Remakes und Reboots Die Serie soll weitergehen - das Leben tut es ja auch

fuller house fuller house

(Foto: Netflix)

"Baywatch", "Full House" und "MacGyver": Alte TV-Serien werden recycelt. Ist das goldene Zeitalter des Fernsehens deshalb vorbei? Quatsch! Diese Neuauflagen passen gut in unser Leben.

Von Julian Dörr

Jetzt sind also auch die Tanners zurück. Zurück in diesem schmalen, weißen San-Francisco-Haus, in dem es noch ein bisschen enger geworden ist: Fuller House, die Fortsetzung der Spätachtziger-Familien-Sitcom Full House um den alleinerziehenden Vater Danny Tanner, seine drei Töchter, seinen Schwager Jesse und seinen besten Kumpel Joey, ist nun bei Netflix verfügbar. Und bis auf auf die Zwillinge Mary-Kate und Ashley Olsen sind alle Schauspieler von damals wieder mit dabei.

Alles kommt zurück. Das ist in der Mode schon lange so, ebenso im Pop. Recycling ist eine Kulturtechnik. Und doch scheinen die Zyklen der Wiederverwertung dichter aufeinander zu folgen - vor allem im Bereich der Filme und TV-Serien. Mad Max donnert wieder durch den postapokalyptischen Staub, Luke Skywalker reicht sein Lichtschwert weiter und Fox Mulder steigt lässig aus dem Uber-Auto. Full House wurde 1995 nach acht Jahren, acht Staffeln und 192 Folgen abgesetzt. 2016 ist es wieder da. Und erzählt uns die Geschichte der Schwestern D.J. und Steph und ihrer Freundin Kimmy, die mittlerweile selbst Kinder haben.

Happy-End - und dann ist dann einfach Schluss?

Streaming-Anbieter Netflix hat uns die Tanners zurückgebracht, ein Reboot der Gilmore Girls ist dort bereits in Planung. Auch MacGyver darf bald wieder auf den Bildschirmen Bomben aus Kaugummi und Sicherheitsnadeln bauen. Baywatch kommt als Film zurück und "Eiskalte Engel" als Serie.

Eine schrecklich moderne Familie

"Fuller House" ist eine zeitgemäße Version der beliebten Sitcom aus den Achtzigern - aber nur, was das Setting angeht. Fast alle Mitglieder der Familie Tanner sind wieder dabei. TV-Kritik von Nadja Schlüter mehr ...

Kulturpessimisten sehen deshalb Hollywood verloren und befürchten das Ende des kurzen, aber goldenen Zeitalters der Serie. Weshalb wir an dieser Stelle ein Lob der Endlosigkeit aussprechen müssen. Wir wollen, dass die Geschichte immer weiter geht. Das Leben tut es ja auch. Dieser große, epische Moment, dieses strahlende Happy-End - und dann ist einfach Schluss? Das ist spätestens dann Quatsch, wenn ich mich am nächsten Tag aus dem Bett wälzen und mich durch dieses fiese kleinen Ding, das sich Alltag nennt, schleppen muss.

Die Tanners, die Gilmores, Mulder und Scully, Han und Leia. Ja, es ist richtig und gut, dass sie alle zurückkehren. Sind sie uns doch über die Jahre wie Freunde ans Herz gewachsen. Und verschwinden Freunde einfach so aus unseren Leben? Sollten sie zumindest nicht.

Und warum sollte das ewige Leben nur Telenovelas und bräsigen Soaps vorbehalten sein? Wenn Andy Zenker in der Lindenstraße immer noch beim Griechen sitzen darf, warum dann nicht auch die Friends im New Yorker Café Central Perk?

Die Inszenierung des Alltäglichen muss nicht belanglos sein

Werden wir uns mit der ewigen Wiederkehr unserer TV-Freunde irgendwann zu Tode langweilen? Vielleicht. Aber wenn uns große Regisseure wie Edgar Reitz und Richard Linklater eines gezeigt haben, dann dass die Inszenierung des Alltäglichen keine Inszenierung der Belanglosigkeit sein muss.

David Hasselhoff in "Baywatch": Es ist gut, dass Serien zurückkehren

(Foto: Imago Stock&People)

Zwischen 1980 und 2003 drehte Edgar Reitz seinen Filmzyklus "Heimat", ein Werk von mehr als 50 Stunden Länge. "Heimat" ist eine Chronik des Alltags, des einfachen Lebens in der fiktiven Hunsrück-Gemeinde Schabbach - vom Ende des ersten Weltkriegs bis zur Deutschen Einheit. Vor allem aber ist "Heimat" eine große Erzählung über das Scheitern und das Wiederaufstehen, über dieses absurde Menschenleben, genial verwoben mit der Geschichte dieses Landes.

Ähnliche Wirkmacht entfaltete 2014 Richard Linklaters "Boyhood". Über 12 Jahre hinweg drehte der Regisseur immer wieder mit denselben Schauspielern und schuf so nicht nur eine wundervoll-realistische Coming-of-Age-Geschichte, sondern auch ein Werk über das schöpferische und zugleich nagende Regiment der Zeit.

Am Anfang liegt der kleine Mason im Gras und blickt in den Himmel, am Ende geht die Sonne im Canyon unter, eine junge Frau an Masons Seite. Da endet auf einmal die Geschichte und man muss diesen Jungen, dessen ganzes bisheriges Leben man in diesen magischen Kinostunden begleitet hat, einfach ziehen lassen. Man will in diesem Moment nichts mehr, als zu sehen, wie es weitergeht mit ihm und dem Mädchen, wie es auf dem College läuft. Und ja, wir wollen wissen, wie es mit dem alten Luke Skywalker auf dieser gottverlassenen Insel weitergeht.

Wiedererweckung der TV-Zombies

Akte X, Gilmore Girls oder Twin Peaks: Warum werden gerade so viele Serien künstlich belebt? Hohe Quoten sind nicht der einzige Grund. Von Jürgen Schmieder mehr ...