Neue Rundfunkgebühr Wann kommt der "Tatort"-Kanal?

Und anstatt das Programm richtig zu renovieren, setzten beide öffentlich-rechtlichen auf das Prinzip der hemmungslosen Fortpflanzung, wie sie kein anderes öffentliches Rundfunksystem in Europa kennt. In den Hauptprogrammen, die mit Privatsendern jeden Monat um die Marktführerschaft rivalisieren, betreiben ARD und ZDF schlicht Quotenfernsehen - mit Talks und Tatort, Shows und teurem Sport, Promi-Einkäufen wie Günther Jauch und Thomas Gottschalk und gelegentlich auch mit schwülem Historienfernsehen wie Die Borgia.

Um das Regionale kümmern sich die Dritten Programme, die natürlich längst bundesweit empfangen werden. Und für fast alles übrige fand sich in der Vergangenheit ein Weg und ein politischer Auftrag, von den 7,5 Milliarden noch einen weiteren neuen Spartensender zu gründen.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk gleicht einer Tafelgesellschaft, bei dem der Koch für jeden Gast ein eigenes Menü bereitet und die Kosten in der Küche auflaufen. Die Kultur findet ihren Platz bei 3sat, Arte oder zuletzt beim Digitalkanal ZDF kultur - jedenfalls dort, wo kaum einer zuschaut. Für junge Familien hat das ZDF sein Programm Neo gegründet, das für 30 Millionen pro Jahr ziemlich gutes Programm macht; die ARD hat für die Altersgruppe den Sender Eins Festival auf den Weg gebracht.

Was gar keine Quote bringt, aber zum Kernauftrag von Rundfunk in der Demokratie gehört - Bundestagsdebatten und das Tagesgeschäft der politischen Klasse in Berlin - ist zu Phoenix ausgelagert. Es gibt den Nachrichtensender Tagesschau 24 und den Kanal ZDF info.

Eigentlich fragt man sich nur, wann die ARD aus ihrem Programmfundus noch einen Tatort-Kanal bestreiten wird und das ZDF ein Programm, in dem es den ganzen Tag nur Markus Lanz zeigt.

Die neueste Idee ist das Werben um die 14- bis 25-Jährigen. Auch dafür wird nun ein neuer Sender gebaut, diesmal immerhin ein Gemeinschaftsprojekt von ARD und ZDF, für das zwei Digitalkanäle fusionieren sollen. Die Strategen der beiden Senderfamilien scheinen noch uneins, ob dafür nicht doch neues Geld bei der Gebührenkommission KEF beantragt werden soll. Es sind die Vorbereitungen für eine nicht allzu ferne Zeit, in der das heutige Stammpublikum, nun ja, nicht mehr fernsehen kann. Der Preis der sicheren Quote ist jedenfalls der gewohnte Verzicht aufs belebende Experiment im Massenprogramm. Man nennt es auch Langeweile.

Aber von der GEZ sollen ja auch schon Tote angeschrieben worden sein.