließend beim Fallen zusehen. Das ist gewissermaßen klassische Dramentheorie, und am Ende ist es der Grund, warum der Schauspieler Kai Schumann im Büro von Matthias Platzeck den Anzug wechselt.

Kai Schumann spielt in der Guttenberg-Satire die Titelrolle.

(Foto: dpa)

Kai Schumann spielt Franz Ferdinand zu Donnersberg, einen jungen, gut aussehenden Adelsmann, der in der Politik sein Glück versucht, seine Doktorarbeit aber von einem anderen zusammenschustern lässt; er spielt einen, der ganz schnell ganz nach oben kommt und dann auf die Nase fällt. Gedreht wird an diesem Tag in der Brandenburgischen Landesvertretung in Berlin, wofür es keinen besonderen Grund gibt, nur den, dass es dort erlaubt ist. In dem Büro, an dessen Tür der Name Platzeck steht, soll sich später ein SPD-Vorsitzender auf einem Trimm-Dich-Rad über den Rücktritt des Adeligen freuen. Bis dahin ist es die Umkleidekabine.

Nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg dauerte es sieben Monate, bis der Produzent Nico Hofmann eine Filmversion der Blitzkarriere-Doktordesaster-Geschichte ankündigte und erklärte, dass Aufstieg und Fall nicht als klassisches Drama, sondern als Satire in Szene gesetzt werden sollen. Der Vergleich mit Schtonk (Helmut Dietl über den Aufstieg und Fall des Fälschers der Hitler-Tagebücher) wurde bemüht. Dass weitere vier Monate später die nächste deutsche Politikerkarriere nicht weniger dramatisch endete, zeigt natürlich auch, wie kurz die Halbwertszeit aktueller Stoffe ist. Zu den Wulffs aber später.

Der Minister heißt hier also Donnersberg, der Persönlichkeitsrechte wegen, seine Freunde nennen ihn Donni. Die Maskenbildner haben Kai Schumann, dem schönen Arzt aus der Serie Doctor's Diary, das Haar befeuchtet und in Richtung Hinterkopf gestrichen, er trägt eine runde Brille dazu. Wenn er geht, dann ist sein Oberkörper sehr gerade und leicht nach vorne gelehnt, der Unterkörper federt. Kai Schumann sagt, man übernehme von der realen Figur, "was einem auffällt und was einem erzählenswert erscheint".

An diesem Tag in der Landesvertretung steht Donni in einem kleinen Büro, am Schreibtisch sitzt Max, gespielt von Johann von Bülow, an den Wänden hängen himmelblaue Wahlplakate für den "Baron der Herzen". Donni trägt Max die Einleitung seiner Doktorarbeit vor, die mit "Europa" beginnt, Wörter wie Gewissheit, Tradition und Würde folgen ohne erkennbaren Sinnzusammenhang. Max sagt, dass er es nicht hätte besser schreiben können.

Doku-Drama über Bettina Wulff

Max ist der Spin-Doctor hinter dem schönen Baron, er hat ihn quasi erfunden. Johann von Bülow sagt, er müsse immer an die Pet Shop Boys denken, die einmal sangen "I've got the brains, you've got good looks" - Ich habe den Verstand, du siehst gut aus. Die Figur Max ist natürlich vor allem ein geschickter dramaturgischer Kniff, die Bewertung des Politikers zu umgehen: Seine Geschichte wird als Geschichte einer Männerfreundschaft erzählt; Donni ist von Beginn an nur eine Kunstfigur, nur zum Blenden erschaffen. Natürlich muss sie am Ende stürzen.

Spätestens im März soll Der Minister bei Sat 1 laufen, hofft zumindest Nico Hofmann. Der Film müsse jetzt schnell kommen, sagt er, und hat sicher recht. Die Dreharbeiten jedenfalls liefen ziemlich genau eine Woche, als der Teamworx-Chef der interessierten Presse eine neue Filmidee zu Protokoll gab: ein Doku-Drama über Bettina Wulff. Keine Verfilmung des Buches, sagt er, ein dokumentarischer Film über die letzten zwölf Wochen vor dem Rücktritt Christian Wulffs, "eine Vielzahl von tiefer gehenden Gesprächen" wäre dafür nötig. Nico Hofmann, der bislang vor allem mit der Aufarbeitung deutscher Geschichte (Rommel, Dresden, Mogadischu, München 72) auffiel, verfilmt derzeit offenbar gerne Titelseiten der Bild-Zeitung.

Ach ja, die Medien: In einem ersten Filmtrailer sieht man Donni mehrfach mit dem Chefredakteur einer großen Boulevardzeitung herumstehen. Der Zeitungsmann hat das Haar Richtung Hinterkopf gestrichen, dazu trägt er eine runde Hornbrille. "Du siehst gar nicht so scheiße aus wie ein Politiker", sagt der Journalist. Auch das ist, natürlich, nur Satire.