RTL-Film Adidas gegen Puma: Kampf zweier Brüder

Im Drama der Brüder spielt auch die Fußball-Weltmeisterschaft in Bern 1954 eine Rolle: Adi Dassler (Ken Duken, M.) schraubt in der Kabine.

(Foto: Zei/RTL)

Ein Familienbetrieb, zwei Konkurrenten. RTL erzählt die Geschichte von Adolf und Rudolf Dassler als Familiensaga um die Entstehung zweier Weltkonzerne.

TV-Kritik von Uwe Ritzer

Nicht nur das große Berlin, auch das kleine, fränkische Herzogenaurach hatte seine Mauer, eine Mauer in den Köpfen allerdings. Sie kostete keine Menschenleben, hatte aber deutlich länger Bestand als jene in der Hauptstadt. Sie trennte nicht Ost und West, sondern die Mitarbeiter und Anhänger der einen von jenen der anderen Firma. Adidas oder Puma. Drei Streifen oder das springende Raubtier. Automatisch ging der Blick der Herzogenauracher lange Zeit zuerst auf die Schuhe ihrer Gegenüber.

Wer für Adolf "Adi" Dassler arbeitete, trank sein Bier nur in Kneipen, in denen ausschließlich Adidas-Leute verkehrten. Die Beschäftigten in Rudolf "Rudi" Dasslers Firma Puma hielten es ebenso. Ganze Familienclans waren bei der einen oder der anderen Firma beschäftigt; sogar bei der Partnerwahl soll bisweilen auf die Marke geachtet worden sein. Man tanzte auf getrennten Faschingsbällen und bei den Derbys zwischen den Adidas-Fußballern vom ASV und jenen des Puma-Klubs FC ging es hoch her. Und alles nur, weil sich zwei Brüder heillos zerstritten und bis an ihr Lebensende nicht wieder angenähert, geschweige denn versöhnt haben.

Wettlauf der Verfilmungen des großen Bruderduells

Kein Lebender weiß zuverlässig, was zum Zerwürfnis von Adolf und Rudolf Dassler führte. Waren es Intrigen oder misstrauische Ehefrauen, ging es um Eitelkeiten oder um Macht, um Neid oder Sex? Um Verstrickungen in den Nationalsozialismus? Um Verrat? Womöglich sogar um alles zusammen? Oder verband und trennte die Brüder Dassler eine gewissermaßen genetisch bedingte, unauflösbare Hassliebe?

Erfolgsgeschichte mit drei Streifen

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Ein großartiger Stoff für Dramaturgen. So gesehen ist es eigentlich erstaunlich, dass dieses spannende Bruderduell aus der jüngeren Wirtschaftsgeschichte jetzt erst verfilmt wurde. Das allerdings gleich doppelt. Gleichzeitig gaben RTL und ARD Spielfilme über die Dasslers in Auftrag. Reiner Zufall, versichern beide Sender.

Im Wettlauf um die Ausstrahlung geht RTL am Karfreitag als Erster durchs Ziel. Die ARD zieht voraussichtlich im Herbst mit einem Zweiteiler nach, ebenfalls an einem "prominenten Sendetermin", wie es heißt. Als Produzenten sind Michael Souvignier (Das Wunder von Lengede, Das Tagebuch der Anne Frank) bei RTL und bei der ARD das Duo Quirin Berg und Max Wiedemann (Das Leben der anderen, Die Spiegel-Affäre) am Start. Beide Filme werden mit Dokumentationen ergänzt.

Keiner der Spielfilme wird und kann die Frage seriös beantworten, was die Dasslers tatsächlich entzweite. Dass muss aber auch nicht sein, denn diese Geschichte von Leidenschaft und Hass, von Wettkampf und Erfolg lebt und fasziniert aus sich selbst heraus. Aus ihrer Rätselhaftigkeit und dem, was aus alledem entstand. Der RTL-Film hält sich ganz an die Emotion: Ein Bruderzwist, von Regisseur Oliver Dommenget in gefühligen Bildern inszeniert, als spannender Film, bei dem aus Brüdern misstrauische Rivalen und schließlich verbitterte, sich verachtende Gegner werden. Die famosen Schauspieler Ken Duken und Torben Liebrecht verkörpern Adi und Rudi Dassler so, wie sie zweifellos waren: Als Egomanen.