Sat1-Chef Andreas Bartl im Gespräch "Es fehlt die Konstanz"

SZ: Also das Gleiche für weniger Geld?

Bartl: Nein. Wir bringen die Kern-Genres klarer zur Geltung und fügen neue Genres wie Entertaining Reality ein.

SZ: Zum Sat-1-Kern gehört auch Nur die Liebe zählt mit Kai Pflaume. Nun hat Pflaume gesagt, er hört mit Nur die Liebe zählt auf. Planen Sie noch mit ihm oder ist er an die ARD verloren?

Bartl: Gegenwärtig planen wir keine weiteren Formate mit ihm, aber ich sage niemals nie. Das Format Nur die Liebe zählt soll aber weiter laufen.

SZ: Was erwarten Sie von Harald Schmidt, der von Herbst an wieder bei Sat1 auftritt?

Bartl: Harald Schmidt soll uns Relevanz in der Late Night zurückgeben. Er ist die Instanz der Late Night in der Art, wie er sie macht. Stefan Raab verfolgt ja ein anderes Konzept. Ich habe die Stimme von Harald Schmidt, die den Tag in einem Bogen von Kultur bis Politik einordnet, vermisst. Außerdem ist er ein zusätzliches Sendergesicht, das uns steht.

SZ: Wie stellen Sie dann Oliver Pocher auf?

Bartl: Wir sprechen gerade mit ihm über die Zukunft. Ich halte ihn für einen kreativen Künstler, leider hat seine Late Night bei Sat 1 nicht funktioniert. Aber wir haben ja eine Senderfamilie, ich kann mir ein Engagement bei einem anderen Sender in unserer Gruppe vorstellen. Das ist noch offen, aber wir wollen mit ihm weiter arbeiten.

SZ: Wollten Sie nicht nach dem Verkauf von N 24 den Verlust des Nachrichtensenders durch mehr nachrichtliche Relevanz im Programm steigern? Außer der politischen Talkshow mit Claus Strunz, die noch im März beginnt, ist keine News-Excellence-Offensive erkennbar.

Bartl: Ich fasse den Nachrichtenbegriff weiter als der eine oder andere Medienpolitiker. Mir ist daran gelegen, bei Sat 1 in der späten Stunde eine Infoschiene aufzubauen von Montag bis Donnerstag, was wir tun. Wir haben die politische Talkshow, die Spiegel- und Focus-TV-Reportagen und Planetopia am Montag. Dazu kommen die Akte am Dienstag, Ermittlungsakte am Mittwoch, Kerner am Donnerstag. Und unsere Nachrichten sind seit dem Verkauf von N 24 nicht schlechter geworden.

SZ: Akte ist eine Informationssendung im Sinne von Nachrichtengebung?

Bartl: Für Nachrichten im Sinne von Information: ja.

SZ: Aktuell bietet die Akte-Homepage nackte Brüste, mit der das Thema "Pfusch bei der Brust-OP" beworben wird, es gibt Verbraucher-Tipps zu Strom, Gas, Telefon, dann geht es um "Heim abgebrannt und die Versicherung zahlt nicht" und "Albtraum Schimmel" in der Wohnung.

Bartl: Verbraucherinformation ist auch Information. Ich glaube, dass die Lebenswirklichkeit der Zuschauer den Informationsbegriff weiter fasst als nur politische Information.

SZ: Am Ende müssen Sie aufpassen, dass die Harald Schmidt Show nicht Ihre beste Informationssendung wird.

Bartl: Harald Schmidt ist ein großer Kommentator des aktuellen Geschehens und wenn seine Show als Informationssendung eine größere Rolle spielt, habe ich nichts dagegen.

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